Vom Wetter und vom Markt (Archivversion)

Vom Wetter und vom Markt

Kalt, grau und nass – monatelang stets die gleiche Vorhersage, die sich in der Regel leider bewahrheitete. Das verflixte Wetter wurde für Motorradfahrer zum alles beherrschenden Thema, vermiest selbst nach dem kalendarischen Frühlingsbeginn noch wochenlang die Freude am Fahren. So viel Mistwetter am Stück hat es wohl selten gegeben.Nur die ganz Harten lassen sich davon nicht beunruhigen, blicken ungerührt dem nächsten Guss entgegen und achten streng darauf, ihre stolze Haltung nicht zu verlieren. Der große Teil von uns sitzt aber zu Hause, versucht, sich mit netten Videos oder alten Urlaubsdias bei Laune zu halten, als die Welt noch in Ordnung war – sprich, die Sonne länger als 30 Minuten am Stück schien. Wenigstens gibt’s Sonntags wieder Rennsport im Fernsehen. Was für die Motorradfahrer eine harte Geduldsprobe ist, bedeutet für manchen, der vom Motorradgeschäft lebt, massive wirtschaftliche Einbußen. Denn der Saisonstart 2001 kann nur als Fehlstart gewertet werden. Der Handel jammert, die Zahlen sind schlecht. Normalerweise ist der März der Monat mit den meisten Neuzulassungen pro Jahr. In dieser Saison wurde im Vergleich zum Vorjahresmonat jedoch ein sattes Viertel weniger verkauft. Und über das noch junge Jahr insgesamt gesehen, muss die Branche einen Rückgang von fast 17 Prozent konstatieren.Verloren haben alle Hersteller ausgenommen KTM und MZ. MZ wurden statt 136 immerhin 193 Maschinen neu zugelassen, und eine KTM fährt man eben eh bei jedem Wetter. Die Österreicher drückten sich mit einem Marktanteil von 3,2 Prozent sogar an Aprilia, Ducati, Harley-Davidson und Triumph vorbei. Die höchste Zahl an Neuzulassungen kann 2001 bislang Suzuki verzeichnen, während Honda und vor allem Yamaha überdurchschnittlich Federn lassen mussten.Dennoch bin der festen Überzeugung, dass auch in diesem Jahr wieder eine stabile Nachfrage nach neuen Maschinen kommen wird. Die Zweiradbranche ist nun mal extrem stark vom Wetter abhängig. Wer stellt sich schon ein neues Motorrad in die Garage, um es dann zwei Monate nicht bewegen zu können? Doch spätestens ab dem Zeitpunkt, wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, diese Ausgabe von MOTORRAD in den Händen halten, scheint hoffentlich dauerhaft die Sonne. Dann kommt auch der Markt wieder in Ordnung, und wir können in den nächsten Jahren auf eine aktive Branche hoffen.
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