Technik: Aprilia-Zweitakter mit Einspritzung––––– (Archivversion)

Stadtbegrünung–––––

Mit der Vorstellung der Direkteinspritzung beim Zweitaktmotor propagiert Aprilia fortschrittliche grüne Technologie für zukünftige Mobilität in der Stadt.

Totgesagte leben länger. Jüngstes Beispiel: Aprilias »future city« genannte Offensive auf der Messe in Bologna. Während für konventionelle Zweitakter wegen der hohen Schadstoffkonzentrationen im Abgas praktisch keine Überlebenschancen bestehen, präsentierte Aprilia gerade unter dem Aspekt hoher Umweltverträglichkeit einen Zweitaktmotor mit 50 cm³ und Direkteinspritzung. Laut Firmenphilosophie ist der Zweitakter in den kleinen Hubraumklassen immer noch die beste Lösung. Neben dem für den Rollereinsatz gedachten Triebwerk adaptierten die Techniker in Noale das System auch noch an den Motor des Supersportlers RS 250.Bei der Einspritzung schlägt Aprilia mit dem DITECH (Direct Injection Technology) genannten System einen anderen Weg ein als Bimota beim der V due. Während bei deren Zweitaktmotor ausschließlich Kraftstoff in den Brennraum eingespritzt wird, arbeitet Aprilia mit einem luftunterstützten System. Außerhalb des Motors wird in einer Kammer des Injektors ein zündfähiges Gemisch gebildet und eingespritzt, während auf dem üblichen Weg über Kurbelgehäuse und Überströmkanäle nur reine Luft in den Zylinder gelangt. So entsteht die sogenannte Schichtladung mit zündfähigem Gemisch um die Zündkerze, das dann extrem mageres Gemisch in seiner Umgebung entflammt. Durch eine gegenüber dem konventionellen Zweitakter spätere Einbringung des Kraftstoffs verringert DITECH zudem zweitakttypische Spülverluste. Aufgrund beider Kriterien propagiert Aprilia eine Reduzierung des Verbrauchs von 40 Prozent gegenüber einem vergleichbaren Zweitakter mit Vergaser. Auch der Schadstoffausstoß soll bei den Kohlenwasserstoffen und den Stickoxiden um 80 und beim Kohlenmonoxid gar um 90 Prozent sinken, und das bei gleichzeitig gestiegener Leistung. Rein technisch ist das System relativ einfach aufgebaut. Ein kleiner Kompressor verdichtet Luft auf fünf bar. Die Benzinpumpe erzeugt einen Druck von sechs bar. In einer Kammer des Injektors trifft die komprimierte Luft auf den Kraftstoff, der dann zerstäubt. Eine über ein Magnetventil geregelte Einspritzdüse injiziert das Kraftstoff/Luft-Gemisch. Nach wie vor regelt der Fahrer über Gasgriff und Drosselklappe die Motorleistung, der Vergaser entfällt. Das Öl für die Schmierung, beim konventionellen Zweitakter dem Gemisch im Vergaser beigemengt, mischt eine Pumpe der Luft im Ansaugtrakt bei. Da hier kein Kraftstoff das Schmiermittel im Kurbelgehäuse auswäscht, verspricht Aprilia einen vergleichsweise geringen Ölverbrauch und erhöhte Standfestigkeit. Klingt in der Theorie nicht schlecht. Ob es Aprilia tatsächlich gelingt, die unbestreitbaren Vorteile des Zweitakters wie den einfachen Aufbau, das geringe Gewicht und die hohe Leistungsdichte zu nutzen und die traditionellen Nachteile wie hohe Schadstoffkonzentrationen im Abgas und üppigen Verbrauch zu eliminieren, bleibt abzuwarten. Noch in diesem Jahr wollen die Italiener einen Roller mit Zweitakter und Direkteinspritzung auf den Markt bringen. Die Chancen für die Realisierung des grünen Stadtmobils stehen nicht schlecht, denn das DITECH hat den Beweis der Funktionstüchtigkeit schon erbracht. Das System basiert auf einer Entwicklung der Firma Orbital und arbeitet problemlos in Tausenden von Bootsmotoren. Und schließlich ist da noch die Konkurrenz von Piaggo, die bereits den 50er Roller ET2 injezione mit luftunterstützter Einspritzung anbietet.
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