Weltrekordfahrt mit Elektro-Motorrad

1316,88 Kilometer in 24 Stunden

 Wir fuhren die 11 kW-Version, um Strom zu sparen.
Wie weit kann ein elektrisch angetriebenes Serien-Motorrad in 
24 Stunden fahren? Die Zero S schaffte 1316,88 Kilometer. Das ist Rekord!Von links nach rechts: Aydin Riza, Ralf Czaplinski und David Schlosser von Zero, Pirelli-Mann Axel Mertens, MOTORRAD-Mann Michael Pfeiffer, DEKRA-Mann Uwe Burckhardt.Uwe Burckhardt von der DEKRA gibt das Startsignal.Eis kühlt beim Laden die Akkus.
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Wie weit kommt man mit einem Elektromotorrad in 24 Stunden? Zusammen mit Zero und Pirelli hat MOTORRAD das ausprobiert. Wo? Auf dem Hochgeschwindigkeits-Testoval der DEKRA am Lausitzring.

Das Genick schmerzt. Egal, so weit wie möglich runter mit dem Kopf, so wenig Luftwiderstand wie möglich bieten. Nicht um schneller zu fahren, nein, die Zero S ist bei Vollgas auf genau 100 Kilometer pro Stunde eingeregelt. Aber um weniger Energie zu verbrauchen und mit einer Akkuladung vielleicht eine oder zwei Runden mehr zu schaffen. So sollen in 24 Stunden möglichst viele Runden à jeweils knapp sechs Kilometer zusammenkommen, um den bestehenden Weltrekord zu brechen.

Wie weit kann ein elektrisch angetriebenes Serien-Motorrad in 24 Stunden fahren? MOTORRAD probierte es aus. Heraus kam nicht nur eine bemerkenswerte Teamleistung und jede Menge neuer Erkenntnisse, sondern auch ein Weltrekord.

Eispackungen für den Akku

Bei 15 Prozent Rest-Energie wird geladen, bis dahin heißt es Fahren am Anschlag, Instrumente beobachten, bisweilen die Sitzhaltung verändern, der Gasgriff ist festgeklemmt. Mal 106, mal 112 Kilometer werden es in einem Turn. Die zweite Zero  schnürt mit 113 km/h vorbei. Es wird spannend, welches Motorrad mehr Runden schafft in der vorgegebenen Zeit – das schnellere oder das, was hoffentlich weniger Energie braucht und weniger laden muss und somit schneller wieder auf die Piste kann.

Im DEKRA-Test-Oval müssen wir die innerste Spur nehmen, die wir aber auch in den beiden Steilkurven nicht nach innen verlassen dürfen, denn nur diese eine Spur ist mit 5.826,9 Metern Länge für den Weltrekord zertifiziert. Gewertet wird die Anzahl der Runden, nicht die Entfernung auf dem Zähler der Zero – wir dürfen also nicht schummeln durch Abkürzen.

Richtig wichtig ist aber nicht das Fahren, das läuft routiniert. Die Zeit holt man im Elektrobereich durch das Laden. Und hier haben sich die Zero-Leute einiges Ausgedacht: Über eine Wallbox, vier Ladegeräte und einem zusätzlichen mit Schuco-Stecker werden bis zu 110 Ampere Ladestrom eingebracht. So wird der 14,4 Kwh-Akku innerhalb einer Stunde wieder voll. Um ihn nicht zu schädigen wir die Kerntemperatur gemessen und kontrolliert. Zusätzliche Eispackungen helfen, die Zero-Technik funktioniert rein mit Luftkühlung.

Zero S schafft 222 Runden

Das Pfeifen des E-Motors hören die anderen lauter als wir, denn schon bei Tempo 80 rauscht der Wind heftiger im Helm als alles andere. Mit der Zeit ist die schnellere Zero immer früher drin, am Sonntagmorgen sind die beiden Maschinen kaum noch zusammen auf der Strecke. Es ist frisch, morgens gegen sechs Uhr, die Kollegen haben in der Nacht einen Fuchs gesehen, er soll neben Hasen das einzige Tier innerhalb des Testgeländes sein. Das ist gut so, bei der Sitzhaltung ist Reagieren kaum noch drin, eine Kollision wäre unvermeidlich.

Im letzten Turn darf Nico den Akku leer fahren, gebe die letzten paar Minuten Vollgas im Sportmodus, da sind 140 Sachen drin. Fühlt sich richtig schnell an, nach gut 600 Kilometern mit Tempolimit 100. Vielleicht gibt das noch eine Runde mehr, bevor am Sonntag um 13.06 Uhr Schluss ist, genau 24 Stunden nach dem Start.

Am Ende rollt Nico mit drei Prozent Restenergie im Akku aus – über die Ziellinie. David Schlosser von Zero, der in den letzten Runden die schnellere Rekord-Zero ins Ziel bringt, ist schon da. Die langsamere Maschine mit Tempo 100 hat 222 Runden geschafft, das macht 1.293,57 Kilometer, das schneller eingestellte Motorrad mit 113 km/h brachte es auf 226 Runden, das ergibt 1.316,88 Kilometer. Der bisherige Rekord im Guiness-Buch liegt bei 806 Kilometer, inoffiziell schaffte eine Energica dieses Jahr schon 1.260 Kilometer.

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