Fünf starke Wochenendtouren

Kurz, aber heftig

Foto: Biebricher

Endlich wieder fahren. Spüren, dass Mensch und Maschine leben. Weil heutzutage krasser Zeitmangel herrscht, hier fünf Empfehlungen für zwei bis drei Tage hochintensiven Motorradgenuss. Diese fünf Routen sind der Wahnsinn.

Wir geben zu: Die fünf Kurztrips sind völlig subjektiv ausgewählt. Man könnte mit Fug und Recht noch 50 andere in Deutschland empfehlen. Doch diese hier haben sich besonders in unsere Herzen geschlichen. Verursachen immer aufs Neue Genuss-Gänsehaut. Und die wollen wir mit Ihnen teilen. Auf dass Sie in Ihrer kostbaren Zeit maximalen Fahrgenuss erleben.

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Fünf starke Wochenendtouren Kurz, aber heftig
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Dabei geht es weniger darum, unseren Routenempfehlungen minutiös zu folgen. Es genügt, in diese fünf Regionen zu fahren und sie zu entdecken. Ihre Reize werden sie auch offenbaren, wenn man eigene Wege findet. Und dass Norddeutschland nicht bedacht ist, tut uns leid. Mit Sicherheit gibt es auch dort passable Motorradstrecken. Aber machen wir uns nichts vor: Der Kick erfolgt erst, wenn sich Kurve an Kurve reiht, es hoch und runter geht, man Aussichten genießen kann. Die Topografie Deutschlands hat sich da ungerecht entwickelt.

Und jetzt los, lassen Sie sich inspirieren!

1. Tour: Tegernsee/Berchtesgaden

Foto: Deleker
Wahnsinnspanoramen: Watzmanngruppe und Hochkalter.

Alpine Traumstrecken

Rock ’n’ Roll auf dynamischen Kurvenstraßen in postkartenidyllischer Natur. Wer will das nicht mal erleben? Also rein in die bayerischen Alpen. Ein intensiveres Fahrerlebnis gibt es nicht.


Zugegeben, diese Runde ist nicht komplett „deutsch“, sondern verläuft auch durch die Tiroler Alpen. Kein Nachteil, denn die 390-Kilometer-Schleife bedeutet dynamisches Kurvenkratzen in genialer Landschaft. Und damit sind wahrhaft überirdische Panoramen gemeint. Hier das Bike durch die Kurven zu scheuchen sorgt für eine ganz besonders intensive Ausschüttung von Glückshormonen. Weil wir in den Alpen sind.

Vom Tegernsee geht es nach Tirol, dann zum Highlight Rossfeldstraße und über Teile der deutschen Alpenstraße wieder retour zum Tegernsee. Gute Fahrbahnbeläge, satter Grip und jede Menge Spaß beim Fahren würzen diese Tour. Wer will, kann im Abschnitt Achental - Steinberg - Brandenberg – Kramsach eine leichte Zehn-Kilometer-Schottersektion einbauen. Wie gesagt: Mehr Motorraderlebnis geht nicht an einem Wochenende.

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Foto: Archiv
Reisedauer: 2 Tage. Gefahrene Strecke: 390 Kilometer.

2. Tour: Schwarzwald

Foto: Schäfer
Achterbahnfahren intensiv.

Touren-Hochburg

Der Schwarzwald ist das größte und höchste Mittelgebirge der Republik. Ein unfassbares Kurvenangebot und alle denkbaren Schräglagenerlebnisse würzen unsere Runde.

Berge wie Schauinsland oder Belchen, der Titisee, der Schluchsee und die engen, verschlungenen Winkelsträßchen des Südschwarzwaldes wirken magnetisch auf Motorradfahrer und sorgen für unvergessliche Wochenend- oder Kurztouren. Ein echter Tipp für Entdeckernaturen ist der Hotzenwald. Seine kurvenreichen Täler sind so zahlreich, dass ein Wochenende nicht für alle lohnenswerten Strecken genügt. Das bedeutet, man kommt wieder in dieses Kurvenparadies.

Wie die reizvollen Felsenschluchten nach Süden hin zum Rheintal abfallen, muss man im Wortsinn „erfahren“. Hier vom ultimativen Fahr- und Naturerlebnis zu sprechen ist keine Übertreibung. Ebensowenig wie die Behauptung, dass derart verwunschene Steilsträßchen sonst nirgendwo in Deutschland zu finden sind. Probieren Sie es aus.

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Foto: Archiv
Reisedauer: 1-2 Tage. Gefahrene Strecke: 326 Kilometer.

3. Tour: Eifel

Foto: Biebricher
Steht auf einem alten Vulkan: Burg Olbrück bei Niederzissen. Überall herrscht Fahrspaß ohne Ende.

Brandheißes Pflaster

Der letzte Vulkanausbruch Deutschlands passierte in der Eifel. Eine Tour entlang der Vulkanstraße durch die Kurven rund um den Nürburgring erhöht Reifentemperatur und Pulsfrequenz.

Noch immer wird in den Steinbrüchen der Eifel Lava abgebaut, die dann als harter Basalt für Häuser und Pflaster Verwendung findet. Die Eifellandschaft begeistert mit rauem Charme, die Straßen mit verführerischen Kurven - dass sie mal geradeaus verlaufen, ist die große Ausnahme. Eine Runde auf der berühmten Nürburgring-Nordschleife (oder gar ein Training) gehört zu den unvergesslichen Motorraderlebnissen in der Eifel.

Genauso wie eine Pause an den Maaren oder in den bekannten Bikercafés. Dann weiter über verschwiegene Ministraßen ohne Verkehr. Geologen erwarten neue Vulkanausbrüche. Ob in ein paar Jahren oder Jahrtausenden, wissen sie nicht. Also bis zum nächsten Ausbruch in diesen kurvigen Hügeln noch so viel Motorrad fahren wie möglich.

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Foto: Archiv
Reisedauer: 1-3 Tage. Gefahrene Strecke: etwa 300 Kilometer.

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4. Tour: Nordhessen

Foto: Schäfer
Macht den Kopf frei: Blick auf Volkmarsen-Külte.

Toskana Nord

Es sind nicht irgendwelche Straßen da oben in Nordhessen. Eher prickelnde Aneinanderreihungen von Asphaltmetern. Jeder eine Perle auf der Kette möglicher Fahrfreude. Einplanen!


Am besten begreift man die fast toskanisch anmutende Hügellandschaft und die Wälder des Waldecker Landes auf dem Motorrad. Wenn man sie in Drehzahlen und Schaltvorgänge gliedert, wenn man erlebt, wie die Federelemente arbeiten auf den kleinen, verkehrsarmen Straßen. Wie die Endorphine prasseln in den Kurven von Leckringhausen nach Ippinghausen oder im sensationellen Asphaltgewürm zwischen Vöhl und Herzhausen. Überall bringt einen das Motorrad hin.

Beschert hier die knisternde Stille und das erdige Aroma des Waldbodens, dort das Barockschloss von Bad Arolsen oder die Fjordlandschaft des Twiste- oder Edersees. Wer sich in die Landschaft wirft Richtung Diemelsee, durch Flechtdorf, Adorf, Heringhausen, Willingen, Usseln, Oberschledorn und Goldhausen, fühlt sich wie ein Surfer auf Hawaii. Das Gleiche gilt für die Strecke Dorfitter - Immighausen - Rhadern - Dalwigksthal oder die Route über Altenlotheim, Frankenau und Bad Wildungen. Genießen Sie diese exquisiten Straßen!

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Foto: Archiv
Reisedauer: 1-3 Tage. Gefahrene Strecke: etwa 700 Kilometer.

5. Tour: Sächsisches Vogtland

Foto: Eisenschink
Bikererldorado Vogtland: Von diesen Kurven kommt man nicht ganz los.

Kurvenparadies im Osten

Geheimtipp sächsisches Vogtland: Schräglagen ohne Ende, wenig Verkehr, grüne Hügel, klare Seen, abenteuerliche DDR-Geschichten und aufrechte Menschen. Nichts wie hin!

Berge, Kurven und kleine Sträßchen ohne Ende. Man ertappt sich beim Jubeln unterm Helm und beim Ausdrehen der Gänge. Das alles hier fühlt sich irgendwie ursprünglich an, vielleicht so ähnlich wie bei der ersten Ausfahrt mit 18. Der Fahrspaß wächst ins Grenzenlose. Egal wo man ist im sächsischen Vogtland, es geht ständig hoch und runter und dauernd scharf ums Eck. Aus diesem Grund macht selbst in der Hauptstadt Plauen Motorradfahren mehr Freude als in anderen Städten.

Von Bad Elster nach Landwüst, von Markneukirchen nach Klingenthal führen winklige Sträßchen durch den sogenannten Musikwinkel des Vogtlandes, wo heute noch Orchester-Instrumente gebaut werden und es auch sonst viel zu sehen gibt. Anhalten oder nicht? Schwierige Entscheidung, weil die Pisten hier süchtig machen. Die Aschberg-Auffahrt zum Beispiel. Könnte man zehnmal hochfräsen. Nein, nicht wegen der genialen Aussicht. Irgendwann aber sollte man einkehren und die Geschichten der Menschen genießen. Von den Kurven im Vogtland kommt man ohnehin nie mehr los.

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Foto: Archiv
Reisedauer: 2-3 Tage. Gefahrene Strecke: etwa 700 Kilometer.

Infos

Foto: Archiv
Wo die Touren gefahren werden, sehen Sie hier in der Übersicht.

Übernachtungstipps, Netztipps, Adressen und Wissenswertes zu den fünf deutschen Erlebnistouren. Mehr Kurven in weniger Zeit geht nicht.

Tour 1 Übernachtungstipps: „Zum Kistlerwirt“ am Tegernsee (www.kistlerwirt.de), Hotel „Neuhäusl“ bei Oberau (www.neuhäusl.de). Strecke: Wer die auch mit Straßenbikes leicht machbare Schotterpassage vermeiden möchte, fährt vom Achental über Jenbach nach Kramsach. Zusatzaktivitäten für Biker: Raften oder Canyoning-Touren (www.asl-strub.de), Klettern (www.wilderkaiser.info). Historie: Zwischen Berchtesgaden und der Rossfeldstraße kommt man immer mit der Geschichte des Obersalzbergs und der nationalsozialistischen Diktatur in Berührung. Empfehlung: Besuch des Dokumentationszentrums Obersalzberg (www.obersalzberg.de). Karten: Michelin 546 (Bayern) und 730 (Österreich), je 7,50 Euro.

Tour 2 Übernachtungstipp: Gasthof „Belchen-Multen“ in Aitern (www.belchen-multen.de). Für Biker gibt es Trockenraum, Tourenvorschläge und Parkplätze. Sehenswert: Schauinsland (www.bergwelt-schauinsland-.de), Belchen (www.belchen-seilbahn.de), Heimatmuseum Hüsli östlich des Schluchsees (Telefon 0 77 48/2 12 oder www.landeskunde-online.de/dir/rothaus.htm). Weitere Infos: www.ruheforscher.de, www.hotzenwald.de. Tipp: Auch mittlerer oder nördlicher Schwarzwald sind Biker-Paradiese. Bikertreff: „Café Bergfreude“, Obermünstertal. Streckensperrung: Sa./So. von Freiburg-Günterstal bis Passhöhe Schauinsland. Karte: Marco Polo 1: 200 000: Vogesen, Elsass, Schwarzwald, MairDumont, 8,50 Euro.

Tour 3 Übernachtungstipps: „Dorint Hotel Daun“ (http://hotel-eifel-daun.dorint.com/de/), „Pronsfelder Hof“, Pronsfeld (www.pronsfelder-hof.de). Auf der 280 Kilometer langen Vulkanstraße finden sich 39 se-henswerte Zeugnisse des Vulkanismus (www.vulkanpark.de, www.lavadome.de, www.geopark-vulkaneifel.de, www.eifel-vulkanmu-seum.de). Motorsportfans sollten zum Ring (www.nuerburgring.de, www.actionteam.de). ADAC-Freizeitkarte Eifel, Bl. 18: Mosel, Hunsrück, 1:100 000, 6,50 Euro.

Tour 4 Übernachtungstipp: „Hotel Goldflair am Rathaus“, Korbach (www.hotel-am-rathaus.de). Sehenswert: Wildpark Edersee, Telefon 0 56 23/43 70. Goldlagerstätte Eisenberg bei Korbach mit Stollenbesichtigung (www.goldspur-eisenberg.de), Barockschloss Bad Arolsen (www.schloss-arolsen.de), Museen in Kassel (www.museum-kassel.de). Kugelsburg bei Volkmarsen, Weidelsburg bei Ippinghausen, Sababurg Hofgeismar. Twistesee, Diemelsee, Edersee. ADAC-Karte Sauerland/Hessisches Bergland, 1:150 000, 7,50 Euro. Touristik: www.-wald ecker-land.de, www.hessen-tourismus.de

Tour 5 Übernachtungstipps in Plauen: Pension „Matsch“ (www.matsch-plauen), „Hotel Theater“ (www.dormero.com), „Hotel Alexandra“ (www.hotel-alexandra-plauen.de). Sehenswert: Jugendstil in Plauen, Syrau mit Drachenhöhle, Instrumentenmuseum Markneukirchen, Klingenthal, Raumfahrt-Mu-seum in Morgenröthe, Göltzschtalbrücke bei Netzschkau (größte Ziegelsteinbrücke der Welt), Burgen Mylau, Schönfels und Voigtsberg, Bikertreff Eibenstock, Grenze Tschechien bei Ebmath, Talsperre Pirk. Karte: Allianz-Freizeitkarte Vogtland, 1:100 000, 6,95 Euro. Literatur: „Das große Buch vom Vogtland“, Chemnitzer Verlag, 19,95 Euro.

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