Enduro in Südfrankreich

Herbe de Provence

Foto: Eisenschink

Wer den herben Charme der nördlichen Provence entdecken möchte und die winzigen Trails südlich des Alpenkamms, der findet bei einem kleinen, hoch engagierten Enduro-Team nahe Sisteron echte Antworten.

Lachen ist vom Hof zu hören, Geschirrklappern dringt aus der Küche. Ein strahlender Herbstmorgen löst gerade die letzten Nebelfetzen aus der Haute Provence. Der erste schöne Tag seit Wochen, das hartnäckige Tief ist gen Mittelmeer entschwunden. In der Küche dampfen riesige Milchkaffeeschalen auf dem Arbeitstisch, während Uta Baier bereits in vollem Cross-Ornat über dem Einkaufszettel fürs Abendessen grübelt. So, fertig – Lehrling Radek kriegt die Liste, und die Wanderkarten werden aus der Küchenschublade gekramt.

Foto: Eisenschink
Südfrankreich-Enduro-Tour, MOTORRAD 24/2003

Uta Baier, 48, ist nicht nur Hotel- und Küchenchefin, sondern auch Enduro-Guide. Seit 1989 lebt die Ex-Bayerin mit den beiden Freunden Wolfgang und Moritz in diesem rund 400 Jahre alten, aus Ruinen eigenhändig wieder aufgebauten Herrenhaus Fombeton und organisiert von dort die Entdeckung der Hautes Alpes und Haute Provence. Entweder aus der Luft – dank bester Thermik ist die Region ein internationales Segler- und Gleiterdorado – oder per Mountainbike oder Motorrad. In dem urigen 14-Zimmer-Hotel teilen sich denn auch beide Fraktionen einträchtig die Plätze. Während die Flieger online die Wetterkanäle durchsurfen, studieren Uta und Wolfgang die Höhenlinien der IGN-Karten. „Wie wär’s mal wieder mit dem Chabre?“ „Den schönen Höhenweg? Und mittags dann nach Sederon? Genial!“

Enduro in Südfrankreich (2)

Foto: Eisenschink
Südfrankreich-Enduro-Tour, MOTORRAD 24/2003

Der Trip ist schnell geplant, und Monika und ich machen unsere Enduros draußen startklar. Hatte etwas Überwindung gekostet, mit den alten Kisten hier aufzukreuzen. Yamaha XT 350 und Suzuki DR 350 waren technisch zwar echt mal richtig aufregend gewesen und die Suzuki sogar schon zweimal in Afrika – aber State of the Art ist dann doch was anderes. Der erste Blick in die Schrauberwerkstatt des Hauses beruhigt jedoch – neben zwei neuen KTM von Teilzeit-Crewmitglied Andrea Mayer, einem verstaubten Rallye-Unimog sowie einem mit allen Wassern gewaschenen Toyota-Pick-up entdecken wir den eigentlichen Fuhrpark des Hauses: Honda XLR aus den glorreichen 80ern – hier sind wir richtig!

Foto: Eisenschink
Südfrankreich-Enduro-Tour, MOTORRAD 24/2003

Ein paar energische Tritte, und die kleinen Singles ballern fröhlich los. Helm auf und raus geht’s auf die Landstraße Richtung Sisteron, das seine berühmte Zitadelle weithin sichtbar gen Himmel reckt. Drunter in den Gassen brodelt bereits das südfranzösische Morgenleben, die Renaults und Citroëns ötteln vor den Läden und Cafés im Leerlauf, während drinnen der erste Café noir plus Schwätzchen angesagt ist. Schnell tanken, und wenige Kilometer später verschluckt uns die tief ausgeschnittene Schlucht des Méouge.

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