Supersport-WM (Archivversion)

Frankenstolz

Suzuki Deutschland-Verkaufsdirektor Bert Poensgen hat einen Seitensprung zugegeben. »Ich habe auf Jörg Teuchert gewettet«, offenbarte er nach dem Supersport-WM-Rennen von Albacete sein Vertrauen in das Konkurrenzprodukt Yamaha. Der zweifache deutsche Meister, von Platz zwei hinter Kawasaki-Werksfahrer Iain MacPherson gestartet, war vor allem in der zweiten Hälfte der 26 Runden unwiderstehlich. Das erste Ausbremsmanöver im Kampf um die Führung zu Beginn der 13. Runde konnte Teucherts Markenkollege Piergiorgio Bontempi noch kontern. Aber der Yamaha Deutschland-Fahrer versuchte es eine Runde später an gleicher Stelle noch mal - mit Erfolg.Mit höchst spektakulärem Fahrstil, der Stéphane Chambon, dem König der Driftwinkel, in nichts nachstand, verteidigte der 27jährige souverän seine Spitzenposition gegen Bontempi und den aus dem Mittelfeld heranstürmenden Lokalmatador Pere Riba auf seiner Werks-Honda. Schon vorher waren zwei Herausforderer des Yamaha-Spitzen-Duos gescheitert. Ducati-Werksfahrer Paolo Casoli hatte nach fünf Runden Teuchert und Bontempi gerade niedergerungen, um gleich in der ersten Kurve als Spitzenreiter abendfüllend zu Boden zu gehen.Nur drei Runden weiter kam WM-Leader Iain MacPherson. Der Schotte wollte gerade seinen Druck auf die Yamaha-Kameraden erhöhen, als der Motor der ZX-6R verendete. Sieger Jörg Teuchert nahm die Siegertrophäe - in Albacete gibt es statt Pokalen ein edles historisches Klappmesser im Holzrahmen - als Programm. »Das werde ich ab jetzt zwischen den Zähnen haben«, so der neue WM-Tabellenführer, »aber ich muß mich jetzt auch umstellen. Meine beiden DM-Titel habe ich mir jeweils beim Finale erjagt. Ab jetzt werde ich der Gejagte sein.«Und die Jagd ging noch in Albacete los - mit allen Mitteln. Teucherts Teamkollege Christian Kellner kämpfte sich nach schwachem Start bravourös auf Rang vier vor. Aber Francis C. Batta, Teamchef der im Ziel fünf- und sechsplazierten Suzuki-Piloten Stéphane Chambon und Fabrizio Pirovano, protestierte erfolgreich gegen Kellner wegen Überholens unter gelber Flagge. Kellner fiel durch fünf Strafsekunden hinter Pirovano auf Rang sechs zurück. Ganz nebenbei gab’s zwei wertvolle Pünktchen für den WM-Zweiten Chambon im Kampf gegen Teuchert.Yamaha Deutschland-Teamchef Udo Mark war sauer: »So geht es nicht. Erst um 19.10 Uhr, also viereinhalb Stunden nach Rennende, wurde unser Team von der Strafe informiert. Wir haben natürlich sofort beim Weltverband FIM in Genf Einspruch eingelegt. Das Protestformular habe ich übrigens drei Tage nach der Veranstaltung immer noch nicht einsehen können.«Ergebnisse: 1. Jörg Teuchert (D), 41.59,211 min ( = 131,489 km/h), 2. Piergiorgio Bontempi (I), beide Yamaha, 3. Pere Riba (E) Honda, 4. Stéphane Chambon (F), 5. Fabrizio Pirovano (I), beide Suzuki, 6. Christian Kellner (D) Yamaha, 7. Yves Briguet (CH) Suzuki, 8. William Costes (F) Honda, 9. Vittorio Iannuzzo (I) Yamaha;Schnellste Runde: Riba in 1.35,618 min ( = 133,242 km/h);WM-Stand: 1. Teuchert 54 Punkte, 2. Chambon 53, 3. Iain MacPherson (GB) Kawasaki 41, 4. Bontempi 32, 5. Kellner 28;Marken-WM: 1. Yamaha 66, 2. Suzuki 53, 3. Kawasaki 41, 4. Honda 37.
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