Zum Thema: »Der Griff des ADAC ins Klo" (Archivversion)

Nur allzu oft verbirgt sich hinter schnippischer Arroganz, sturköpfiger Besserwisserei oder kernigen Wortgewittern ganz Schlichtes - spinnbeinige Unsicherheit. Wissen kommt meist moderater daher. Auf der anderen Seite ist in manchen Auseinandersetzungen eine deftigere Sprache durchaus vonnöten. Auf einen groben Klotz gehört ab und an eben ein grober Keil. Und was sich der ADAC in seiner jüngsten Ausgabe der »Motorwelt« geleistet hat, verdient eine Bewertung im Holzfällerstil: Das Titelbild der November-Ausgabe ist ein Griff ins Klo. Während des ganzen Jahres findet sich auf dem Titel dieser Mitgliederzeitschrift kein Motorradfoto. Doch bei der Ankündigung der Titelstory über die fliegenden ADAC-Lebensretter darf’s dann ein Sportbike sein: ziemlich zerstört, mitten im Acker. Im Hintergrund der Hubschrauber, zwei Männer mit einer Tragbahre. Noch Fragen? Das Klischee vom rasenden, lebensmüden Motorradfahrer wird so millionenfach unters Volk gebracht - und das mit dem gelben Buchstaben-Stempel ADAC.Zwei Dinge können für die Entscheidung, ein solches Foto auf den Titel einer Massenzeitschrift zu bringen, verantwortlich sein. Erstens wollte Chefredakteur Alfons Kifmann es den Bikern mal so richtig zeigen: Motorradfahrern gehört verboten. Oder zweitens: Die Redaktion war sich über die Wirkung einer solchen Veröffentlichung nicht im klaren. Ersteres zeugte von Bösartigkeit, letzteres von journalistischer Inkompetenz. Im ADAC sind mehrere hunderttausend Motorradfahrer Mitglied. Ich wünsche der »Motorwelt« den geballten Protest dieser Mitglieder an den Hals. Sonst werden diese satten Bäuche in München nicht wach. Und auch die Motorradindustrie sollte dieses Titelbild nicht tonlos hinnehmen. Ein geharnischter Protest wäre das mindeste (siehe auch Seite ...). Schließlich ist uns Kampagne-Journalismus gegen das Motorrad bislang nur von Stern, Spiegel und Co. bekannt.PS: Wir haben uns übrigens entschlossen, ab sofort regelmäßig, also alle zwei Monate, mit unserer neuen Roller-Zeitschrift zu erscheinen. Das neue Heft, die Nummer 1/1996, gibt es ab sofort zu kaufen. Es grüßt Sie herzlichst Ihr
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