Motorradlärm
Debatte um Lautstärke von Motorrädern
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Studie: Autofahrer hören laute Motorräder nicht

Lärmstudie klärt auf Autofahrer hören auch laute Motorräder nicht

Keine Bange, das wird nicht schon wieder so ein "Alle Moppeds sind zu laut"-Abmahnartikel. Hier geht es um das "gute", alte Schlagwort "Loud pipes saves lives": Das stimmte rein sozial zwar noch nie, wurde jetzt aber auch wissenschaftlich bewiesen. Und trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl zurück.

Erstmal tragisch: Zweiräder werden von Vierradfahrern zu oft übersehen. Leider nicht richtig: Laute Zweiräder werden nicht überhört. Nun bleibt ein ungutes Gefühl zurück und es klopft schüchtern die Frage von innen an die Stirn: Wenn der Autofahrer mich schon oft übersieht und mich egal wie laut auch nicht hört, was soll ich dann tun für meine Sicherheit?

Motorradfahrervereinigung arbeitet mit Universität zusammen.

Die rumänische Pro-Motorrad Vereinigung für die nationale Entwicklung des Motorradfahrens hat zusammen mit der polytechnischen Hochschule von Bukarest und der Spezialisten für Lärmemissionen Enviro Consult in einer Studie untersucht, wie viel des Motorradgeräuschs tatsächlich im Auto ankommt. Hierbei haben sie vor allem die Frage gestellt, wo und ab wann das Motorrad im Innenraum hörbar wird. Da das während der Fahrt aber nur schwer messbar ist, hat die Forschungsgruppe diesen Versuch im Stand durchgeführt – allerdings bei maximaler Drehzahl des Motorrads. Gleich unten dran das Video mit der Kurzfassung der Studie.

Zeitgleich wurde der Motor des Autos zwischen 2.500 und 3.000 Umdrehungen gehalten, das Radio auf 20 Dezibel eingestellt und das Motorrad einmal 15 Meter, einmal zehn Meter, dann neben dem Auto und schlussendlich vor dem Auto platziert. Also quasi eine Standgeräuschmessung nur bei Höchstdrehzahl mit entsprechend absurd hohem Schalldruck. Wer jetzt denkt, dass dem Autofahrer dabei das Gebiss aus dem Kiefer fällt, der irrt gewaltig: Mit eingeschaltetem Radio in normaler Lautstärke (20 Dezibel) ist das Motorrad 15 Meter (Mindestabstand innerorts) hinter dem Auto nicht hörbar. Selbst noch bei zehn Metern Abstand ist die Schalldämmung des Autos und der Schalldruck der eigenen Frequenzen größer als das Motorrad im Drehzahlbegrenzer jaulend.

Motorradlärm Innenraum
MotoADN

Schalldruck ist nicht gleich Lärm

Erst unterhalb dieses Abstandes wird das Motorrad langsam hörbar im Auto. Aber nur in Sachen Schalldruck, also dem Ergebnis aller Frequenzen. Allerdings kamen nur sehr tiefe Frequenzen im Innenraum an und die sind für das menschliche Gehör grundsätzlich schwerer zu identifizieren und in einem Mischmasch aus Frequenzen noch schwerer zu isolieren.

Geräuschmessung
psdesign1 (fotolia)

Mit dem Vorderrad des Motorrads auf Höhe des Hinterrads des Autos war dann zum ersten Mal der Schalldruck des Motorrads deutlich im Auto zu hören, allerdings nur das lauteste der sechs getesteten Modelle, welches 110 Dezibel im Begrenzer aus der Zubehörtüte rauslässt. Die anderen fünf Motorräder waren selbst hier noch sehr weit unter der Hörgrenze und dann erst im Innenraum hörbar, als sie vor dem Auto fuhren. Sprich: Erst auf Höhe des Autos wird das Motorrad im Innenraum wirklich hörbar. Da ist es dann aber meist schon zu spät, um Spurwechsel- oder Abbiegefehler noch zu korrigieren.

Motorradlärm Lärmmessung Lautstärke
Jacek Bilski

Hier noch einige Fakten zur Studie:

  1. Der Unterschied zwischen dem lautesten und dem leisesten Motorrad lag bei Höchstdrehzahl bei knapp 30 Dezibel, also der zehnfachen wahrgenommenen Lautstärke.
  2. Sieben Dezibel Unterschied im Schalldruck lagen im Schnitt bei der Messung vor dem Motorrad und hinter dem Motorrad. Hinter dem Motorrad wird das Geräusch als mehr als doppelt so laut wahrgenommen wie vor dem Motorrad.
  3. Vor dem Auto gemessen sind die Schalldruckwerte im Innenraum wieder gesunken, im Vergleich zur Messung neben dem Fahrzeug. Grund: Autos werden so konstruiert, um möglichst gut von vorne schallgedämmt zu sein.

Fazit

Der Unterschied zwischen übersehen werden und unerhört bleiben ist, dass du eines von beiden recht einfach ändern kannst. Mach dich sichtbar. Das geht auch ohne Neon-Helm und Warnweste, beispielsweise indem du dich Autofahrern mit guter Platzierung im Sichtfeld des Spiegels bemerkbar machst.

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