Triumph-Produktion (Archivversion)

Fire and hire

Nach dem Brand am 15. März 2002 hat John Bloor niemand gefeuert. Im Gegenteil. Der Triumph-Eigner liess das Werk in Hinckley wieder aufbauen. Jetzt geht die Produktion mit der alten Mannschaft weiter.

»Das Feuer, das in den Werkshallen wütete, war einer der verheerendsten Industriebrände der britischen Geschichte«, sagt Ross Clifford, Triumph-Exportmanager. Die Flammen verwüsteten neben dem Verwaltungsgebäude Teilelager, Qualitätskontrolle und Endmontageband im Werk 1. Das Resultat: Die Produktion stoppte fünf lange Monate. 20 000 britische Bikes hätten in dieser Zeit die Hallen verlassen. Wäre Triumph eine Aktiengesellschaft, hätte die Motorradschmiede wohl dicht gemacht.Aber John Bloor, alleiniger Eigentümer und Besitzer 60 weiterer Firmen, verhandelte mit Versicherungen, ließ die zerstörten Produktionshallen in der Jacknell Road nach den alten Plänen wieder neu erbauen und bezahlte seine 600 Triumph-Angestellten in England weiter. Bereits vier Wochen nach dem Feuer, dessen Ursache nach wie vor unbekannt ist, hatten Bulldozer Schutt und Schrott beiseite geräumt. Noch einmal vier Monate dauerte es, bis Verwaltungsgebäude und Hallen wieder erstanden. Die Zeit nutzte Triumph, um die gesamte Motorenmontage für alle 14 Triumph-Modelle ins Werk 2 zu verlagern, das vom Feuer verschont blieb. Dort fertigt Triumph jetzt auf 18 000 Quadratmetern Fläche neben Rahmen und Schwingen auch alle Triebwerkteile vom Kurbelgehäuse bis zur Nockenwelle für die Zwei-, Drei- und Vierzylinder. »Wir sind stolz, dass wir die komplette Motorenproduktion im eigenen Haus durchführen. Außer Gießen und Schmieden«, so Clifford. Nach den Testläufen, bei denen Techniker die Triebwerke auf Druckverlust prüfen, werden alle Motoren zum wieder aufgebauten Werk 1 transportiert, wo auf 20 000 Quadratmeter Fläche Spritzguß- und Lackieranlage, Produktionsteilelager und Endmontage Platz finden. In der Endmontage schrauben Arbeiter verschiedene Modelle nacheinander zusammen. Clifford: »Obwohl diese Methode deutlich anspruchsvoller ist, als nur ein Modell auf einem Band zu fertigen, ist das für die Arbeiter wesentlich interessanter und steigert die Konzentration.« Ende September rollten nach einer Wiedereinarbeitungsphase die ersten Motorräder für Kunden von den Bändern. Rund 50 000 Motorräder können in Hinckley jährlich produziert werden. Momentan wird die Kapazität nur zu 40 Prozent ausgeschöpft, bis Januar sind wieder 190 Motorräder pro Tag geplant. »Wir bauen nur auf Bestellung, haben praktisch keine Lagerbestände«, so Clifford. Zuerst kommen die Modelle an die Reihe, die im Sommer hätten montiert werden sollen: Speed Four, Bonneville America und T 100 Centennial, gefolgt von der neuen Speedmaster.Derzeit baut Triumph an das Werk 2 eine neue Lagerhalle für die fertigen Motorräder an. Insgesamt stehen dann knapp 55 000 Quadratmeter in einem der modernsten Motorradwerke zur Verfügung. Die Entwicklungsabteilung von Triumph blieb von den Flammen verschont. Deshalb verspricht Ross Clifford ein Feuerwerk an Neuheiten für 2003. Vom 2,4-Liter-Cruiser bis zum Bonneville Café Racer. Auch ein Engagement im GP-Sport schloss der Brite nicht aus: »Never say never.“
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