Technik: Pneumatik-Schaltung Quickshift (Archivversion)

Wie von selbst

Schalten per Fingertip - das ging bislang nur in High-Tech-Autos. Die findigen Köpfe von Alpha-Technik bringen jetzt ein ähnlich komfortables System für Motorräder.

Die schönsten Dinge sind die, die das Leben einfacher machen. Diese Weisheit muß die Herren Meier, Gassner und Schwarzfischer von der Firma Alpha-Technik dazu inspiriert haben, eine pneumatisch betätigte Schaltung zu entwickeln, die den linken Fuß nahezu arbeitslos macht.Zunächst setzten die Alpha-Techniker das System, dessen Grundidee aus der Dragster-Szene stammt, bei ihren hauseigenen Suzuki-Superbikes in der DM ein. Der Härtetest während der Rennsaison verlief denn auch völlig problemlos: Keinerlei Ausfälle, und nach anfänglicher Skepsis begeisterte Fahrer, die nicht mehr auf den Power-Shifter verzichten wollten.Was Rennfahrern recht ist, kann Straßen- und Sportfahrern nur billig sein, dachte sich Josef Meier, Mitinhaber der Firma Alpha-Technik. Er erweiterte das System um einen kleinen Kompressor, der den ursprünglich mit endlicher Puste versehenen Druckspeicher permanent mit Arbeitsdruck versorgt und somit die dauernde Benutzung des Power-Shifters im Alltagsbetrieb ermöglicht.Mehrere Größen nehmen Einfluß auf die Funktion: Abhängig von Drehzahl, Geschwindigkeit und Gangstufe leitet der Rechner ein Signal an ein Magnetventil weiter, das die Leitung zum Druckspeicher freigibt. Der Kolben in einem Pneumatikzylinder betätigt dann über ein Gestänge automatisch die Schaltung.Die Bedienung ist denkbar einfach: Der Fahrer kann entweder durch Drücken des Lichthupenknopfs hochschalten oder das System - etwa beim harten Beschleunigen - bei einer einstellbaren Grenzdrehzahl automatisch hochschalten lassen. Damit dies ruckfrei geschieht, unterbricht die Elektronik kurz die Zündung. Heruntergeschaltet wird ebenso einfach durch Ziehen der Kupplung.Lediglich beim Start legt der Fahrer den Gang wie gewohnt mit dem Fuß ein und fährt per Kupplung an. Ein weiterer Vorteil: Die oft lästige Leerlaufsuche fällt leichter. Bei eingelegtem ersten Gang schaltet das System durch gleichzeitiges Betätigen von Lichthupenschalter und Kupplungshebel in die Neutralstellung.Was vielversprechend klingt, begeistert nach kurzer Eingewöhnung im Praxisbetrieb. Ganz ohne Hilfe des Fußes gelingen weiche, nahezu lastwechselfreie Gangwechsel, die etwas Zwischengas beim Herunterschalten und Gaswegnehmen beim Hochschalten brauchen. Was für ein Fahrkomfort, was für eine Arbeitserleichterung. Normal- wie auch Sportfahrer lernen das weniger an Arbeit und das Mehr an Aufmerksamkeit und damit Fahrsicherheit sofort zu schätzen und merken schnell, wie sehr das Umsetzen des Fußes bei sportlicher Fahrweise stört. Die Probleme beim Schalten in großer Links-Schräglage gehören ebenfalls der Vergangenheit an.Während einiger Tausend gangwechselreicher Alpenkilometer an Josef Meiers ZX-9R hat das knapp zwei Kilogramm schwere System seine Premiere trotz Schmutz und Wasser ausfallfrei bestanden. Übrigens: Bei Bedarf oder einem eventuellen Ausfall kann ganz normal per Fuß geschaltet werden.Grundsätzlich läßt sich der klein bauende Power-Shifter an jedem Motorrad montieren, wobei die endgültige Ausführung zur einfacheren Unterbringung aus mehreren Modulen bestehen wird. Nutzbringend ist das System prinzipiell für jeden vom Crosser bis zum Tourenfahrer. Auch Invaliden, die bisher aufs Motorradfahren verzichten mußten, kann geholfen werden. Ach ja - ein bedeutender süddeutscher Motorrad-Hersteller interessiert sich für das Patent des Power-Shifters, der ab der INTERMOT je nach Ausführung für 2000 bis 2500 Mark verkauft wird.
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