Beim Wort "Urwald" denkt man sofort an den mächtigen Amazonas. Doch auch in Europa gibt es kleine Schutzgebiete, in denen Wälder fast unberührt geblieben sind. Zwar reichen diese Reservate nicht an die Größe und Ursprünglichkeit der berühmten Regenwälder heran, doch sie beeindrucken mit riesigen, teils jahrhundertealten Bäumen, seltenen Tierarten und außergewöhnlichen Landschaften. Im polnischen Białowieża-Nationalpark etwa streifen die letzten frei lebenden Europäischen Bisons umher, im slowakischen Naturreservat Havešová ragen die höchsten Buchen der Welt empor, und im schwedischen Nationalpark Muddus/Muttos ziehen große Rentierherden durch die Wildnis.
Passende Campingplätze in der Nähe
Diese Orte wirken wie Zeitkapseln: Sie bewahren eine ursprüngliche Wildnis, die in Europa durch jahrhundertelange Forstwirtschaft fast verschwunden ist. Meist gehören sie zum UNESCO-Weltnaturerbe, was menschliche Eingriffe strikt verbietet. Über oft schwer zugängliche Pfade und Wanderwege – meist mit erfahrenen Guides – können Naturfreunde diese geheimnisvollen Wälder erkunden und die Tier- und Pflanzenwelt hautnah erleben. Wir haben einige der letzten Urwälder Europas ausgewählt. Für alle, die es besonders wild mögen, haben wir auch nach passenden Campingplätzen in der Nähe gesucht.
Österreich: Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal

Der Rothwald gilt als letzter Urwaldrest der gesamten Alpenregion.
Den Erhalt dieses Urwald-Rests im Herzen Österreichs verdanken wir dem Bankier Albert von Rothschild, der den "Rothwald" 1875 zum Naturschutzgebiet erklärte. Heute gehört dieser Wald zum Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal und birgt jahrhundertealte Bäume, die bis zu 60 Meter hoch wachsen und verschiedenen Arten angehören. Als letzter Urwaldrest der Alpenregion ist das Gebiet so bedeutend, dass Besuchende es nur im Rahmen geführter Wanderungen betreten dürfen. Neben der Tour "Wälder, die Geschichte erzählen" starten vom Besucherzentrum Lunz am See und vom Parkplatz in Wildalpen zahlreiche Führungen. Sie führen zu Vogel- und Wildtierbeobachtungen, Forschungsprojekten oder einer tausendjährigen Eibe.
Campingplatz-Tipp: Ötscherland Camping Caravaning in Lunz am See
Deutschland: Insel Vilm bei Rügen

Aus den Zeiten als Urlaubsinsel sind auf Vilm noch einige Fereinhäuser zu finden.
Ein Urwald auf einer Ostseeinsel? Den gibt es – auf der nur 94 Hektar kleinen Insel Vilm vor Rügen. Seit 1812 greift hier niemand mehr in den Wald ein, doch einige Bäume stehen schon seit dem 16. Jahrhundert. Klippen, Strände und über 21 uralte Baumarten formen ein Naturschauspiel, das Besucher auf verschiedenen Pfaden entdecken können. Rund 500 Jahre alt ist dieser vielfältige Wald, in dem Füchse, Rehe und zahlreiche Vogelarten leben – einer der ältesten in Deutschland. Zu DDR-Zeiten war die Insel ein exklusiver Urlaubsort für hohe Parteifunktionäre und verschwand aus Sicherheitsgründen zeitweise von offiziellen Karten.
Wegen der einzigartigen, unberührten Natur dürfen Besucher die Insel nur mit einem Guide betreten. Täglich bringen zwei Fähren mit je maximal 30 Plätzen Naturfreunde von Lauterbach zu diesem kaum bekannten Paradies.
Stellplatz-Tipp: Stellplatz Lauterbach
Schweden: Muddus/Muttos Nationalpark

Schluchten, Moore, Wälder, Berge und Wasserfälle: die Landschaft des Muddos Nationalparks ist äußerst divers.
Der Muddos/Muttos-Nationalpark erstreckt sich über rund 500 Quadratkilometer und ist der größte Nationalpark Schwedens. Im hohen Norden gelegen, bietet er Lebensraum für Rentiere, Bären, zahlreiche Vogelarten und das indigene Volk der Samen. Alte Kiefernwälder, teils bis zu 700 Jahre alt, bedecken die eine Hälfte des Parks, während die andere von Seen, Flüssen und bis zu 100 Meter tiefen Schluchten geprägt ist. Zwischen Juli und September lockt die abwechslungsreiche Landschaft Wanderer an. Mit etwas Glück entdeckt man an den uralten Bäumen Wegmarkierungen der Einheimischen, die in dieser Zeit ihre Rentierherden betreuen. Ein besonderes Highlight ist der 42 Meter hohe Muddus-Wasserfall.
Campingplatz-Tipp: Gällivare Camping
Montenegro: Nationalpark Biogradska gora

Das türkisblaue Wasser in den Bergseen Montenegros lädt zum Schwimmen ein.
Unser nächstes Ziel führt uns ins wenig bekannte Montenegro, auf 1.500 Metern Höhe: das Urwaldreservat im Nationalpark Biogradska. In dem 1.600 Hektar großen Gebiet ragen bis zu 40 Meter hohe, jahrhundertealte Bäume in den Himmel. Ausgangspunkt für Wanderungen ist der malerische Biograd-See, an dessen Ufer Restaurants und Wanderhütten traditionelle montenegrinische Gerichte servieren. Wohnmobilreisende können das Land auf vier offiziellen Panoramarouten erkunden. Die "Route 1: Krone von Montenegro" verläuft unter anderem durch den Nationalpark Biogradska.
Campingplatz-Tipp: Camp Scepanovic in Mojkovac oder Camping Biogradsko Jezero direkt am Nationalpark.
Polen: Białowieża National Park

Bisons in Europa? Ja, in Polen gibt es tatsächlich noch über 900 von ihnen.
Polens bekanntester Nationalpark bewahrt seine unberührte Natur, weil er einst als königliches Jagdgebiet diente. Heute wachsen dort mächtige Eichen, und Luchse, Wölfe, Elche sowie Schwarzstörche finden hier Lebensraum. 47 der insgesamt 620 Quadratkilometer stehen unter strengem Schutz. Nur zum Freiräumen der Wanderwege betreten Menschen dieses Gebiet, und Touristen dürfen es ausschließlich auf geführten Touren erkunden, die in lokalen Tourismusbüros buchbar sind. Ein Höhepunkt des Parks ist die Herde von rund 900 europäischen Bisons, die nach fast vollständiger Ausrottung hier wieder eine Heimat gefunden haben. Mit etwas Glück lassen sich einige dieser majestätischen Tiere auf den frei zugänglichen Wanderwegen beobachten.
Mehrere Camping- und Stellplätze direkt in Białowieża.
Tschechien: Kubany Urwald im Böhmerwald

Der Böhmerwald ist beliebtes Ziel für Wanderungen.
Das 666 Hektar große Naturreservat im Süden Tschechiens verdanken wir einem Sturm von 1724, der zahlreiche Bäume entwurzelte und den Wald für die Forstwirtschaft unbrauchbar machte. Heute wachsen dort Fichten, Tannen und Buchen, die bis zu 400 Jahre alt sind – einige der ältesten Europas. Das eingezäunte Reservat lässt sich nur von außen auf einem Naturlehrpfad bestaunen. Gleich daneben erhebt sich der 1362 Meter hohe Boubín. Auf seinem Gipfel steht ein 21 Meter hoher Aussichtsturm, von dem man bei klarem Wetter bis zu den Alpen blickt.
Campingplatz-Tipp: Kemp TJ Vltava in Horní Vltavice
Slowakei: Havešová Naturreservat

Ausblick über die Landschaft des Poloniny Nationalparks.
Dieser kleine Teil des Poloniny-Nationalparks liegt in den Karpaten, ganz im Osten der Slowakei und beherbergt die höchsten Buchen der Welt. Dank der, im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Urwäldern, niedrigen Lage, können hier nämlich auch Laubbäume gedeihen und eine Höhe von fast 60 m erreichen. Das ca. 171 ha große UNESCO-Weltnaturerbe kann auf Wanderwegen und Pfaden erkundet werden.







