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Boxermanufaktur sucht einen Nachfolger

Wer lässt die „Rennkuh“ wieder fliegen?

Michael Welschs BMW-Umbauten haben bisher gut 150 Kunden begeistert. Kein Wunder, denn in seiner Boxermanufaktur machte er den Bayern Beine, schöne und starke. Ende 2019 starb der Rennkuh-Züchter. Jetzt soll ein Nachfolger gefunden werden.

Im November 2019 verunfallte Michael Welsch bei einer Motorradtour auf Sardinien und starb am 1. Dezember im Krankenhaus. Und auch wenn das angesichts des Unfalls makaber klingen mag: Motorräder (und vorher Autos) waren sein Leben. Er wuchs in der elterlichen Kfz-Werkstatt auf. "Michael hat schon als Kind an Autos und Motorrädern gebastelt und alles ausprobiert, in der Theorie – und in der Praxis", sagt seine Familie. "Jeder bestätigt, dass er ein begnadeter Techniker war. Sein Gespür und seine Fähigkeiten könnte man mit dem Satz beschreiben: ´Um besondere Motorräder zu bauen, muss man ein besonderer Mensch sein´", sagt Albert Bartsch, Rennkuh-Kunde der ersten Stunde.

Zunächst optimierte Welsch Autos, vor allem Audi und BMW. Unter "Welsch Spezial" hat er sich in der Szene einen guten Ruf erarbeitet, insbesondere mit den gleichnamigen Alufelgen. 2004 gründete er die Boxermanufaktur – die Geburt der Rennkuh. Er favorisierte BMW GS-Modelle für seine teils sehr umfangreichen, perfekten Umbauten. Die (optionale Retro-)Optik veredelte er mit Liebe zum Detail, auf Wunsch adaptierte er sogar die Rahmen für kleinere Fahrer. Leistungssteigerungen, exklusive Bodis-Titan-Abgasanlagen, Fahrwerks- und Aerodynamikoptimierungen vervollkommneten die Individualisierungsmöglichkeiten. Nicht selten bot er Umbauten und Zubehör schneller (oder überhaupt) an als Wettbewerber oder BMW selbst.

Zudem fertigte er reinrassige, erfolgreiche Racer. "Wenn er nach der Vorbereitung einer Rennkuh auf ein Rennen gefragt wurde, antwortete er, dass er nur das Nummernschild abschraube", erzählt Peter Wahl, ein Motorrad-Blogger und enger Vertrauter Michael Welschs. Immer am Start: Ein professioneller Auftritt und eine stringente Corporate Identity. Rennkuh heißt: Weniger Bling, mehr Bumms!

Und nun? "Wir wünschen uns, dass sich jemand zur Weiterführung der Marke Rennkuh findet. Das Konzept soll als Ganzes erhalten bleiben. Wir wollen keinen Garagenverkauf", sagt die Familie. Das heißt: "Ein Interessent muss BMW-affin sein und soll sich mit der Rennkuh-Philosophie identifizieren können – unabhängig vom Stammsitz in Wörth am Main." Im Angebot sind neben der Marke mit einem gut eingeführten Internetshop auch der Warenbestand (gut 400 Teile), vier Komplettmotorräder (derzeit wegen einer neuen Fahrgestellnummer noch ohne Zulassung), zwei angefangene Projekte und die Werkstattausrüstung mit einem Motorrad-Leistungsprüfstand. Was ebenfalls die Marke stärkt: die von Welsch akribisch geplanten, stets ausgebuchten Kunden-Motorradreisen auf Sardinien.

Mit seinem Tod endet eine Ära. Und eine neue könnte beginnen. Nicht nur retro, sondern als die konsequente Weiterentwicklung einer tollen Basis. Ganz im Geist der Rennkuh.

Weitere Infos auf www.rennkuh.de.

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