Toskana-Reise (Archivversion)

Das süße Leben–––––

Von vielen beneidet werden die Italiener wegen ihrer lockeren und fröhlichen Lebensart, dem dolce vita. Wo ließe sich das süße Leben besser genießen als in der Toskana?

Auf einer Anhöhe stehen acht schweigende Motorradfahrer. Sie lassen ihren Blick schweifen über eine einzigartig schöne Landschaft, hängen ihren Gedanken nach. Vor ihnen liegt ein weich gewelltes Hügelland, das sich - zypressengesäumt - fast schüchtern in Nebelschleier hüllt. Keiner sagt auch nur ein einziges Wort. Jeder läßt, vielleicht ein wenig wehmütig, die Tage der Toskana-Tour noch einmal Revue passieren.Vor acht Tagen haben sie sich getroffen, um gemeinsam mit dem ACTION TEAM, genauer mit dessen Tourguide und Toskana-Liebhaber Erich Frisch, diesen Landstrich unter die Räder zu nehmen. Seit beinahe zehn Jahren fährt Erich als motorradelnder Reiseleiter durch »sein Revier«. Kein Wunder also, daß er es bestens versteht, den Mitfahrern »seine« Toskana ganz persönlich nahezubringen. Die Marmorbrüche von Carrara beispielsweise, die man nur erreicht, wenn man sich zwischen tonnenschwer mit Marmorquadern beladenen Lkw durchschlängelt, die bergab gottlob nur Schrittempo fahren können, die verlorene Zeit bergauf aber locker wieder aufholen, um den nächsten 20-Tonnen-Klotz auf ihre stählernen Schultern zu laden. Gigantisch, wie sich hier die Menschheit seit Jahrtausenden in die Berge frißt.Oder Pisa mit dem schiefen Turm und der schrägen Sabrina. Doktorin der Geschichte und die beste Stadtführerin, die man sich nur wünschen kann. Wenn sie einem mit funkelden Augen gestenreich über die Schandtaten der Florentiner, die sie offensichtlich abgrundtief verachten muß, an ihrem schönen Pisa erzählt, wird auch der letzte Besichtigungsgegner zum hingebungsvollen Zuhörer. Und am Abend ging’s in die niedliche kleine Herberge in dem winzigen Bergdorf des Pratomagno-Gebirges, wo es diese deftigen Wildschweinwürste und danach das weltbeste Tiramisu gab.Auch Motorraderlebnisse kamen bei Erich nie zu kurz. Die Fahrt auf der »Achterbahn« SS 222, die sich quer durch das Chianti-Gebiet schlängelt, war unbeschreiblich schön. Und sie führte die sich noch im Kurventaumel Befindlichen direkt nach Siena hinein. Dort lassen sich auch Motorradfahrer gern mal per pedes auf das Geschlängel der typisch engen Gassen ein. Ein hervorragendes italienisches Eis gab’s beim Nannini, dem Vater der zelebrierten Rockröhre Gianna, deren Stimme bestimmt nicht von diesem Eis so geworden ist. Genußvoll eingestimmt, schlenderte sich’s wie von allein bis zur weltberühmten, muschelförmigen Piazza mitten in der Altstadt von Siena. Die roten Backsteine waren von der Sonne bereits bestens vorgewärmt, und luden ein, sich niederzulegen und friedlich vor sich hinzuträumen. Den Traum vom dolce vita, vom süßen Dasein. Und das soll in zwei Tagen schon zu Ende sein. Schade.
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