Motorradführerschein Klasse A, A2, A1

Alle Infos zu Kosten, Klassen, Kursen

Es wird wieder ernst. Ich fahre mit 30 km/h auf den Slalom zu, weiche als Erstes nach rechts aus und versuche mich, durch die Hütchen zu hangeln. Hui, das ist irgendwie ganz anders als mit der Kawasaki früher.
Der Motorradführerschein ist nicht nur Erlaubnis zum Fahren auf öffentlichem Gelände, sondern für viele die Fahrkarte zur Freiheit. Um das Ticket zu lösen, verlangt es Geduld und ein wenig Kleingeld.Theorie heißt nicht nur Bögen büffeln. Übungen machen die Schüler mit dem Fahrverhalten des Motorrads vertraut. In einem anschaulichen Theorieunterricht prägt sich der Prüfungsstoff meist besser ein, als beim Büffeln im stillen Kämmerlein.Der Fahrlehrer auf Augenhöhe mit dem Schüler. Vor der ersten Fahrt zeigt er, was am Motorrad zu checken ist.Wer erst testen will, ob ihm das Motorradfahren überhaupt zusagt, nimmt an Aktionen wie Fahren ohne Führerschein teil. Dabei ist der Instruktor auf dem Übungsgelände immer an der Seite des Fahrschülers und kann jederzeit eingreifen.
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Was kostet ein Motorradführerschein? Mit welcher Führerscheinklasse darf man welche Motorräder fahren? Wie alt muss man für welche Klasse sein? Und wie finde ich die passende Fahrschule? Alle Infos zum Erwerb des Motorradführerscheins.

Die Entscheidung ist getroffen: Der Motorradführerschein muss her! Allerdings wissen viele Führerschein-Anwärter nicht, welche Klassen es gibt, ab welchem Alter welche Fahrerlaubnis gemacht werden kann, was ein Motorradführerschein kostet und wie die Fahrschul-Ausbildung aussieht. MOTORRAD beantwortet alle wichtigen Fragen zum Motorradführerschein.

Was kostet ein Motorradführerschein?

Die Kosten eines Motorradführerscheins hängen stark davon ab, wo er gemacht wird. So sind die Fahrschulpreise in süddeutschen Großstädten um ein gutes Drittel höher als etwa in Brandenburg auf dem Land. Bei der Anzahl der nötigen Übungsstunden kommt es aufs Talent des Fahrschülers an.

Diverse Portale nennen in aktuellen Preisbeispielen rund 1.250 Euro inklusive aller Gebühren für Sehtest, Erste-Hilfe-Kurs oder Prüfungsanmeldung für die Klasse A, errechnet auf Basis der Fahrschulpreise in Berlin bei zwölf Übungsstunden. Braucht ein Fahrschüler 20 Stunden (Durchschnittswert), kostet der Schein schon über 1.500 Euro – im günstigen Berlin. Diese Preiseinschätzung erachten wir allerdings als zu gering. In Stuttgart oder München sind 2.000 bis 2.500 Euro realistischere Größen für einen Motorradführerschein.

Übersicht der Kosten für den Motorradführerschein

Anmeldegebühr der Fahrschule: Die Anmeldegebühr für den Motorradführerschein bei der Fahrschule beinhaltet neben allgemeinen Aufwendungen auch die Theoriestunden. Teilweise sind auch Lernmaterialien wie Fahrschulbögen zum Üben im Preis enthalten. Insgesamt sind das je nach Region und Fahrschule 200 bis 300 Euro.

Sehtest: Für den Führerschein-Sehtest ist eine gesetzliche Gebühr in Höhe von 6,43 Euro vorgeschrieben.

Erste-Hilfe-Kurs: Im deutschen Bußgeldkatalog heißt es hierzu: "Wenn Sie den Erste-Hilfe-Kurs nicht für den Führerschein gemacht haben, sondern beispielsweise aus beruflichen Gründen, so beträgt die Gültigkeit des Erste-Hilfe-Kurses meist nur zwei Jahre! Wenn Sie nicht innerhalb von zwei Jahren nach der Teilnahme an dem Kurs den Führerschein machen, so ist der Kurs für die Fahrerlaubnis auch weiterhin gültig, vorausgesetzt er gemäß FeV geeignet." Anm. d. Red.: Die Abkürzung FeV steht für: Fahrerlaubnisverordnung. Kosten: ca. 20 bis 40 Euro.

Übungsfahrten: Pro Übungsstunde (45 Minuten) fallen 30 bis 50 Euro an. Die Anzahl der Übungsstunden hängt natürlich stark von den Lernfortschritten des Fahrschülers ab. Eine besonders hohe Anzahl an Übungsfahrten kann die Kosten für den Motorradführerschein deutlich teurer werden lassen.

Sonderfahrten: Die bei allen Motorradführerscheinklassen verbindlichen 12 Sonderfahrten schlagen mit ca. 40 bis 60 Euro pro Fahrt zu Buche: 5 Überlandfahrten, 4 Autobahnfahrten, 3 Dunkelfahrten, je 45 Minuten pro Fahrstunde.

Gebühr der Fahrschule für die Vorstellung zur theoretischen Prüfung: Sofern diese Gebühr nicht schon in der Anmeldegebühr enthalten ist, werden ca. 30 bis 60 Euro fällig. Die Fahrschule veranschlagt dies für den mit der Anmeldung verbundenen Verwaltungsaufwand. Wird die Prüfung nicht bestanden, fallen die Gebühren erneut an.

TÜV-Gebühr für die theoretische Prüfung: Für die Theorieprüfung erhebt der TÜV 22,49 Euro für den Verwaltungsaufwand und den Prüfungsleiter.

Gebühr der Fahrschule für die Vorstellung zur praktischen Prüfung: Die Gebühr enthält den Verwaltungsaufwand rund um die Anmeldung zur Prüfung und die Bezahlung des Fahrlehrers, der bei der praktischen Fahrprüfung dabei ist. Die Kosten belaufen sich je nach Fahrschule auf 80 bis 180 Euro. Bei Nichtbestehen der praktischen Prüfung werden die Gebühren erneut fällig.

TÜV-Gebühr für die praktische Prüfung: Je nach Motorradführerscheinklasse und abhängig davon, ob es sich um eine Führerscheinerweiterung handelt, beträgt die Gebühr beim TÜV ca. 80 bis 120 Euro.

Gebühr für die Ausstellung des Führerscheins: Für die Ausstellung der Fahrerlaubnis fallen je nach Führerscheinstelle bei Erstausstellung ca. 30 bis 50 Euro an.

Führerscheinklassen des Motorradführerscheins

In die Führerscheinklasse A eingeschlossen sind die Klassen A2, A1 und AM. Wer den „großen“ Motorradführerschein besitzt, darf alle Motorräder und Gespanne ohne Geschwindigkeits- oder Hubraumbegrenzung fahren.

Die Führerscheinklasse A2, der „48-PS-Führerschein“, ist der Motorradführerschein für Krafträder mit oder ohne Beiwagen mit bis zu 35 kW, die nicht von einem Kraftrad mit einer Leistung von über 70 kW abgeleitet ("gedrosselt") sind, und maximal ein Verhältnis von Leistung zu Gewicht von 0,2 kW/kg haben.

Der Führerschein der Klasse A1 umfasst Leichtkrafträder bis 125 cm³ und 11 kW sowie einem maximalen Leistungs-Gewichts-Verhältnis von 0,1 kW/kg.

Die „50er-Klasse“ AM ist der Führerschein für Kleinkrafträder wie Mopeds oder Roller. Darunter fallen zwei- und dreirädrige Kleinkrafträder mit einer bauartbedingten Geschwindigkeit von höchstens 45 km/h und einem maximalen Hubraum von 50 cm³. Auch Fahrräder mit Hilfsmotoren oder vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge gehören dazu, sofern sie aufgrund ihrer Bauart 45 km/h oder 50 cm³ Hubraum nicht überschreiten. Für Elektrofahrzeuge gilt eine Nenndauerleistung von nicht mehr als 4 kW beziehungsweise eine maximale Leermasse von 350 kg ohne Batterie.

Motorradführerschein und Alter: Wer darf was fahren?

  • Mindestalter für die Führerscheinklasse AM und für die 125er-Klasse A1: ab 16 Jahre
  • Führerscheinklasse A2: mindestens 18 Jahre
  • Direkteinstieg Führerscheinklasse A: 24 Jahre
Foto: jkuenstle.de
Optisch müssen sich die neuen 125er-Modelle nicht vor den größeren Geschwistern verstecken.
Optisch müssen sich die neuen 125er-Modelle nicht vor den größeren Geschwistern verstecken.

Wer die Klasse A2 mindestens 2 Jahre besitzt, darf ab 20 Jahren auf die Klasse A umsteigen – dafür ist allerdings nochmal eine praktische Prüfung notwendig. So auch beim Aufstieg vom A1 zum A2: Wer zunächst zwei Jahre Erfahrung in der Führerscheinklasse A1 sammelt, muss für die Klasse A2 nur noch eine verkürzte praktische Prüfung ablegen.

Wer seinen Autoführerschein vor dem 1. April 1980 gemacht hat, damals Klasse 3, darf auch Fahrzeuge der Klasse A1 führen. Inhaber der Führerscheinklasse 4, "80er-Führerschein", dürfen je nach Ausstellungort und -datum ebenfalls Fahrzeuge der Führerscheinklasse A1 führen. Dazu muss der Führerschein vor dem 1. April 1980 in der Bundesrepublik oder DDR ausgestellt worden sein.

Der Tüv Nord sagt außerdem: "Inhaber einer Fahrerlaubnis der Klasse A2, die zwischen dem 19.01.2013 und 27.12.2016 erteilt wurde, dürfen im Inland weiterhin Krafträder, die von mehr als 70 kW abgeleitet sind, führen."

Motorradführerschein Klasse A1 und AM

Mindestalter für die Führerscheinklasse A1 (125er) und AM: 16 Jahre. Wer zunächst zwei Jahre Erfahrung in der Führerscheinklasse A1 sammelt, muss für die Klasse A2 (ab 18 Jahre) nur noch eine verkürzte praktische Prüfung ablegen.

Motorradführerschein Klasse A2

Mindestalter für die Führerscheinklasse A2: 18 Jahre. Wer die Klasse A2 mindestens 2 Jahre besitzt, darf ab 20 Jahren auf die Klasse A umsteigen – dafür ist allerdings nochmal eine praktische Prüfung notwendig.

Der TÜV sagt außerdem: "Inhaber einer Fahrerlaubnis der Klasse A2, die zwischen dem 19.01.2013 und 27.12.2016 erteilt wurde, dürfen im Inland weiterhin Krafträder, die von mehr als 70 kW abgeleitet sind, führen."

Motorradführerschein Klasse A

Mindestalter für den Direkteinstieg Führerscheinklasse A: 24 Jahre. Damit dürfen dann unbeschränkt alle Krafträder gefahren werden, die bauartbedingten eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 45 km/h (Motorleistung von mehr als 35 kW oder Verhältnis der Leistung zum Gewicht (Leermasse) mehr als 0,2 kW/kg) erreichen.

Motorradführerschein vor dem 1. April 1980

Wer seinen Autoführerschein vor dem 1. April 1980 gemacht hat, damals Klasse 3, darf auch Fahrzeuge der Klasse A1 führen. Inhaber der Führerscheinklasse 4, "80er-Führerschein", dürfen je nach Ausstellungort und -datum ebenfalls Fahrzeuge der Führerscheinklasse A1 führen. Dazu muss der Führerschein vor dem 1. April 1980 in der Bundesrepublik oder DDR ausgestellt worden sein. Für diese Personen gilt dasselbe wie für Inhaber der Führerscheinklasse A1: Nach mindestens zwei Jahren im Besitz von Klasse 3 oder 4 (mit Einschränkung wie oben beschrieben) ist ein Aufstieg in die Führerscheinklasse A2 durch eine praktische Prüfung möglich.

Und das gilt dann auch für diejenigen, die von ihrer nach dem 19.1.2013 erworbenen Klasse A2 auf die unbeschränkte Führerscheinklasse A "upgraden" möchten.

Zu klein für den Motorradführerschein?

Ein Leser schrieb uns zu diesem Thema: "Meine Freundin ist mit 1,57 Meter wahrlich kein Riese und aktuell mit folgender Problematik konfrontiert: Laut mehrerer Fahrschulen ist es für ein Bestehen der Motorradführerscheinprüfung unabdingbar, dass beide Füße eben auf den Boden aufgestellt werden können. (...) Einzige Möglichkeit für sie, einen Motorradführerschein zu erhalten, war daher der Erwerb der Führerscheinklasse A2, da in dieser Klasse kleinere Ausbildungsmotorräder vorhanden sind, obwohl sie bereits über 24 Jahre ist, und damit ein Direkterwerb der Klasse A möglich gewesen wäre."

Foto: Arturo Rivas
Natalie ist 1,53 Meter groß und hat eine Innenbeinlänge von 68 Zentimetern. Für sie gestaltete sich die Suche nach einer Fahrschule schwierig.
Natalie ist 1,53 Meter groß und hat eine Innenbeinlänge von 68 Zentimetern. Für sie gestaltete sich die Suche nach einer Fahrschule schwierig.

Unsere Recherchen haben ergeben: Hierzu gibt es keine Rechtsgrundlage. Zumindest nicht, bei Führerscheinanwärtern mit einer Körpergröße über 150 Zentimeter. Aber: Es liegt im Ermessen und in der Verantwortung des Fahrlehrers, die Ausbildung nicht zu beginnen beziehungsweise abzubrechen, wenn ein sicherer Umgang mit dem Fahrzeug (z.B. wegen der geringen Körpergröße) nicht möglich sein sollte.

Auf Anfrage gab uns der Fahrlehrerverband Baden-Württemberg e.V folgende Auskunft:

„Dass ein Fahrschüler sicher mit einem Motorrad üben kann, wenn er nur mit einem Fuß den Boden erreicht, ist für uns nicht vorstellbar. Er muss mindestens mit beiden Füßen auf den Ballen (nicht Zehenspitzen) auf den Boden kommen, damit es verantwortbar ist, mit ihm Fahrstunden durchzuführen.
Wir würden deshalb, auch aus haftungsrechtlicher Sicht, jedem Fahrlehrer dringend davon abraten, in derartigen Fällen mit einer Ausbildung zu  beginnen.“

Die Dekra, neben dem TÜV eine der Prüforganisationen, gibt dazu folgendes Statement ab:

„Es gibt keine Vorgabe, dass als Voraussetzung für ein Bestehen der praktischen Zweiradprüfung beide Füße eben auf den Boden aufgestellt werden können. Entscheidend ist, dass während der Prüfungsfahrt die o.g. Anforderungen (Anm. d. Red.: Fahrzeugbeherrschung in sämtlichen Verkehrssituationen) inklusive der Grundfahraufgaben erfüllt werden und das Kraftrad in der praktischen Prüfung sicher beherrscht wird.“

Der TÜV zitiert aus der Prüfungsrichtlinie (IV Nr. 2.3.1.1.2):

„Voraussetzung für die Ablegung der Fahrprüfung ist die Fähigkeit des Bewerbers, das Kraftrad selbstständig zu handhaben. Hierzu gehört das Aufstellen und Herunternehmen vom Ständer -  Mittel-oder Seitenständer -  und ggf. das seitliche Schieben ohne Motorkraft in die Abfahrtposition sowie das Anlassen (mit elektrischem Anlasser, soweit vorhanden) des Kraftrades mit allen damit in Zusammenhang stehenden Handgriffen. Die Fähigkeit zur selbstständigen Handhabung ist nicht gegeben, wenn der Bewerber das Kraftrad nicht auf den Ständer stellen oder von ihm herunternehmen kann, ihm das Kraftrad umkippt oder wenn er mit nicht ordnungsgemäß eingezogenem Ständer anfahren will.“

Foto: Arturo Rivas
Natalie machte einen Schnupperkurs für Kurzbeinige beim Schwarzwald Biker-Weekend 2016. Das passende Motorrad: Eine tiefergelegte Kawasaki ER-6n.
Natalie machte einen Schnupperkurs für Kurzbeinige beim Schwarzwald Biker-Weekend 2016. Das passende Motorrad: Eine tiefergelegte Kawasaki ER-6n.

Motorradführerschein mit Körpergröße unter 1,50 Meter

Stellt die Fahrerlaubnisbehörde beim Antrag auf den Führerschein fest, dass der Bewerber minderwüchsig ist (Körpergröße unter 150 cm), „beauftragt die Behörde eine Eignungsbegutachtung durch einen amtlich anerkannten Sachverständigen oder Prüfer (aaSoP) der Technischen Prüfstelle (in den westdeutschen Bundesländern die TÜVs, in den ostdeutschen Bundesländern DEKRA).“, so die Auskunft der Dekra-Sachverständigen.

Weiterhin heißt es in der Stellungnahme:

„Die Begutachtung erfolgt entsprechend dem VdTÜV Merkblatt 745 (https://www.vdtuev.de/shop/merkblaetter/gesamtliste). Im Falle des Erwerbs einer Zweiradfahrerlaubnis erfolgt die Begutachtung am betreffenden Zweirad, indem überprüft wird, inwieweit Lenkung, Pedalerie, Sitzposition und Sitzgestaltung abgestimmt werden müssen. In dem Fall, dass der Minderwuchs mit einer Krafteinschränkung verbunden ist, kann als Voraussetzung der Begutachtung ein fachärztliches Gutachten erforderlich sein. In einer intensiven Fahrprobe überprüft der aaSoP seine Festlegungen.

Im Ergebnis der Begutachtung schlägt der aaSoP der Behörde Beschränkungen und Auflagen vor, die einen optimalen Erfolg hinsichtlich der sicheren Teilnahme am Straßenverkehr versprechen.

Wie jeder andere Bewerber muss auch der Bewerber mit Minderwuchs in der Prüfungsfahrt nachweisen, dass er u.a. fähig ist, selbständig sein Fahrzeug auch in schwierigen Verkehrssituationen verkehrsgerecht und sicher zu führen. Der Bewerber muss zeigen, dass er mit den Gefahren des Straßenverkehrs und den zu ihrer Abwehr erforderlichen Verhaltensweisen vertraut ist. 
Im Falle einer Zweiradprüfung sind Grundfahraufgaben, wie z.B. Slalom, Abbremsen mit höchstmöglicher Verzögerung u.a. zu fahren. Diese dienen dem Nachweis, dass der Bewerber das Kraftrad selbständig handhaben kann.

Wird dies nachgewiesen, ist die praktische Prüfung bestanden.“

Die passende Fahrschule finden

Fahrschule ist nicht gleich Fahrschule. Entsprechend ist die Wahl der passenden Fahrschule für den Erwerb des Motorradführerscheins von enormer Bedeutung. Wir haben einige Tipps für die Auswahl der passenden Motorradfahrschule:

  • Die Fahrschule sollte eine kostenlose Theorie-Schnupperstunde zulassen. Der Fahrschüler kann dabei feststellen, ob ihm der Fahrlehrer passt.
  • Der Theorieunterricht wird von einem qualifizierten Fahrlehrer und nicht von einer Hilfskraft gehalten. Die praktische Ausbildung erfolgt von Anfang bis Ende bei ein und demselben Fahrlehrer.
  • Ein guter Zweiradfahrlehrer fährt oft auch privat Motorrad.
  • Eine gute Fahrschule lässt ihre Fahrschüler nicht ohne vollständige Schutzkleidung fahren.
  • Die erste Motorradfahrstunde findet auf einem abgesperrten oder zumindest verkehrsarmen Platz statt. Dorthin fährt der Fahrlehrer mit dem Fahrschüler als Beifahrer. Erst auf dem Platz gibt es eine Einweisung und den ersten Kontakt mit dem Motorrad.
  • Erst wenn die Grundfahrübungen beherrscht werden, fährt auch der Fahrlehrer selbst mit einem Motorrad. Zu Beginn sollte er dem Fahrschüler vorausfahren. Zur Vorbereitung auf die praktische Prüfung fährt er ein bis zwei Fahrstunden mit dem Pkw hinterher, um den Fahrschüler an die Prüfungsfahrt zu gewöhnen.
  • Die praktischen Übungen sollten zunächst vom Motorradfahrlehrer vorgefahren werden, dann kommt der Fahrschüler an die Reihe.
  • Die Gesamtzahl der Fahrstunden ist kein Kriterium für eine gute Fahrschule. Die Ausbildung sollte individuell auf das Können und den Lernfortschritt des Motorradfahrschülers abgestimmt sein.
  • Die Sonderfahrten sollten erst nach abgeschlossener Grundausbildung gehalten werden.
  • Die Motorräder einer guten Fahrschule sind in einem einwandfreien technischen Zustand. Allrounder-Maschinen sind am besten für eine Zweiradausbildung geeignet.
  • Eine gute Ausbildung macht Spaß!

Theorie und Theorieprüfung für Motorradführerschein

Für den Motorradführerschein ist eine umfangreiche Ausbildung in Theorie und Praxis nötig. Der theoretische Teil besteht aus 12 Unterrichtsstunden zu je 90 Minuten, in denen der Grundstoff vermittelt wird und vier 90-minütigen Theoriestunden mit speziellem Wissen zum Thema Motorrad.

Bei einer Erweiterung des Führerscheins verkürzt sich der Grundstoff bei Inhabern der Klasse B auf 6 Theoriestunden. Inhaber der Führerscheinklassen A1 oder A2 können nach 2 Jahren die nächsthöhere Klasse erlangen und müssen dafür nur eine verkürzte praktische Prüfung ablegen.

Wer für den Theorieunterricht oder die theoretische Prüfung üben möchte, kann bei MOTORRAD kostenlos online den Führerscheintest mit den Fahrschulbögen aller Klassen machen.

Um die Theorieprüfung für den Motorradführerschein zu bestehen, gilt es in der theoretischen Prüfung 30 Fragen zu beantworten. Davon befassen sich 20 Fragen mit dem Grundstoff, sowie zehn mit dem Zusatzstoff Motorrad. Insgesamt dürfen maximal 10 Fehlerpunkte gemacht werden, wobei alle Fragen jeweils fest definierte Werte von 2 bis 5 Fehlerpunkten haben. Beim Vorbesitz der Führerscheinklasse B und einer Führerscheinerweiterung reduziert sich der Fragenkatalog auf 20 Fragen und maximal 6 Fehlerpunkte, um noch zu bestehen.

Die Theorieprüfung kann frühestens drei Monate vor dem Erreichen des Mindestalters für den entsprechenden Motorradführerschein absolviert werden. Für den Beginn der  theoretischen Ausbildung gibt es kein vorgeschriebenes Mindestalter, in der Regel wird frühestens ein Jahr vor dem nötigen Mindestalter begonnen.

Praktische Prüfung zum Motorradführerschein

Der praktische Ausbildungsteil auf dem Weg zum Motorradführerschein unterteilt sich in Übungsstunden und Pflichtstunden. Die Anzahl der Übungsstunden liegt im Ermessen des Fahrlehrers und hängt individuell von Können und Lernfortschritt des Fahrschülers ab. Für die Pflichtstunden sind 12 Sonderfahrten zu jeweils 45 Minuten vorgeschrieben. Diese sind in 5 Überlandfahrten, 4 Autobahnfahrten und 3 Fahrstunden bei Dunkelheit aufgeteilt.

Die praktische Prüfung für den Motorradführerschein dauert 60 Minuten. Bei einer Führerscheinerweiterung von A1 oder A2 auf die nächsthöhere Klasse reduziert sich die Prüfung auf 40 Minuten. Das Ablegen der Prüfung darf erst einen Monat vor Erreichen des Mindestalters für den Motorradführerschein stattfinden.

Schnellkurse für den Motorradführerschein

Viele Fahrschulen bieten mittlerweile Schnellkurse für den Erwerb des Motorradführerscheins an. Dabei wird innerhalb sehr kurzer Zeit das volle Fahrschul-Programm abgespult. Die Vorteile solcher Crash-Kurse liegen auf der Hand. Statt mehrere Monate in die Ausbildung zu investieren, ist man teilweise bereits innerhalb einer Woche am Ziel Motorradführerschein.

Zudem bleibt man durch das regelmäßige Motorradfahren in Schwung und muss sich nicht immer wieder auf die Fahrt mit einem Motorrad einstellen. Bei der normalen Ausbildung kann es teilweise zu längeren Pausen zwischen den Fahrstunden kommen.

Dafür müssen die meisten Teilnehmer Urlaub für die Bewältigung eines Schnellkurses nehmen. Preislich ist der Schnellkurs zum Motorradführerschein meist etwas teurer als die normale Ausbildungsvariante.

Interview mit einem Fahrlehrer und Fahrschulinhaber

Jörg Holzmann ist engagierter Motorradfahrer, Kawasaki-Fan und Inhaber einer Fahrschule in Stuttgart-Wangen. Er selbst hat seine Klasse 1 (heute A) 1995 gemacht.

MOTORRAD: Wie viele Fahrstunden brauchen die Schüler im Schnitt heute für Klasse A2?

Jörg Holzmann: Im Schnitt sind das zwölf Sonderfahrten und 20 Übungsstunden. Wer aber schon einen A1 hat, braucht für den A2 keine Sonderfahrten und nur zirka fünf Übungsstunden, je nach Fahrkönnen.

Foto: jkuenstle.de
Jörg Holzmann ist Inhaber einer Fahrschule in Stuttgart-Wangen.
Jörg Holzmann ist Inhaber einer Fahrschule in Stuttgart-Wangen.

MOTORRAD: Ein ziemliches Programm, zumindest verglichen mit früher.

Jörg Holzmann: Nein, das kann man so nicht sagen. Denn die Anforderungen im Straßenverkehr sind stetig gestiegen, in der praktischen Prüfung genauso. Außerdem haben Fahrschüler früher deutlich mehr Vorerfahrung und Fähigkeiten im Umgang mit motorisierten Fahrzeugen mitgebracht. Zum Beispiel vom Mofa her.

MOTORRAD: Gerade alte Hasen argumentieren gern, dass die vielen Pflichtstunden beim Motorradführerschein doch nur Geldmacherei wären. Ist das nicht so?

Jörg Holzmann: Wer die Unfallzahlen betrachtet, sieht das anders. Ein echtes Problem sind Alleinunfälle auf der Landstraße. Dort passieren die meisten brenzligen Situationen, das weiß ich auch aus Gesprächen mit ehemaligen Fahrschülern. Gründe sind wechselnde Fahrbahnbeläge, zugehende Kurven, die sie falsch einschätzen, Nässe oder auch Hindernisse auf der Fahrbahn und damit verbundene schnelle Kurskorrekturen mit Lenkimpulstechnik. Das hat sehr viel mit Erfahrung zu tun. Eine Fahrschule kann nur die Grundlagen vermitteln. Je mehr, desto besser.

MOTORRAD: Sollen Motorrad-Neulinge auch gleich noch ein Sicherheitstraining machen?

Jörg Holzmann: Ein Sicherheitstraining und danach Perfektionstraining ist mehr als sinnvoll. In der Fahrschule lernst Du eine Vollbremsung aus 50 km/h. Wer macht nach der Fahrschulzeit eine Vollbremsung zu Übungszwecken? Und wer kann sie abrufen, wenn es zwei Jahre später im realen Verkehr zu einer Notsituation kommt? Ich erlebe häufig, dass selbst mit ABS noch viel zu schwach gebremst wird. Ohne wollen wir gar nicht darüber reden. Perfektions- und Kurventraining, Vollbremsungen aus Tempo 50, 70, 100 – machen!

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