Technik: Massenausgleich (Archivversion)

Zapfenstreich

Die hin und her gehenden Massen in einem Hubkolbenmotor (in der Hauptsache Kolben, Kolbenbolzen und der oszilierende obere Teil des Pleuels) erzeugen Massenkräfte, die je nach Drehzahl mehr oder weniger störende Vibrationen auslösen. Solche Schwingungen können in Mehrzylindermaschinen ganz oder zumindest zum Teil vermieden werden, wenn die einzelnen Hubzapfen in einem bestimmten Winkelversatz zueinander stehen. Je nach Motorbauart und Zylinderzahl eliminieren sich damit die an der Kurbelwelle zerrenden Massenkräfte - mehr oder weniger - gegenseitig und verhelfen dem Motor zu einer angenehmen Laufruhe. So schafft es ein Sechszylinder-Reihenmmotor mit 120 Grad Kurbelversatz ganz ohne Ausgleichswelle, alle Kräfte und Momente auszugleichen.Der ideale Kurbelversatz bei einem Zweizylindermotor folgt der Formel: 180 Grad minus zweimal Zylinderwinkel. Im Sinne möglichst geringer Vibrationen bedeuted das für einen Boxermotor mit 180° Zylinderwinkel ein Kurbelversatz von 180 Grad (180°- 2x180° = -180°) - genau so, wie ihn die Münchener schon seit ewigen Zeiten bauen. Für einen 90-Grad -V-Motor ergibt sich dagegen ein Winkel von 0 Grad (180° - 2x90°). Bei Ducati werden deshalb die beiden Pleuel auf einem gemeinsamen Hubzapfen gelagert - das Markenzeichen eines echten V-Motors.Auch Harley-Davidson baut einen echten V-Motor mit nur einem Hubzapfen, allerdings beträgt der Zylinderwinkel nur 45 Grad. Da der ideale Kurbelversatz aber 90 Grad betragen würde (180° - 2x45°), sind die Vibrationen der Thunderbolt Touring entsprechend größer als bei der Ducati ST 2 und der BMW R 1100 RS. Das Problem bei der Buell ließe sich mit einem unechten V-Motor mit zwei versetzten Hubzapfen vermeiden, allerdings müßte der zusätzliche Bauaufwand einer mittleren Kurbelwange in Kauf genommen werden. rb
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