Wintertreffen in den USA

Imagepflege

Deutschland hat seine Elefantentreffen – in den USA trifft man sich zum »Elephant Ride«: ein Ausflug im Februar in die verschneiten Rockies. Das Daytona-Beach der GS-Fraktion sozusagen.

Vor zwölf Jahren in einer eiskalten Winternacht. Zwei BMW-GS-Fahrer in dicken Thermo-Klamotten treffen in einer Bar im US-Bundesstaat Colorado auf eine Gruppe lederbekleideter Harley-Fans. Man kommt ins Plaudern, ist nett zueinander. Doch schon wenig später wird heftig diskutiert: Welcher Marke gehören eigentlich die härtesten Biker an? Eine ernste Angelegenheit also. Nach einiger Zeit wird es den BMWlern zu dumm. Die vielen Ausreden, warum die Harley-Jungs in dieser Jahreszeit rein zufällig ohne ihre Bikes unterwegs sind, passen einfach nicht zu den coolen Sprüchen und zum Auftreten als harte Burschen. Die GS-Fahrer wollen Beweise sehen. Man verabredet sich zu einer gemeinsamen Ausfahrt am nächsten Wochenende. Über einen verschneiten Pass in den Rockies soll es gehen.An Ort und Stelle dann die Stunde der Wahrheit: sechs BMW-Fahrer, die einem Schneesturm trotzen – und sonst niemand. Das mit den Harleys habe sich bis heute nicht geändert, sagt einer, der keine dieser seitdem jährlich veranstalteten Ausfahrten verpasst hat. Die Jungs würden anscheinend doch lieber am Strand von Daytona ihr hartes Image pflegen.Die wackeren BMW-Treiber haben sich mit den Jahren dagegen immer neuen Herausforderungen gestellt – und das Ganze zum »Elephant Ride« ausgerufen. Nach der obligatorischen Nacht im Zelt nehmen alle angereisten Motorradler traditionell den knapp 3800 Meter hohen Guanella-Pass in die Mangel. Und damit die Sache nicht in Langeweile ausatmet, wird ganz oben noch ein Rennen ausgetragen. Regeln? Keine. Gespanne gegen Solomaschinen, eine Henderson aus dem Jahr 1931 gegen eine moderne R1100 GS, Schneeketten kontra Stollen. Jeder gegen jeden und alles nur zum Spaß. So etwas lässt sich keiner gerne entgehen. Beim letzten Elephant Ride kamen sogar Teilnehmer aus dem 3500 Kilometer entfernten New Jersey sowie 2000 Kilometer weit aus Kalifornien nach Grant in Colorado. Natürlich per Achse. Ehrensache.Leider spielt das Wetter nicht immer mit: Einmal war es so warm, dass sich selbst der Pass nahezu schnee- und eisfrei zeigte. Pech für die rund hundert Teilnehmer. Sozusagen als Wiedergutmachung ließ Petrus in den darauf folgenden Jahren den Winterfans keine Chance – durch die Schneewehen gelangte niemand bis zum höchsten Punkt der Straße. Eine Mordsgaudi war’s trotzdem. Überall steckten Motorräder im Schnee fest oder lagen auf der spiegelglatten Strecke hilflos auf der Seite.Die GS-Treiber sind in der Zwischenzeit allerdings in der Minderheit. Unangefochtenes Wintermotorrad Nummer eins in den USA ist – man glaubt es kaum – Yamahas Virago. Gold-Wing-Fahrer halten sich übrigens genauso fern vom Elephant Ride wie nach wie vor die Harley-Fraktion. Einmal aber gab es so einen Verrückten, der tatsächlich eine BMW K 100 RS durch den Schnee gepflügt hat. Souverän sogar. Und noch heute erzählen Elephant-Ride-Veteranen von einer 50er-Suzuki im Chopper-Look, die bergauf fast allen anderen davongefahren sei. Vermutlich lag’s daran, dass der Fahrer einfach keine Angst vor teuren Sturzschäden hatte. Denn ohne Schiffbruch kommt keiner oben an. Aber andere kommen im Winter nicht mal aus der Garage.

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