Wir machen den Weg frei (Archivversion)

»Wir machen den Weg frei“

Nullkommanullneun, nullkommanullsieben Prozent – die Hersteller unterbieten sich seit einiger Zeit mit attraktiven Finanzierungsangeboten. So kann sich der kaufwillige Biker eine Honda oder Suzuki ohne jegliche Anzahlung zur Mini-Monatsrate in die Garage stellen. Toll – oder?Gut, die Marktlage ist schlecht. Die Leute halten, verunsichert durch Politik und Weltlage, ihr Geld zurück. Selbst einer, der es sich leisten könnte, scheut zurzeit große Anschaffungen. Da helfen die Finanzierungsangebote, binden nicht den Notgroschen und sorgen trotzdem für ansprechendes Material in der Saison 2003. Man lebt schließlich im Hier und Jetzt, und jetzt will man fahren. Warum nicht zuschlagen? Also alles in Butter. Oder etwa doch eine Milchmädchenrechnung?Klar ist, dass die Banken ihren Schnitt machen. Wer Geld verleiht, kassiert Zinsen. Mindestens sieben Prozent müssen momentan Händler oder Importeure zahlen – und legen die Differenz zu den Finanzierungsangeboten drauf. Gut für den Kunden. Der Handel jedoch jammert. Seine Margen wurden gekürzt. Jetzt noch Finanzierungen zu unterstützen bringt manchen ans Limit. Neumaschinen verkaufen macht heute nur noch die reich, die richtig viele verkaufen. Geschäftsaufgaben sind die Folge. Der kleine Moped-Schuppen um die Ecke – wohl bald vorbei. Ist das in unserem Sinne?Meiner Meinung keineswegs. Motorradfahrer sind Individualisten. Und wollen auch individuell bedient werden. Massenabfertigung im Riesenstore liegt ihnen nicht. Eher persönliche Ansprache vom kompetenten, motorradfahrenden Händler. Und die muss im großen Motorradhaus der Zukunft erst einmal gelernt werden. Aber ist die Entwicklung überhaupt aufzuhalten?Ein Blick in den Automobilhandel macht wenig Hoffnung. In riesigen Verkaufstempeln werden die Vierräder präsentiert. Der kleine Ford- , Opel- oder VW-Händler auf dem Dorf ist schon fast Geschichte. Dort finden sich jetzt freie Werkstätten, die diejenigen betreuen, denen die oft distanzierte Art der Großhändler auf den Wecker geht. Für unsere Szene wünsche ich mir einen gesunden Mittelweg. Am Lenker sitzen die Importeure und Hersteller. Sie bestimmen die Bedingungen für den Handel. Nullkommanullsieben können eine Zeit lang helfen. Auf Dauer sicher nicht.
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