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MOTORRAD-Redakteur Werner Koch über die Einstellung der Koni-Federbein-Produktion in Holland

Aus die Maus. Koni in Holland hat kein Interesse mehr am Motorradmarkt, stellt die Produktion und Entwicklung zum 1. Juli ein. Koni – Wundermittel für fröhlich schunkelnde Japan-Bikes der 70er Jahre. Egal, ob Honda CB 750, Yamaha RD oder Suzuki GT 750 Wasserbüffel, alle profitierten vom schwarzen Dämpfer-Duo, das den verwindungsfreudigen Rohrgestellen so etwas Ähnliches wie Spurstabilität beibrachte. Schon damals in der Dämpfkraft verstellbar, mit unterschiedlich harten Federn leicht abzustimmen. Früher der Tipp, im Zeitalter der Zentralfederbeine in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht.
Während andere Federbein-Hersteller der Nachfrage kaum Herr wurden, tröpfelte bei Koni die Entwicklung lustlos hinterher. Es fehlte am engagierten Testteam, und das Finish der schweren, lieblos zusammen gebruzzelten Bauteile ließ zu wünschen übrig. Damit war gegen die feinen Produkte von Öhlins, WP und Technoflex nicht anzukommen.
Doch anstatt das immense Know-how der Federungsspezialisten zu nutzen, dreht man jetzt den Hahn vollends zu. Warum, fragt man sich kopfschüttelnd, haben die Holländer ihr Wissen, das sie im Automobilsport bis in die Formel 1 brachte, nicht auf den wachsenden Motorrad-Markt übertragen? Oder gehört für einen Marktriesen der Bestand von über drei Millionen Motorrädern allein in der Bundesrepublik zu den Peanuts?
Koni – eine Legende geht. Wenn sich niemand findet, der die Federbein-Produktion übernimmt.
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