Weltmeister Valentino Rossi (Archivversion)

Harleking

Der gerade 18jährige Valentino Rossi ist der neue König der 125-cm³-Klasse - und ein Harlekin, der die Fans in immer neue Märchenwelten entführt.

In Frankreich stand Valentino Rossi mit einer reich verzierten blauen Mütze als Joker auf dem Podium. In Mugello ging der Mädchenschwarm mit einer aufblasbaren Gummi-Blondine in die Auslaufrunde, die einen »Claudia Schiffer«-Schriftzug auf dem Rücken trug. In England schoß der junge Held als Robin Hood mit Pfeil und Bogen um sich. In Assen kletterte er im Original-Kostüm von Superman an den Zäunen hinauf. Irgendwann wird er als Baron von Münchhausen auf einer Kanonenkugel über seine Fans hinwegreiten oder gleich als Captain Kirk ins All abheben.Wundern würde es niemand, denn Valentino Rossi hat sowieso schon sämtliche Superlative übertroffen. Seit seinem ersten GP-Sieg in Brünn 1996 gewinnt er nahezu jedes 125er Rennen im Hurra-Stil, und selbst dort, wo er nicht siegt, sorgt er für atemberaubende Spannung. Wie in Brünn 1997, wo er bis auf Platz neun zurückfiel und erst im Finale im Hauruck-Stil zum dritten Platz aufschloß - jener Plazierung, die ihm bereits drei rennen vor Saisonschluß den begehrten Titel bescherte.Auch sonst macht das wilde Wunderkind Rossi genau das, wovon andere immer geträumt haben. Geboren 1979, als Vater Graziano auf Suzuki im Zenit seiner Halbliter-Karriere stand, lernte er das Driften und Gegenlenken bereits in einem Spielzeugauto, das der Papa mit einer Schnur am Motorrad hinterherschleppte. 1994 und 1995 setzte er sich in der italienischen Meisterschaft durch, schrieb die Schule und die von Mutter Stefania erhoffte Ingenieurskarriere in den Wind. Statt dessen stieg der Knabe 1996 in die Weltmeisterschaft ein und rangiert nach zehn GP-Siegen und dem ersten WM-Titel mittlerweile unter den Top Five der am meisten fotografierten Sportpersönlichkeiten Italiens.Das ist neben den Erfolgen vor allem den vielen verrückten Späßen zu verdanken. Neben den wohlinszenierten Auftritten in der Auslaufrunde liebt es Rossi beispielsweise, auf dem Hinterrad seines Fahrerlagerrollers im Kreis zu fahren und schafft es dabei mittlerweile sogar, die Beine über den Lenker zu hängen. Der Schriftzug »Superfumi Cosmico« prangt in bunten Riesenlettern auf diesem Roller, ein Spitzname, der sich aus seiner Verehrung für den japanischen 500er Werksfahrer Norifumi Abe und einem entsprechenden Wortspiel entwickelt hat.Die bonbonfarbenen Buchstaben sind wie eine Überschrift zu Rossis ComiC-hafter Märchenwelt, die bei jedem anderen peinlich wirken würde, bei Superfumi aber ganz selbstverständlich zum Lebensstil gehört. Denn bei all seinen Erfolgen wird leicht vergessen, daß der neue Volksheld gerade mal 18 Jahre alt ist.Erst im Juli machte er seinen Autoführerschein, knattert in seinem Heimatort Tavulia bei Pesaro aber noch immer am liebsten mit seiner Vespa Ape durch die Gegend, einem jener dreirädrigen Transporter, die normalerweise dem Gemüsetransport dienen.Sich bald einen Ferrari anzuschaffen und nach Monaco umzusiedeln kommt Rossi trotz seiner Bilderbuchkarriere nicht in den Sinn. »Ich liebe genau das Leben, das ich derzeit führe«, schmunzelt der frischgebackene Champion zufrieden, und dazu gehört der bereits für 1998 beschlossene Aufstieg zu den 250ern ebenso wie die als Fernziel geplante Halbliter-Karriere.Ein Leben als Jet-Set-Star gehört jedenfalls nicht dazu. »Mein größter Wunsch?« Rossi lächelt und denkt eine Weile nach. »Eine eigene Werkstatt - damit ich meinen Roller nach Ausfällen immer wieder gleich reparieren kann...“
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