Starter-Spezial (Archivversion)

Die Spaßmacher unter den 34-PS-Bikes

MOTORRAD stellt sie auf den folgenden Seiten vor.

An den Anfang der Geschichte gehören die, welche schon weiter vorn (ab Seite 144) zu sehen sind. Unsere Top-Favoriten, die Aprilia RS 125 und die Suzuki SV 650. Dynamisch, jedoch auf gediegene bayrische Art kommen die BMW F 650 GS und CS daher. Ihre modernen Einzylindermotoren büßen durch das Drosseln nur wenig Temperament ein. Obendrein sind sie die einzigen vernünftigen Möglichkeiten für Inhaber eines Stufenführerscheins, ein Motorrad mit ABS zu fahren. Vernünftig, weil das Antiblockiersystem zwar 510 Euro Aufpreis (Preis ohne ABS 7362 und 7762 Euro) kostet, als ABS-Alternative aber nur noch teurere, starke Hightech-Maschinen in Betracht kommen, die oft abenteuerlich heruntergewürgt werden müssten. Auch das ist möglich; mit Umrüstkits und Gutach-ten wie sie zum Beispiel Alpha-Technik (www.alphatechnik.de) anbietet, lässt sich sogar eine Suzuki GSX 1300 R Hayabusa von 175 auf 34 PS reduzieren. Meist machen jedoch diejenigen Motorräder den größten Spaß, die möglichst wenige PS lassen müssen. Weil sie flinker und einfacher zu bewegen sind.Noch ein Tipp: Außer der Aprilia RS 125 und den BMW kann praktisch keine Maschine ab Werk mit 34 PS bestellt werden. Selbst die von den Herstellern angebotenen Drosselkits muss also der Händler vor Ort einbauen. Beim Kauf einer Maschine lohnt es sich deshalb, wegen der Umbaukosten energisch zu verhandeln. Die Entdrosselung kostet übrigens bei den hier genannten Motorrädern zwischen 80 und 150 Euro inklusive Eintrag in den Fahrzeugschein.Den preisgünstigsten Eingang in die Welt seidig laufender Vierzylinder eröffnet die Yamaha XJ 600 N. 5330 Euro kostet sie, und als technisch clever gemachtes Motorrad kann sie sich sogar in ihrer elften Saison noch sehen lassen. Sportlich orientierte oder schwerere Fahrer werden allerdings das zu weich abgestimmte Fahrwerk bemängeln.Im Gegensatz zur Ducati Monster 620 S (8200 Euro). Sie fordert Gewöhnung an das straffe Fahrwerk und Einsatz vom Piloten. Selbst für die Betätigung von Kupplung und Getriebe braucht es Entschiedenheit, doch alles vollzieht sich sehr präzise. So dokumentieren sich Sportlichkeit und Direktheit der Monster, die ihren Reiz ausmachen. Für den ersten Wechsel seien Sportreifen von Bridgestone, Metzeler, Michelin oder Pirelli empfohlen. Sie machen die 620er leichtfüßiger.Mit der Überarbeitung für die Saison 2003 hat Honda die Hornet 600 enorm nach vorn gebracht. Ein genau passender Kompromiss zwischen Komfort und straffer Federung, wie sie für zügiges Fahren nötig sind und ein tausendfach bewährtes Vierzylinder-Triebwerk zeichnen sie aus. Nicht zu vergessen, weil für Motorrad-Novizen besonders wichtig, ein gefälliges Fahrverhalten. Der Preis für die Hornisse beträgt 7350 Euro, immerhin etliche Euro günstiger als eine Ducati Monster S.Wer die bislang vorgestellten Motorräder auf sich wirken lässt und schon einen Blick auf die Honda Transalp (7440 Euro) wirft, dem wird auffallen, dass die Zusammenstellung nicht sklavisch auf scheinbar unabdingbare Einsteigermerkmale achtet. Eine niedrige Sitzhöhe etwa, wie sie Cruiser bieten. Mit Absicht. Ihre Bedeutung fürs Motorradfahren wird genauso wie das Kräftehandicap zierlich gebauter Menschen stark überschätzt. Einspurfahrzeuge sind nun einmal Balanciergeräte, egal, ob beim Fahren oder Schieben. Und wenn ein kräftiger 120-Kilo-Kerl ein nur 180 Kilogramm leichtes Motorrad falsch rangiert, dann wird es ihn ebenso umschmeißen wie ein superschlankes Mädel. Da ist es besser, die Hemmung vor etwas höheren Sitzen und mehr Gewicht langsam abzubauen und dafür bessere Fahreigenschaften und mehr Schräglagenfreiheit zu genießen. Warum also nicht auf einer Reiseenduro wie der Transalp Platz nehmen? Dort genießt man perfekten Überblick. Und der Motor behält mit 34 PS seine Seele, das Fahrwerk mit seinen langhubigen Federelementen bietet auf schlechten Straßen eine Extraportion Komfort. Sogar für den Passagier.Kommen wir zur dritten Vierzylindermaschine, der Suzuki GSF 600 Bandit für 5850 Euro. Ihr Triebwerk gefällt durch besondere Laufruhe. In der gedrosselten Version spielt sich statt oben das meiste in der Mitte ab. Wichtig für unbeschwerten Fahrgenuss. Den unterstützt die Suzi noch durch weitere Qualitäten. Ein Nachwuchs-Tester: »Die Bandit schmeichelt mir. Sie lässt mich glauben, ich sei ein guter Motorradfahrer.«Wie man ein Zweirad aufs Nötigste beschränkt, zeigt die nur 4104 Euro teure Kawasaki ER-5. Mit schwarz lackierter statt edelstählerner Auspuffanlage, nur einer Bremsscheibe vorn und zwei schlichten Federbeinen hinten – ein Wunder, dass der Motor nicht nur einen Zylinder hat. Aber quirlig und frech, dass sie einem ins Blut schießt wie eine große Dosis Traubenzucker.Auf dem einzigen Cruiser dieser Auswahl, der Harley- Davidson XLH SPORTSTER 883, hat das, was in einen fährt, eine andere Qualität. Rustikale »vibes« und ein satter Klang, der manch einem besser gefällt als der eines großen Twin Cam 88. Und überhaupt: wenn schon Cruiser, dann das Original für 7600 Euro. Zumal es besser fährt als manches japanische Derivat.Wie Harley genießt auch Moto Guzzi Kultstatus. Aus dem Programm des Traditionsherstellers empfiehlt MOTORRAD die neue Breva V 750 I.E. (7650 Euro). Ein hübsches Motorrad von schon beinahe japanischer Gefälligkeit. Abgesehen von den kurzen Federwegen hinten, die den Komfort einschränken, abgesehen auch – jetzt im positiven Sinn – vom typischen V2-Motor mit längsliegender Kurbelwelle und Luftkühlung.Leuten, denen selbst Harley und Ducati zu lieblich geraten sind, sei die KTM 640 LC4 Supermoto ans Herz gelegt. Ihren temperamentvollen Einzylinder mit dem rustikalen Laufverhalten gibt es zudem in einer Enduro und der verkleideten Reiseenduro Adventure (7540 bis 8350 Euro). Dank ihrer Handlichkeit profilieren sie sich auf kurvigen Strecken als die flinksten Frechdachse dieser Geschichte.
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