Wahl Miß Polo »98 (Archivversion)

Und es war Sommer, das allererste Mal

Den Erfolg des aufgesexten Katalogs wollte Polo mit Miß-vergnüglichem Lagerverkauf toppen. Doch die Motorradler ließen sich nicht foppen. Eine Premiere, die in die Hose ging.

Perfekt abgelichtete Models mit wenig oder gar keinen Klamotten an ihren Luxuskörpern erregten die Motorradszene. Weil sie sich auf zwölf drallen Seiten im Polo-Katalog die Blöße gaben. Wie zu erwarten war, meuterten die Women on Wheels, jene verläßlichen Garantinnen politischer Korrektheit, standesgemäß. Per Protestschreiben. »Es war ein Risiko, aber es hat sich gelohnt«, freut sich Polo-Geschäftsführer Klaus Esser. »Zum Motorradfahren gehören diese Gefühle von Freiheit und Abenteuer genauso wie Musik und Mädels.« Sexismus - der Vorwurf stört nicht. Solange der Laden läuft. Was er tut. Und dank Mißwahl noch profitabler. So zumindest der Plan. Um anläßlich eines Lagerverkaufs in der Düsseldorfer Polo-Zentrale mit weiblichen Reizen männliche Kaufkraft zu locken. Mit Frauen, die, laut Ausschreibung, wissen wollen, »wie es ist, halbnackt im tosenden Applaus zu stehen«. Und am nächsten Polo-Katalog mit modeln wollen. Denn das ist der Siegerin Gewinn. Zunächst kraxeln die neun Kandidatinnen einen Felsen aus Plastik rauf. Doch kaum einer schaut hin. Weil«s 35 Grad im Schatten, davon aber wenig hat, und die Biker den Streifen, den die Sonne verschont, nur zögerlich verlassen. Eine echte Herausforderung fürs lautsprecherische Moderatorenteam: »Kommt her, sonst verpaßt ihr die Mädels.« Statt die Frauen, wie«s das Werbekonzept gebietet, zu ästhetischen Objekten zu stilisieren, deren Glanz und Gloria wetterfeste Enduro-Jacken und profanes Kettenfett zu veritablen Macho-Produkten veredelt, werden sie von amateurhaften Animateuren marktschreierisch feilgeboten.Freunde des pin-upigen Teils im Polo-Katalog glauben im falschen Film zu sein. »Das soll »ne Miß Polo-Wahl sein?« kritteln zwei Motorradfahrer aus Kerpen, »das gleicht doch eher einer Sportveranstaltung.« Nicht nur, daß die Mädels klettern, sie reiten den mechanischen Bullen - »Die Bewegung kennt ihr doch von zu Hause«, männerwitzelt ein ganz spezieller Moderator -, fahren auf Mini-Bikes um die Wette und nehmen sich, stimmzettelbewehrt, die Biker vor die Brust. Statt sich gebührend bewundern zu lassen, machen sich die Schönen mit dem Publikum gemein. Auf dessen Stimme kommt es an. »Macht Spaß, wirklich«, beteuert Erika Dietrich aus Nürnberg. »Übrigens bin ich keine Friseuse, und blond bin ich auch nicht.« Fun - ja den haben sie, sagen alle Kandidatinnen. »Und wenn«s mit dem Modelvertrag klappen sollte, um so besser.« Fügen unisono hinzu Tina, Alexandra, Nicole ... Ein bißchen Exhibitionismus schadet nicht beim Foto-Shooting. Das Stuntfrau und Schauspielerin Tanja de Vent, die sich als Moderatorin versucht, reißerisch anpreist: »Kommt alle her, die Mädels müssen jetzt beweisen, daß sie es wert sind, Miß Polo zu heißen.« Indem sie versuchen, erotisierend aus wenig Wäsche zu gucken. »Ja, da kommt Stimmung auf«, schrillt Tanja, als sich das eher gelangweilte Publikum zu dezenten Beifallskundgebungen hinreißen läßt. »Nee«, schallt«s retour, »das ist der Alkohol.« Tina Schmeinck aus Bocholt holt den Titel und ist mal wieder echt supergut drauf. Was sich von Michael Grobelny vom Polo-Verkauf nicht sagen läßt. »Der Lagerverkauf verlief nicht befriedigend.« Wann der stattfinden sollte, war schon längst bekannt. Stand im Katalog. Worauf die Eurobike-interne Konkurrent Hein Gericke, nur einen Straßenzug von Polo entfernt, seine Sonderaktion eine Woche früher terminierte. So daß die meisten Besucher, Polo spricht von 5000, ihr Geld bereits ausgegeben hatten und nur mal vorbeischauten.
Anzeige

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote