Vernunft und Innovation (Archivversion)

Vernunft und Innovation

Schon lange pfeifen es die Spatzen von den Dächern: BMW wird eine neue K-Baureihe auflegen. Doch welche Richtung die Münchner dabei einschlagen werden, blieb bislang im Dunkeln. MOTORRAD lüftet nun den Schleier. Und was darunter hervorkommt, verdient größte Hochachtung. Denn BMW ist über seinen Schatten gesprungen und wird die alte K mit dem charakteristischen liegenden Reihenmotor in Rente schicken. Vor 20 Jahren wollten die Bayern den großen japanischen Herstellern durch das unkonventionelle Motorenkonzept Paroli bieten. Was aber in der gesamten Produktionszeit nie gelang. In der Leistung hinkte der Vierzylinder stets hinterher. Und um die Vibrationen vom Fahrer fernzuhalten, musste er in seinen letzten Jahren als 1200er sogar aufwendig schwingungsentkoppelt werden.In der neuen K-Baureihe, interner Werkscode K 40, wird nun ein quer eingebautes Triebwerk seine Arbeit verrichten. Und endlich jene Laufkultur und Kraft entwickeln, die Motor-radfahrer heute schätzen. Eine vernünftige Entscheidung und tatsächlich tausendfach erprobt.Dennoch mangelt es der neuen BMW nicht an Innovation. Und zwar beim Fahrwerk: eine komplett neue Hinterradschwinge mit obenliegender Momentabstützung und zum ersten Mal im Serienbau eine Vorderradführung mit zwei Längslenkern, ähnlich wie sie der Engländer Norman Hossack in den 80er Jahren entwickelt hat. Bereits mit dem Telelever setzte BMW im Fahrwerksbau Zeichen, merzte die Nachteile einer Telegabel nachhaltig aus und konnte Fahrkomfort mit bester Fahrstabilität ver-binden. Die neue Vorderradführung geht einen Schritt weiter. Die Gleitrohre des Telelevers entfallen, stattdessen besteht die Gabel aus einem Aluminiumgussteil, das von zwei Längslenkern geführt wird. Dies wird das Ansprechverhalten wie auch die Fahrstabilität nochmals verbessern. Die Zeiten haben sich also geändert in München. Statt krampfhaft gegen die Strömung zu schwimmen, nimmt BMW nun auf, was gut funktioniert, und konzentriert sich auf die Weiterentwicklung, wo sie sich wirklich lohnt. Während die Konkurrenz im Dornröschenschlaf verharrt. Denn wo, bitte schön, bleibt die große Fahrwerksinnovation aus Japan?
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