Yamaha-Mechanikerwettbewerb (Archivversion)

Schraube locker, aber fix

Wer ist der beste Yamaha-Mechaniker im ganzen Land? Bei einem Wettbewerb in Löhne rangen elf Gesellen um den Sieg. Die eigentliche Krone aber gebührt König Kunde. Ihm zu Willen soll der Service immer besser werden.

»Der Nocken hat oben zu stehen. Mein Schatz sagt das auch«, feixt Stephan van Eicken, als er das Ventilspiel einer FZR 600 kontrolliert. Der Betzdorfer kämpft mit zehn anderen Gesellen um den Titel des besten deutschen Yamaha-Mechanikers. Bei der Endausscheidung im ostwestfälischen Löhne sind die Männer - mal abgesehen von einem Pin-up-Girl, das sich auf einem Kalenderblatt räkelt - unter sich. In rotblauen Overalls flitzen sie mit ausgebauten Rädern durch die Halle, jonglieren mit Kupplungsscheiben und balancieren Tanks von der Hebebühne zur Werkbank. Was zunächst wie ein Wettkampf im Synchronschrauben wirkt, gerät bald aus dem Takt. Die ersten werden nervös, weil sie nicht schnell genug schuften. Dabei ist die Analyse des Motorschadens bei der FZR 600 nur eine der vielen Aufgaben, die in sechs Stunden zu bewältigen sind. Die 6000-Kilometer-Inspektion bei einer XJ 600 Diversion, Probefahrt auf einer TDR 125, Urlaubscheck bei einer XT 600 sowie Beurteilung und Inzahlungnahme einer gebrauchten XJR 1200 gehören noch dazu. Überall lauern kleine Defekte und große Mängel auf ihre Entdeckung: Zuviel Luftdruck, die Kopfdichtung leckt, oder die Kette ist unregelmäßig gespannt. Je findiger die Mechaniker bei der Fehlersuche vorgehen, desto mehr Punkte sammeln sie. Vorausgesetzt, sie schaffen´s in der vorgegebenen Zeit. »Wir wollen möglichst wirklichkeitsnahe Bedingungen. Sie sollen so effizient arbeiten, daß der Kunde auch hinterher nicht der Dumme ist, wenn´s ans Bezahlen geht.« Sagt Theo Hoffmann, Leiter der Abteilung Kundendienst bei Yamaha, der das Ganze organisiert hat.Die elf Kandidaten sind aus den rund 150 Teilnehmern - darunter nur drei Frauen - an Grundlehrgängen in Löhne ausgewählt worden. Seit 1974 bietet der Importeur diese Technikkurse an, aber der Wettbewerb fand erst zum zweiten Mal statt. »Die Schulungen sollen einen kompetitiven Charakter bekommen und die Teilnehmer zusätzlich motivieren«, meint Karlheinz Vetter, Pressesprecher von Yamaha. Außerdem geht´s ums Image. Vor allem das des Mechanikerberufs. Aber auch um den guten Ruf der Marke.Customer satisfaction heißt das modische Schlagwort - Kundenzufriedenheit. Neben einer attraktiven Modellpalette spielt im Kampf um Marktanteile ein leistungsfähiger Service eine immer größere Rolle. Schließlich soll der eingefleischte Kawa-Fan, der sich wegen der 150 superschnellen PS die neue Yamaha R1 zugelegt hat, nicht durch mies gemachte Inspektionen gleich wieder vergrault werden. Deshalb sind Wettbewerbe wie der in Löhne nur konsequent. Meint jedenfalls Mechaniker Hans Salomon: »Das ist absolut notwendig. Man muß den Kunden gegenüber beweisen, daß die Qualität stimmt.«Beim letzten Durchgang an den Hebebühnen haben vier Betreuer in freundlichem Blau die Motorräder erneut mit Mängeln versehen. Aber mitunter geht´s in der Realität doch anders ab als im Wettbewerb: Denn das Motoröl darf laut Wartungsplan erst nach einem Probelauf gewechselt werden. Obwohl es von der vorigen Runde noch betriebswarm ist. Mechaniker ärgere dich nicht. »Das war super«, freut sich dagegen Hans Salomon. Kein Wunder. Der Dortmunder mit dem Traumjob Zweiradmechaniker hat gewonnen. Auf Platz zwei landet Dirk Kandel aus Geldern, dicht gefolgt von Michael Schmatz aus Prüm. Die Riege der ersten Drei wird nächstes Jahr zum europaweiten Wettbewerb der Yamaha-Mechaniker nach Amsterdam fahren. Mal sehen, wie sich Salomon und Co dort schlagen.
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