Motorradführerschein - Führerscheinklassen, Fahrschule und Kosten

A, A1, A2 und AM

Motorradführerschein A, A1, A2 oder AM? Welchen Führerschein braucht man zum Motorradfahren? Mit welcher Führerscheinklasse darf man welche Zweiräder bewegen? Wie alt muss man für welchen Motorradführerschein jeweils sein? Was ist mit älteren und ganz alten Führerscheinen heute noch erlaubt? Und wie viel kostet ein Motorradführerschein überhaupt? Alles zum Erwerb der Motorradlizenz.

Die Entscheidung ist getroffen! Der Motorradführerschein muss her. Allerdings wissen viele Führerschein-Anwärter nicht, wie die Fahrschul-Ausbildung aussieht, welche Klassen es gibt, ab welchem Alter welche Fahrerlaubnis gemacht werden kann und wie viel ein Motorradführerschein kostet. Wir haben alle wichtigen Aspekte für den Erwerb eines Motorradführerscheins herausgesucht und beantworten in diesem Artikel einige der wichtigsten Fragen zum Thema.

Das Führerscheinrecht unterscheidet Fahrzeuge nicht nach ihrer Rahmenbauart oder ihrem Getriebe. Die Regelungen gelten also unterschiedslos für

  • Krafträder und Kraftroller ("Motorräder", Führerscheinklasse A)
  • Leistungsbeschränkte Krafträder und leistungsbeschränkte Kraftroller ("48-PS-Motorräder", Führerscheinklasse A2)
  • Leichtkrafträder und Leichtkraftroller ("125er", Führerscheinklasse A1)
  • Kleinkrafträder und Kleinkraftroller ("50er", Führerscheinklasse AM)
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Führerschein Klasse A1, "125er-Führerschein"

Das Mindestalter für die Führerscheinklasse A1 beträgt 16 Jahre. Sie umfasst

  • Krafträder (auch mit Beiwagen) bis 125 cm³, 11 kW und maximal 0,1 kW/kg.
  • dreirädrige Kraftfahrzeuge mit symmetrisch angeordneten Rädern über 50 cm³ (bei Verbrennungsmotoren) oder über 45 km/h und bis zu 15 kW
Foto: jkuenstle.de
Optisch müssen sich die neuen 125er-Modelle nicht vor den größeren Geschwistern verstecken.
Optisch müssen sich die neuen 125er-Modelle nicht vor den größeren Geschwistern verstecken.

In den Führerschein Klasse A1 eingeschlossen ist die Klasse AM. Wer seinen Autoführerschein vor dem 1. April 1980 gemacht hat (damals hieß er "Klasse 3"), darf damit ebenfalls Fahrzeuge der Klasse A1 führen. Inhaber der Führerscheinklasse 4 ("80er-Führerschein") dürfen je nach Ausstellungort und -datum ebenfalls Fahrzeuge der Füherscheinklasse A1 führen. Dazu muss der Führerschein in der Deutschen Demokratischen Republik oder vor dem 1. April 1980 in der Bundesrepublik Deutschland ausgestellt worden sein.

Führerschein Klasse A2, "48-PS-Führerschein"

Das Mindestalter für die Führerscheinklasse A2 beträgt 18 Jahre. Sie umfasst

  • Krafträder (auch mit Beiwagen) bis 35 kW,die nicht von einem Kraftrad mit einer Leistung von über 70 kW abgeleitet ("gedrosselt") sind, und maximal 0,2 kW/kg,

In den A2-Führerschein eingeschlossen sind die Klassen A1 und AM. Inhaber der Führerscheinklasse 4 dürfen ebenfalls Fahrzeuge der Klasse A2 führen, wenn der Führerschein vor dem 1. Dezember 1954 bzw. im Saarland vor dem 1. Oktober 1960 ausgestellt wurde.

Foto: Hersteller
Die Auswahl von 48-PS-Motorrädern für A2-Führerschein-Besitzern steigt stetig.
Die Auswahl von 48-PS-Motorrädern für A2-Führerschein-Besitzern steigt stetig.

A2-Führerscheine, die zwischen dem 19. Januar 2013 und dem 27. Dezember 2016 erteilt wurden, gelten auch für gedrosselte Maschinen, deren Ausgangsleistung über 70 kW (95 PS) liegt. Inhabern von A2-Führerscheinen, die unter diesen Bestandsschutz fallen, rät der Industrieverband Motorrad (IVM) jedoch dringend davon ab, mit einem entsprechenden Motorrad ins Ausland zu fahren. Die Bestandsschutz-Regelung gilt nur für das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland.

Wer den Führerschein A1 schon hat, muss für den Erwerb von A2 nur noch eine von 60 auf 40 Minuten verkürzte praktische Fahrprüfung ablegen. Keine Theorie mehr. Auch sind für den Aufstieg keine verbindlichen Sonderfahrten oder Fahrstunden mehr vorgeschrieben. Wer mit 18 einsteigen will, kann direkt die Klasse A2 erwerben, muss (ohne vorherigen A1) dafür eine theoretische Prüfung und 60 Minuten Praxis absolvieren (nach Ausbildung mit mindestens zwölf Fahrstunden aufgeteilt auf drei Sonderfahrten). Weiter in Klasse A geht es dann wie im nächsten Abschnitt beschrieben.

Führerschein Klasse A, "Motorradführerschein"

Das Mindestalter für die Führerscheinklasse A beträgt bei Direkteinstieg 24 Jahre, bei mindestens 2-jährigem Vorbesitz der Klasse A2 20 Jahre. Sie umfasst

  • Krafträder (auch mit Beiwagen) über 50 cm³ oder über 45 km/h
  • ab 21 Jahre: dreirädrige Kraftfahrzeuge mit über 15 kW oder mit symmetrisch angeordneten Rädern und mehr als 50 cm³ (bei Verbrennungsmotoren) oder über 45 km/h

In den Führerschein Klasse A eingeschlossen sind die Klassen A2, A1 und AM.

Foto: Hersteller
Wer Bikes mit knapp 200 PS bewegen möchte, kommt um einen Führerschein der Klasse A nicht herum.
Wer Bikes mit knapp 200 PS bewegen möchte, kommt um einen Führerschein der Klasse A nicht herum.

Dasselbe wie beim Aufstieg von Klasse A1 auf A2 – also 40 Minuten praktische Prüfung, keine Theorie, keine Fahrstunden-Vorschrift – gilt für den weiteren Aufstieg von A2 in die offene Klasse A. Sie ist frühestens zwei Jahre nach Erwerb der Klasse A2 möglich, sprich ab 20 Jahren.  

Der direkte Einstieg (ohne vorherige Klasse A1 oder A2) in die offene Klasse A ist ab 24 Jahren möglich. Für Spätberufene hat das aktuelle Führerscheinrecht folgendes Angebot parat: Wer seinen Autoführerschein (Klasse B, früher 3)vor dem 1.4.1980 erworben hat, kann durch Bestehen einer verkürzten praktischen Fahrprüfung (40 Minuten) den Motorradführerschein der Klasse A2 (35 kW/48 PS, max. 0,2 kW/kg Leergewicht, kein Hub­raumlimit**) machen. Fahrstunden sind hierfür nicht verbindlich vorgeschrieben. Eine gewisse Zahl wird allerdings nötig sein, allein schon, um sich mit den Standard-Prüfsitua­tionen vertraut zu machen.

Führerschein Klasse AM

Das Mindestalter für die Führerscheinklasse AM beträgt 16 Jahre. Sie umfasst

  • zweirädrige Kleinkrafträder (auuch mit Beiwagen) bis 45 km/h ("Mopeds"), einem Verbrennungsmotor bis 50 cm³ oder einem Elektromotor bis 4 kW Nenndauerleistung.
Foto: Hersteller
45 km/h - schneller dürfen Fahrzeuge von Besitzern der Führerscheinklasse AM im Normalfall nicht sein.
45 km/h - schneller dürfen Fahrzeuge von Besitzern der Führerscheinklasse AM im Normalfall nicht sein.
  • dreirädrige Kleinkrafträder bis 45 km/h und einem Fremdzündungsmotor bis 50 cm³, einer maximalen Nutzleistung bis 4 kW (bei anderen Verbrennungsmotoren) oder einer Nenndauerleistung von nicht mehr als 4 kW (bei Elektromotoren)
  • vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge bis 45 km/h und einem Fremdzündungsmotor bis 50 cm³, einer maximalen Nutzleistung bis 4 kW (bei anderen Verbrennungsmotoren) oder einer Nenndauerleistung von nicht mehr als 4 kW (bei Elektromotoren) und bis 350 kg Leermasse (bei Elektrofahrzeugen ohne Batterien)

Aufstieg und Prüfbescheinigung

Wer in einer kleineren Führerscheinklasse einsteigt, erhält nach zwei Jahren leichteren Zugang zur nächsthöheren Klasse. Wer zum Beispiel zunächst zwei Jahre Erfahrung in der Führerscheinklasse A1 sammelt, muss für die Klasse A2 nur noch eine praktische Prüfung ablegen.

Für folgende Kraftfahrzeuge wird keine Fahrerlaubnis, sondern nur eine Prüfbescheinigung von Mofas und von zwei- und dreirädrigen Kraftfahrzeugen bis 25 km/h verlangt:

  • einspurige Fahrräder mit Hilfsmotor bis 25 km/h (Mofas; besondere Sitze für die Mitnahme von Kindern unter sieben Jahren dürfen angebracht sein).
  • Unter die Klasse AM fallende zweirädrige und dreirädrige Kraftfahrzeuge, wenn ihre Bauart Gewähr dafür bietet, dass die Höchstgeschwindigkeit auf ebener Bahn auf höchstens 25 km/h beschränkt ist
  • Mobilitätshilfen im Sinne der Mobilitätshilfenverordnung

Was kostet der Motorradführerschein?

Was der Motorradführerschein heute kostet, lässt sich nicht pauschal sagen. Der Preis eines Führerscheins hängt stark davon ab, wo er gemacht wird. So sind die Fahrschulpreise in süddeutschen Großstädten um ein gutes Drittel höher als etwa in Brandenburg auf dem Land. Bei der Anzahl der nötigen Übungsstunden kommt es aufs Talent des Fahrschülers an.

Diverse Portale nennen in aktuellen Preisbeispielen rund 1.250 Euro inklusive aller Gebühren für Sehtest, Erste-Hilfe-Kurs oder Prüfungsanmeldung für die Klasse A, errechnet auf Basis der Fahrschulpreise in Berlin bei zwölf Übungsstunden. Braucht ein Fahrschüler 20 Stunden (Durchschnittswert), kostet der Schein schon über 1.500 Euro – im billigen Berlin. In Stuttgart oder München sind 2.000 bis 2.500 Euro realistischer.

Die passende Fahrschule finden

Fahrschule ist nicht gleich Fahrschule. Entsprechend ist die Wahl der passenden Fahrschule für den Erwerb des Motorradführerscheins von enormer Bedeutung. Wir haben für euch einige Kritierien, die es bei der Auswahl der Fahrschule zu beachten gilt:

  • Die Fahrschule sollte eine kostenlose Theorie-Schnupperstunde zulassen. Der Fahrschüler kann dabei feststellen, ob ihm der Fahrlehrer passt.
  • Der Theorieunterricht wird von einem qualifizierten Fahrlehrer (und nicht von einer Hilfskraft) gehalten. Zudem sollte der Fahrschüler bei der praktischen Ausbildung von Anfang bis Ende von ein und demselben Fahrlehrer betreut werden (kein Wechsel!).
  • Bei der Fahrschulwahl kann es helfen, die Arbeitsweise eines Fahrlehrers auf den Übungsplätzen zu beobachten.
  • Ein guter Zweiradfahrlehrer fährt auch privat Motorrad. Er verfügt über umfassende Erfahrung, bildet sich ständig weiter und trägt auf dem Zweirad immer vollständige Schutzkleidung.
Foto: JKuenstle.de
Worauf ist bei der Auswahl der passenden Fahrschule zu achten?
Worauf ist bei der Auswahl der passenden Fahrschule zu achten?
  • Eine gute Fahrschule lässt ihre Fahrschüler nicht ohne vollständige Schutzkleidung fahren. Entweder stellt die Fahrschule geeignete Kleidung zur Verfügung, oder der Fahrlehrer berät die Schüler beim Kauf.
  • Die erste Fahrstunde wird auf einem abgesperrten oder zumindest verkehrsarmen Platz abgehalten. Dorthin fährt der Fahrlehrer mit dem Fahrschüler als Beifahrer. Erst auf dem Platz gibt es eine Einweisung und den ersten Kontakt mit dem Motorrad.
  • Erst wenn die Grundfahrübungen beherrscht werden, fährt auch der Fahrlehrer selbst mit einem Motorrad. Zu Beginn sollte er dem Fahrschüler vorausfahren. Zur Vorbereitung auf die praktische Prüfung fährt er ein bis zwei Fahrstunden mit dem Pkw hinterher, um den Fahrschüler an die Prüfungsfahrt zu gewöhnen.
  • Die praktischen Übungen sollten zunächst vom Fahrlehrer vorgefahren werden, dann kommt der Fahrschüler an die Reihe (erst als Sozius – visualisieren + spüren).
  • Die Gesamtzahl der Fahrstunden ist kein Kriterium für eine gute Fahrschule. Die Ausbildung muss den gesetzlichen Vorschriften (laut Ausbildungspass) entsprechen und sollte individuell auf das Können und den Lernfortschritt des Fahrschülers abgestimmt sein.
  • Die Sonderfahrten sollten erst nach abgeschlossener Grundausbildung (laut Ausbildungspass) gehalten werden.
  • Die Motorräder einer guten Fahrschule sind in einem einwandfreien technischen Zustand. Chopper und Supersportler sind im Gegensatz zu Allroundern für eine Zweiradausbildung weniger geeignet.
  • Eine gute Ausbildung macht Spaß! Wenn man sich dabei nicht wohl fühlt, führt diese nicht zum gewünschten Lernerfolg.

Schnellkurse für den Motorradführerschein

Immer mehr Fahrschulen bieten mittlerweile Schnellkurse für den Erwerb des Motorradführerscheins an. Dabei wird innerhalb sehr kurzer Zeit das volle Fahrschul-Programm abgespult. Die Vorteile solcher Kurse liegen auf der Hand. Statt mehrere Monate für die Ausbildung zu investieren, ist man zum Teil bereits innerhalb einer Woche am Ziel.

Zudem bleibt man durch das regelmäßige Fahren in Schwung und muss sich nicht immer wieder auf die Fahrt mit einem Motorrad einstellen. Bei der normalen Ausbildung kann es teilweise zu längeren Pausen während der Fahrstunden kommen, was nicht ideal ist. Dafür müssen die meisten Teilnehmer Urlaub für die Bewältigung eines Schnellkurses nehmen. Preislich unterscheiden sich beide Ausbildungsvarianten nicht großartig voneinander.

Interview J. Holzmann (Inhaber einer Fahrschule)

Jörg Holzmann ist engagierter Motorradfahrer, Kawasaki-Fan und Inhaber einer Fahrschule in Stuttgart-Wangen (www.fs-speed.de). Er selbst hat seine Klasse 1 (heute A) 1995 gemacht.

MOTORRAD: Wie viele Fahrstunden brauchen die Schüler im Schnitt heute für Klasse A2?

Jörg Holzmann: Im Schnitt sind das zwölf Sonderfahrten und 20 Übungsstunden. Wer aber schon einen A1 hat, braucht für den A2 keine Sonderfahrten und nur zirka fünf Übungsstunden, je nach Fahrkönnen.

Foto: jkuenstle.de
Jörg Holzmann ist Inhaber einer Fahrschule in Stuttgart-Wangen.
Jörg Holzmann ist Inhaber einer Fahrschule in Stuttgart-Wangen.

MOTORRAD: Ein ziemliches Programm, zumindest verglichen mit früher.

Jörg Holzmann: Nein, das kann man so nicht sagen. Denn die Anforderungen im Straßenverkehr sind stetig gestiegen, in der praktischen Prüfung genauso. Außerdem haben Fahrschüler früher deutlich mehr Vorerfahrung und Fähigkeiten im Umgang mit motorisierten Fahrzeugen mitgebracht. Zum Beispiel vom Mofa her.

MOTORRAD: Gerade alte Hasen argumentieren gern, dass die vielen Pflichtstunden doch nur Geldmacherei wären. Ist das nicht so?

Jörg Holzmann: Wer die Unfallzahlen betrachtet, sieht das anders. Ein echtes Problem sind Alleinunfälle auf der Landstraße. Dort passieren die meisten brenzligen Situationen, das weiß ich auch aus Gesprächen mit ehemaligen Fahrschülern. Gründe sind wechselnde Fahrbahnbeläge, zugehende Kurven, die sie falsch einschätzen, Nässe oder auch Hindernisse auf der Fahrbahn und damit verbundene schnelle Kurskorrekturen mit Lenkimpulstechnik. Das hat sehr viel mit Erfahrung zu tun. Eine Fahrschule kann nur die Grundlagen vermitteln. Je mehr, desto besser.

MOTORRAD: Sollen Motorrad-Neulinge auch gleich noch ein Sicherheitstraining machen?

Jörg Holzmann: Ein Sicherheitstraining und danach Perfektionstraining ist mehr als sinnvoll. In der Fahrschule lernst Du eine Vollbremsung aus 50 km/h. Wer macht nach der Fahrschulzeit eine Vollbremsung zu Übungszwecken? Und wer kann sie abrufen, wenn es zwei Jahre später im realen Verkehr zu einer Notsituation kommt? Ich erlebe häufig, dass selbst mit ABS noch viel zu schwach gebremst wird. Ohne wollen wir gar nicht darüber reden. Perfektions- und Kurventraining, Vollbremsungen aus Tempo 50, 70, 100 – machen!

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