Wieder eine Chance verpaßt (Archivversion)

Wieder eine Chance verpaßt

Nach den Hymnen auf die »Wiedergeburt« des Motorrad-Rennsports in Deutschland, die allein auf die Begeisterungsfähigkeit der Zuschauer am Sachsenring gründete, muß ein anders Stück in Moll angestimmt werden: Die Initiative des neuen ADAC-Motorsportpräsidenten Hermann Tomczyk, Zweirad-Nachwuchs ähnlich zu fördern wie die Küken im Automobilsport durch den Lupo-Cup, verpuffte in ADAC-Gremien.Selbst Mitglieder der vom ADAC berufenen »Expertengruppe«, zu der wie Harald Eckl und Peter Öttl auch der Schreiber dieser Zeilen zählte, erfuhren nur hintenherum, daß das »ADAC Motorrad-Juniorteam Deutschland« nebst schlüssigem Konzept und Kalkulation zur ganzheitlichen Förderung von vier Zweitakt- und vier Viertakt-Fahrern sowie genereller Talentsichtung im Motorradsport zumindest zurückgestellt wurde. Natürlich freuen sich alle über gute Vorstellungen von jungen Rennfahrern wie Alex Hofmann, Reinhard Stolz, Klaus Nöhles und Markus Ober oder anderer, die anstelle der obigen Idee jetzt für 1999 sogar auf pekuniäre ADAC-Unterstützung hoffen dürfen. Am vielbeklagten Fehlen eines langfristigen Konzepts zur Gesundung des Motorradsport ändert dies jedoch nichts. Schade, daß der ADAC die Chance vertan hat, als Lokomotive für die Motorradbranche, für Promoter, Verbände, Veranstalter, Teams und Sponsoren auf dem richtigen Gleis Dampf zu machen. Übers Jahr wird´s zudem kaum leichter. Schließlich scheint schon einer der geplanten Grundpfeiler morsch. Nicht nur Suzuki-Mann Bert Poensgen sieht den ADAC-Juniorcup zum 125er Marken-Pokal verkommen und fordert ein Neukonzept mit Markenvielfalt. Da japanische Unternehmen mit großem Vorlauf planen, dürfte eine Änderung erst im Jahr 2000 greifen.Wenn bis dahin nicht neue Waldis vom Himmel fallen, könnte es ohne deutsche Toppiloten sogar auf der Mattscheibe dunkel werden. Ein fataler Teufelskreis: Ohne TV keine Sponsoren, ohne Sponsoren kein Budget und kaum Chancen für Fahrer, ein gutes Team zu finden. Der Rennsport-Nachwuchs bliebe dann vollends auf der Strecke. Die Quellen der Bundes-Sportförderung werden fürs Motorrad nämlich auch vom neuen Motorsport-Dachverband DMSB nicht anzuzapfen sein.Es grüßt herzlich, aber frustriert
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