Was mit einem Bike passiert, wenn beim Händler gepfändet wird (Archivversion)

Der Hammer

»Ich werde künftig sehr darauf achten, wo ich was reparieren lasse.« Michael S.* ist leidgeprüft. Hatte er doch seine Harley-Davidson WL, Baujahr 1941, bei einer Werkstatt abgegeben. Der Stuttgarter Händler, der keinen Vertrag mit Harley hat, behob aber nicht, wie abgemacht, die Folgen eines Wasserschadens. Stattdessen klebte Obergerichtsvollzieher Raymond Kleiner am 16. Juni 1997 einen Kuckuck auf das Schmuckstück. Michael S. erkundigte sich zwar noch kurz vor dem Versteigerungstermin am 5. September nach seinem Motorrad. Doch der vorübergehend in Zahlungsschwierigkeiten geratene Händler versicherte glaubhaft, er hätte noch nicht alle benötigten Chromteile parat. Seine Harley bekam Michael S. nur durch Zufall zurück. Der Gerichtsvollzieher ermittelte seinen Namen übers Kraftfahrtbundesamt, weil er mit Brief einen höheren Preis hätte erzielen können. »Wäre die WL versteigert worden, hätte ich sie nie wiedergesehen«, sagt Michael S. Denn wer bei einer öffentlichen Versteigerung ein Motorrad erwirbt, dem gehört es auch. »Der alte Eigentümer hat dann keinerlei Rechte mehr am Zweirad«, erklärt Harald Bley, Leiter der Rechtsabteilung beim Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Er kann höchstens versuchen, den Versteigerungserlös einzuklagen. Bei einer Zwangsvollstreckung pfändet der Gerichtsvollzieher, was sich im Gewahrsam des Händlers befindet. Es sei denn, der säumige Zahler macht zum Beispiel mit einem schriftlichen Reparaturauftrag klar, daß die Bikes nicht ihm gehören. Raymond Kleiner empfiehlt auch, den Brief nicht aus der Hand zu geben. Obwohl das Papier lediglich besagt, wer der Halter ist. »Der Fahrzeugbrief ist keine Urkunde, die Eigentum beweist«, bestätigt Harald Bley. Das Stuttgarter Beispiel sei jedoch krass. Bley: »Wer sein Motorrad beim Fachhändler reparieren läßt, geht in der Regel auf Nummer Sicher.« Michael S. will jetzt den Harley-Händler auf Schadensersatz wegen Nutzungsausfalls verklagen. Am meisten stinkt ihm, daß der Mann weiterhin eine Werkstatt betreibt. »Bei dem stehen im Schnitt 20 Motorräder von Kunden herum.«* Der Name ist der Redaktion bekannt
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