Theater um Straßen-DM (Archivversion)

Schluß mit lustig

Die umstrittene DM-Partnerschaft zwischen dem Dachverband OMK und dem Vermarkter Dewe ging vorzeitig in die Brüche. Doch die Rennszene kann auf bessere Zeiten hoffen: 1998 wird der deutsche Motorsport neu organisiert.

Mitte November vergangenen Jahres waren die Vertreter der deutschen Motorradsport-Föderation OMK und der Firma Dewe-Datavision noch bester Dinge, als sie in Frankfurt gemeinsam vor die Presse traten. Nach dem Motto »Alles soll besser werden« präsentierten sie dort ihr neues TV- und Vermarktungskonzept für die internationale Motorrad-Straßen-DM. Einen Vertrag gab es zum damaligen Zeitpunkt nicht, und es wird auch nie einen geben: Seit dem 11. Februar ist das Tischtuch zwischen OMK und Dewe zerschnitten. Die geplante Aktion, einerseits Dewe die DM-Rechte zu übertragen und sie in erster Linie für eine breitere TV-Präsenz aller Inter-DM-Klassen sorgen zu lassen, andererseits den ungeliebten Superbike-DM-Promoter Franz Rau aus dem Feld zu schlagen, ging gründlich in die Hose. Nun ist Rau weiter am Drücker, und die DM-Szene hat durch die Querelen der letzten Monate gewaltigen Schaden genommen. Zwei Schritte vor und drei zurück - so läßt sich das Ergebnis der OMK/Dewe-Aktivitäten kurz auf den Punkt bringen. Franz Rau, der mit seiner Agentur Moto Motion seit 1991 die Superbike-DM im Auftrag des Pro Superbike-Industriepools vermarktet und für eine regelmäßige TV-Präsenz der Rennserie gesorgt hat, ist denn auch nicht richtig glücklich über den vermeintlichen Sieg. Er darf jetzt zwar laut schriftlicher Zusage der OMK 1997 mit den Klassen Superbike und Supersport 600 weiterhin die Sahnestückchen der DM im Fernsehen vermarkten und besitzt eine Option auf weitere zwei Jahre. Aber der Streit im Winter hat den Ex-Rennfahrer nicht nur Nerven, sondern auch bares Geld gekostet. »Uns fehlen rund 400 000 Mark, weil einige Sponsoren mit kleineren Engagements, die zum Beispiel Pokale und Prämien finanziert haben, abgesprungen sind«, berichtet Rau. Dazu kommt der erst wenige Wochen vor Saisonbeginn von der OMK erstellte Terminkalender, bei dem fünf von sieben Superbike-DM-Rennen mit Straßen-Grand Prix oder Superbike-WM-Läufen kollidieren. Aber warum sind OMK und Dewe letztlich doch keine Partner geworden? Am meisten hatten die Strategen beider Lager wohl den Zusammenhalt der Pro Superbike-Initiative unterschätzt, in der die großen Teams und Fahrer organisiert sind. Sie reklamierte die DM-Rechte für sich und wollte notfalls sogar eine eigene Rennserie ins Leben rufen. Trotzdem einigten sich die Streithähne kurz vor Weihnachten noch auf einen Kompromiß. Danach wähnte sich Dewe als Inhaber der DM-Rechte, wollte sie aber, was die TV-Vermarktung der Klassen Superbike und Supersport 600 betrifft, unter bestimmten Auflagen an Pro Superbike weitergeben. Doch weder dort noch bei der OMK wollte man hinterher von vereinbarten Auflagen etwas wissen. So wanderten die besagten Rechte schließlich am 21. Januar zum Erstaunen der Dewe-Manager von der OMK an Pro Superbike. Dewe wäre ein Restprogramm, bestehend aus der Vermarktung der weniger telegenen Inter-DM-Klassen 125 cm³ und 250 cm³ sowie diversen Dienstleistungen geblieben - wenig lukrativ und obendrein schwierig zu finanzieren. Anfang Februar kam es schließlich zur Trennung. OMK und Dewe werfen sich nun gegenseitig Unprofessionalität vor, wogegen wohl kaum ein Beobachter des Kasperltheaters Einspruch erheben wird. Doch es besteht Hoffnung, daß solche Kapriolen in Zukunft nicht mehr vorkommen. Die OMK begründete den Vertragsverzicht mit Dewe auch damit, daß man keine längerfristigen Bindungen eingehen wolle, weil der deutsche Motorsport ab 1998 neu strukturiert würde. In der Tat soll am 8. Juni in Frankfurt ein gemeinsamer nationaler Dachverband für Auto- und Motorradsportler gegründet werden. Und in dieser Organisation wird die OMK im nächsten Jahr aufgehen. Basis der Verhandlungen für den Deutschen Motorsportbund (DMSB) scheint das ADAC-Modell von 1996 zu sein. Danach würden 48 Prozent des DMSB paritätisch von den jetzigen Sport-Trägerverbänden ADAC, AvD und DMV besetzt. Die Delegierten-Mehrheit von 52 Prozent soll direkt aus den 16 zum Teil noch zu gründenden Landesfachverbänden kommen. Die OMK könnte innerhalb der neuen Struktur als Verwaltungsinstanz für den Motorradsport erhalten bleiben. Um die Vermarktung der verschiedenen Rennserien sollen sich nach den DMSB-Plänen in Zukunft aber Fachleute kümmern. Besser ist das, wie die leidigen Querelen um die Straßen-DM 1997 gezeigt haben.
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