Supersport 600-WM (Archivversion)

Eifler Roulette

Natürlich waren Jörg Teuchert und Christian Kellner selbst schuld, daß sie für das Supersport-WM-Rennen auf dem Nürburgring bei unsicherem Wetter im Reifenpoker auf die falschen, die eher nasse Karten gesetzt haben.Dennoch hätte es zu dieser ebenso unangenehmen wie absehbaren Situation überhaupt nicht kommen müssen, wenn die Rennleitung sich an diesem Wochenende nicht von Fehlentscheidung zu Fehlentscheidung gehangelt hätte (siehe auch Kommentar auf Seite 167). Gleich nach dem Start rumpelte es im Castrol-S. Dies ist noch nichts Besonderes bei Rennen auf dem Nürburgring. Nachdem sich der Staub verzogen hatte, war die Sturzbilanz beeindruckend. Aus dem Rennen waren neben Sturzverursacher Yves Briguet mit Paolo Casoli, Massimo Meregalli, Fabrizio Pirovano, Iain MacPherson und Wilco Zeelenberg gleich eine ganze Reihe Favoriten.Offenbar genug für die Verantwortlichen, um das Rennen in der dritten Runde abzubrechen, obwohl die Strecke absolut frei war und die Unfallstelle gefahrlos geräumt werden konnte. Dazu drohten dunkle Wolken mit unberechenbaren Wetterkapriolen.Folglich mußte der Neustart nach zwei Runden wieder abgebrochen werden, diesmal korrekt wegen Regens. Der dritte Versuch nach dem vorgeschriebenen, interessanterweise wieder trockenen Regen-Informationstraining wurde zum Reifenroulette. Blitzartig übernahmen auf beim Start wieder leicht feuchter Bahn die beiden Yamaha Deutschland-Fahrer Teuchert und Kellner zusammen mit ihrem spanischen Markenkollegen Ruben Xaus das Kommando und zeigten einen beeindruckenden Dreikampf an der Spitze, übrigens fuhren alle drei auf stärker profilierten und weicheren Reifen für nasse Streckenverhältnisse,. Xaus, offenbar der Radikalste der Regenpriester, sah aber schon bald keine Chance mehr und verabschiedete sich in die Box. Während von hinten Piergiorgio Bontempi (Yamaha), Suzuki-Fahrer Fabrizio Pirovano sowie Honda-France-Mann William Costes mächtig Dampf machten, stürzte der mit wachsender Verzweiflung fightende Teuchert an vierter Stelle.Diesen vierten Platz rettete Christian Kellner, mit völlig fertigen Reifen heldenhaft kämpfend, vor einer heranstürmenden Meute nach dem Motto »Allein gegen alle« ins Ziel und sprach vom härtesten Rennen seines Lebens. Der Bayer sorgte so noch für einen einigermaßen versöhnlichen Abschluß des Heimrennens, das für Yamaha Deutschland mit den Startplätzen eins und zwei von Teuchert und Kellner so sensationell begonnen hatte.Von den Wild Card-Fahrern aus der Supersport-DM zogen sich Ex-Europameister Stefan Scheschowitsch als Neunter und MOTORRAD-Mitarbeiter Markus Barth als Zwölfter, beide auf Suzuki, am besten aus der Affäre.
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