Zündbox: Frank Schöntaube möchte Privatfahrer von der Straße auf die Rennstrecke bringen (Archivversion)

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Frank Schöntaube will, daß mehr Sportfahrer auf Rennstrecken trainieren können, damit sich weniger auf der Landstraße die Birne einrennen.

Ich bin ein ambitionierter Rennstreckenheizer und auch auf Landstraßen meistens am erlaubten Limit unterwegs. Zuhause bin ich in Aachen. Ideal, glauben jetzt vielleicht viele. Denn von hier aus sind es 70 Kilometer zum Nürburgring, 30 Kilometer bis Spa-Francorchamps und 80 Kilometer nach Zolder. Aber Pustekuchen. Weder auf dem Nürburgring noch in Zolder ist das Kreisfahren für Normalverdiener erschwinglich. Und in Spa darf Otto Biker erst gar nicht seine Reifen auf den kostbaren Asphalt setzen. Bleibt nur eins: Man dreht eben auf den Landstraßen am Quirl. So denken jedenfalls einige Sportfahrer, die vielleicht sogar Kopf und Kragen riskieren, um rauszukriegen, wann das Knie endlich streift. Ein Hinweis darauf sind die vielen Kreuze rechts und links an den Straßenrändern. Vielleicht würden manche dieser Leute noch leben, wenn sie auf einer Rennstrecke an ihre Grenzen hätten gehen können. Dort, wo Auslaufzonen genügend Raum für Ausrutscher bieten und keine scharfen Leitplankenkanten schwere Verletzungen verursachen. Warum können Sportfahrer nicht ohne 855 Mark im Jahr oder 25 Mark pro Runde abzudrücken ihr Motorrad sicher - und ohne ihren Führerschein aufs Spiel zu setzen - ans Limit fahren. Dafür werden diese Dinger doch gebaut. Oder täusche ich mich? Vielleicht setzt sich der ADAC im Interesse der Sicherheit bei Rennstreckenbetreibern dafür ein, daß Motorradfahrer für weniger Geld rumfahren dürfen. Oder ist das nicht profitabel genug? Zur Abwechslung wäre das aber mal eine gute Werbung für den Verein. Jedenfalls bin ich sicher, daß durch Renntraining die Zahl der Unfälle weiter sinken würde, Streckensperrungen nicht mehr notwendig wären und unnötige »Laut ist out«-Aktionen sich erübrigen würden. Die restlichen Unverbesserlichen werden dann eben von der Polizei erwischt. Statt Verboten ist das - wenn´s wahr wird - eine sinnvolle Aktion, bei der es mal nicht ums Abkassieren geht - wie bei der 98-PS-Regelung oder der Protektorenpflicht.
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