Technik: Vorderradführungen (Archivversion)

Alternative Liste

Literweise Konstrukteurs-Schweiß muß schon geflossen sein, geht man die lange Liste von Artikeln über verschiedenste Vorderradführungen im MOTORRAD-Archiv durch. Drei davon haben es immerhin zur Serienreife gebracht: der BMW-Telelever, der demnächst auch in der K-Baureihe den Dienst antritt (siehe Seite 28), Yamahas Achsschenkelkonstruktion in der GTS 1000 und Bimotas Radnabenlenkung in der Tesi.Ziel der Tüftelei war stets, die Aufgaben, die eine Telegabel gleichzeitig übernehmen muß - Radführung, Bremskraftaufnahme, Federung und Dämpfung - auf mehrere Bauteile aufzuteilen. Die Telegabel erledigt keinen dieser Jobs perfekt, sie ist ein Kompromiß, der zufriedenstellend funktioniert - aber nicht mehr. Zum Beispiel taucht sie beim Bremsen ein, Feder- und Dämpfung funktionieren dann nur noch eingeschränkt. Oder ihr Ansprechverhalten, das um so schlechter ist, je dicker ihre Gabelgleitrohre sind, die wiederum sind aber zur Aufnahme hoher Bremskräfte notwendig.Anders bei den vier dargestellten Alternativen: Sämtliche roten Bauteile nehmen die Bremskräfte auf und leiten sie in das Fahrwerk ein, ohne daß dabei Kräfte auf die Federbeine (gelb) wirken können, ihr Ansprechverhalten bleibt also voll erhalten. Bei der Hyper 1 übernimmt diese Funktion der starr mit dem Motorblock verschraubte Ausleger des Frontrahmens (grau).Obwohl theoretisch möglich, hat keine der vier Radführungen einen hundertprozentigen Bremsnickausgleich, die Frontpartien der Bimota, Yamaha und BMW tauchen immer noch mehr oder weniger stark ein - damit der Fahrer eine Rückmeldung über die Stärke seiner Bremsung erhält, sagen die Hersteller. Nach der Anordnung der Führungsschiene zu urteilen, ist bei der Hyper 1 sogar komplett auf einen Nickausgleich verzichtet worden sein.Ebenso wie bei der Bimota, dürften auch die Chancen der Hyper 1-Radnabenlenkung, einmal in Großserie zu gehen, gleich Null sein. Durch den fehlenden Bremsnickausgleich erfordert der geringe Federweg eine hohe Progression der Federrate, die das systembedingt gute Ansprechverhalten wieder zunichte macht. Außerdem ist die Fertigung der vielen komplizierten Bauteile zu teuer, als daß diese Konstruktion der Telegabel gefährlich werden könnte. rb
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