Motorradführerschein - Führerscheinklassen, Kosten und Fahrschule

Alle Infos rund um den Motorradführerschein

Motorradführerschein A, A1, A2 oder AM? Mit welcher Führerscheinklasse darf man welche Motorräder fahren? Wie alt muss man für welche Klasse sein? Was kostet ein Motorradführerschein? Und wie finde ich die passende Fahrschule? Alle Infos zum Erwerb des Motorradführerscheins.

Die Entscheidung ist getroffen! Der Motorradführerschein muss her. Allerdings wissen viele Führerschein-Anwärter nicht, welche Klassen es gibt, ab welchem Alter welche Fahrerlaubnis gemacht werden kann, was ein Motorradführerschein kostet und wie die Fahrschul-Ausbildung aussieht. MOTORRAD beantwortet alle wichtigen Fragen zum Motorradführerschein.

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Führerscheinklassen des Motorradführerscheins

In die Führerscheinklasse A eingeschlossen sind die Klassen A2, A1 und AM. Wer den „großen“ Motorradführerschein besitzt, darf alle Motorräder und Gespanne ohne Geschwindigkeits- oder Hubraumbegrenzung fahren.

Die Führerscheinklasse A2, der „48-PS-Führerschein“, ist der Motorradführerschein für Krafträder mit oder ohne Beiwagen mit bis zu 35 kW, die nicht von einem Kraftrad mit einer Leistung von über 70 kW abgeleitet ("gedrosselt") sind, und maximal ein Verhältnis von Leistung zu Gewicht von 0,2 kW/kg haben.

Der Führerschein der Klasse A1 umfasst Leichtkrafträder bis 125 cm³ und 11 kW sowie einem maximalen Leistungs-Gewichts-Verhältnis von 0,1 kW/kg.

Die „50er-Klasse“ AM ist der Führerschein für Kleinkrafträder wie Mopeds oder Roller. Darunter fallen zwei- und dreirädrige Kleinkrafträder mit einer bauartbedingten Geschwindigkeit von höchstens 45 km/h und einem maximalen Hubraum von 50 cm³. Auch Fahrräder mit Hilfsmotoren oder vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge gehören dazu, sofern sie aufgrund ihrer Bauart 45 km/h oder 50 cm³ Hubraum nicht überschreiten. Für Elektrofahrzeuge gilt eine Nenndauerleistung von nicht mehr als 4 kW beziehungsweise eine maximale Leermasse von 350 kg ohne Batterie.

Foto: jkuenstle.de
Optisch müssen sich die neuen 125er-Modelle nicht vor den größeren Geschwistern verstecken.
Optisch müssen sich die neuen 125er-Modelle nicht vor den größeren Geschwistern verstecken.

Motorradführerschein und Alter: Wer darf was fahren?

Das Mindestalter für die Führerscheinklasse AM und für die 125er-Klasse A1 beträgt 16 Jahre. Für die Führerscheinklasse A2 muss man mindestens 18 Jahre alt sein. Bei Direkteinstieg beträgt das Mindestalter für die Führerscheinklasse A 24 Jahre. Wer die Klasse A2 mindestens 2 Jahre besitzt, darf ab 20 Jahren auf die Klasse A umsteigen.

Der Einstieg in einer kleineren Führerscheinklasse beinhaltet jeweils die Möglichkeit, nach zwei Jahren leichteren Zugang zur nächsthöheren Klasse zu erlangen. Wer zum Beispiel zunächst zwei Jahre Erfahrung in der Führerscheinklasse A1 sammelt, muss für die Klasse A2 nur noch eine verkürzte praktische Prüfung ablegen.

Wer seinen Autoführerschein vor dem 1. April 1980 gemacht hat, damals Klasse 3, darf auch Fahrzeuge der Klasse A1 führen. Inhaber der Führerscheinklasse 4, "80er-Führerschein", dürfen je nach Ausstellungort und -datum ebenfalls Fahrzeuge der Führerscheinklasse A1 führen. Dazu muss der Führerschein vor dem 1. April 1980 in der Bundesrepublik oder DDR ausgestellt worden sein.

Kosten eines Motorradführerscheins

Die Kosten eines Motorradführerscheins hängen stark davon ab, wo er gemacht wird. So sind die Fahrschulpreise in süddeutschen Großstädten um ein gutes Drittel höher als etwa in Brandenburg auf dem Land. Bei der Anzahl der nötigen Übungsstunden kommt es aufs Talent des Fahrschülers an.

Diverse Portale nennen in aktuellen Preisbeispielen rund 1.250 Euro inklusive aller Gebühren für Sehtest, Erste-Hilfe-Kurs oder Prüfungsanmeldung für die Klasse A, errechnet auf Basis der Fahrschulpreise in Berlin bei zwölf Übungsstunden. Braucht ein Fahrschüler 20 Stunden (Durchschnittswert), kostet der Schein schon über 1.500 Euro – im günstigen Berlin. In Stuttgart oder München sind 2.000 bis 2.500 Euro realistischere Größen für einen Motorradführerschein.

Die passende Fahrschule finden

Fahrschule ist nicht gleich Fahrschule. Entsprechend ist die Wahl der passenden Fahrschule für den Erwerb des Motorradführerscheins von enormer Bedeutung. Wir haben für euch einige Tipps für die Auswahl der passenden Motorradfahrschule:

  • Die Fahrschule sollte eine kostenlose Theorie-Schnupperstunde zulassen. Der Fahrschüler kann dabei feststellen, ob ihm der Fahrlehrer passt.
  • Der Theorieunterricht wird von einem qualifizierten Fahrlehrer und nicht von einer Hilfskraft gehalten. Die praktische Ausbildung erfolgt von Anfang bis Ende bei ein und demselben Fahrlehrer.
  • Ein guter Zweiradfahrlehrer fährt oft auch privat Motorrad.
  • Eine gute Fahrschule lässt ihre Fahrschüler nicht ohne vollständige Schutzkleidung fahren.
  • Die erste Motorradfahrstunde findet auf einem abgesperrten oder zumindest verkehrsarmen Platz statt. Dorthin fährt der Fahrlehrer mit dem Fahrschüler als Beifahrer. Erst auf dem Platz gibt es eine Einweisung und den ersten Kontakt mit dem Motorrad.
  • Erst wenn die Grundfahrübungen beherrscht werden, fährt auch der Fahrlehrer selbst mit einem Motorrad. Zu Beginn sollte er dem Fahrschüler vorausfahren. Zur Vorbereitung auf die praktische Prüfung fährt er ein bis zwei Fahrstunden mit dem Pkw hinterher, um den Fahrschüler an die Prüfungsfahrt zu gewöhnen.
  • Die praktischen Übungen sollten zunächst vom Motorradfahrlehrer vorgefahren werden, dann kommt der Fahrschüler an die Reihe.
  • Die Gesamtzahl der Fahrstunden ist kein Kriterium für eine gute Fahrschule. Die Ausbildung sollte individuell auf das Können und den Lernfortschritt des Motorradfahrschülers abgestimmt sein.
  • Die Sonderfahrten sollten erst nach abgeschlossener Grundausbildung gehalten werden.
  • Die Motorräder einer guten Fahrschule sind in einem einwandfreien technischen Zustand. Allrounder-Maschinen sind am besten für eine Zweiradausbildung geeignet.
  • Eine gute Ausbildung macht Spaß!

Schnellkurse für den Motorradführerschein

Viele Fahrschulen bieten mittlerweile Schnellkurse für den Erwerb des Motorradführerscheins an. Dabei wird innerhalb sehr kurzer Zeit das volle Fahrschul-Programm abgespult. Die Vorteile solcher Crash-Kurse liegen auf der Hand. Statt mehrere Monate in die Ausbildung zu investieren, ist man teilweise bereits innerhalb einer Woche am Ziel Motorradführerschein.

Zudem bleibt man durch das regelmäßige Motorradfahren in Schwung und muss sich nicht immer wieder auf die Fahrt mit einem Motorrad einstellen. Bei der normalen Ausbildung kann es teilweise zu längeren Pausen zwischen den Fahrstunden kommen.

Dafür müssen die meisten Teilnehmer Urlaub für die Bewältigung eines Schnellkurses nehmen. Preislich ist der Schnellkurs zum Motorradführerschein meist etwas teurer als die normale Ausbildungsvariante.

Motorradführerschein: Interview mit Fahrlehrer und Fahrschulinhaber J. Holzmann

Jörg Holzmann ist engagierter Motorradfahrer, Kawasaki-Fan und Inhaber einer Fahrschule in Stuttgart-Wangen (www.fs-speed.de). Er selbst hat seine Klasse 1 (heute A) 1995 gemacht.

MOTORRAD: Wie viele Fahrstunden brauchen die Schüler im Schnitt heute für Klasse A2?

Jörg Holzmann: Im Schnitt sind das zwölf Sonderfahrten und 20 Übungsstunden. Wer aber schon einen A1 hat, braucht für den A2 keine Sonderfahrten und nur zirka fünf Übungsstunden, je nach Fahrkönnen.

Foto: jkuenstle.de
Jörg Holzmann ist Inhaber einer Fahrschule in Stuttgart-Wangen.
Jörg Holzmann ist Inhaber einer Fahrschule in Stuttgart-Wangen.

MOTORRAD: Ein ziemliches Programm, zumindest verglichen mit früher.

Jörg Holzmann: Nein, das kann man so nicht sagen. Denn die Anforderungen im Straßenverkehr sind stetig gestiegen, in der praktischen Prüfung genauso. Außerdem haben Fahrschüler früher deutlich mehr Vorerfahrung und Fähigkeiten im Umgang mit motorisierten Fahrzeugen mitgebracht. Zum Beispiel vom Mofa her.

MOTORRAD: Gerade alte Hasen argumentieren gern, dass die vielen Pflichtstunden beim Motorradführerschein doch nur Geldmacherei wären. Ist das nicht so?

Jörg Holzmann: Wer die Unfallzahlen betrachtet, sieht das anders. Ein echtes Problem sind Alleinunfälle auf der Landstraße. Dort passieren die meisten brenzligen Situationen, das weiß ich auch aus Gesprächen mit ehemaligen Fahrschülern. Gründe sind wechselnde Fahrbahnbeläge, zugehende Kurven, die sie falsch einschätzen, Nässe oder auch Hindernisse auf der Fahrbahn und damit verbundene schnelle Kurskorrekturen mit Lenkimpulstechnik. Das hat sehr viel mit Erfahrung zu tun. Eine Fahrschule kann nur die Grundlagen vermitteln. Je mehr, desto besser.

MOTORRAD: Sollen Motorrad-Neulinge auch gleich noch ein Sicherheitstraining machen?

Jörg Holzmann: Ein Sicherheitstraining und danach Perfektionstraining ist mehr als sinnvoll. In der Fahrschule lernst Du eine Vollbremsung aus 50 km/h. Wer macht nach der Fahrschulzeit eine Vollbremsung zu Übungszwecken? Und wer kann sie abrufen, wenn es zwei Jahre später im realen Verkehr zu einer Notsituation kommt? Ich erlebe häufig, dass selbst mit ABS noch viel zu schwach gebremst wird. Ohne wollen wir gar nicht darüber reden. Perfektions- und Kurventraining, Vollbremsungen aus Tempo 50, 70, 100 – machen!

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