Superbike-WM: Doping-Fall HagaDisziplinargericht urteilt in Hockenheim

Genf/CH (abs) – Das Internationale Disziplinargericht der weltweiten Motorradsportbehörde FIM wird am kommenden Freitag im Rahmen des deutschen Superbike-WM-Laufs in Hockenheim über den Fall Noriyuki Haga entscheiden. Der japanische Yamaha-Werksfahrer Haga hatte nach dem WM-Lauf in Kyalami/Südafrika bei der Doping-Kontrolle Urinproben abgegeben, in denen durch zwei verschiedene Labors unzulässig hohe Ephedrin-Konzentrationen gefunden wurden. Ephedrin ist ein Wirkstoff, der aus einer in Europa auch unter den Namen »Mormonentee« und »Schweizer Meerträubel« bekannten Schachtelhalmpflanze gewonnen wird. Ephedrin steht auf der Liste verbotener Doping-Mittel der FIM. Nach der Veröffentlichung der Labor-Ergebnisse hatte die in Kyalami diensthabende FIM-Jury in einer Telefonkonferenz am vergangenen Montag beschlossen, den Fall an das Diszplinargericht zu übergeben. Das Gericht kann Haga nach dem Stand der Dinge vom WM-Lauf in Kyalami disqualifizieren, wodurch er die dort gewonnen 45 WM-Punkte verlieren würde, und ihn für maximal drei Monate sperren. Damit wäre Haga, der die Weltmeisterschaft zu Beginn der Saison angeführt hatte, im Kampf um den Titel ersteinmal weg vom Fenster.

Müssen die Fans auf Noriyuki Hagas spektakuläre Aktionen in der Superbike-WM eine Zeit lang verzichten? Das FIM-Disziplinargericht entscheidet in HockenheimFoto: Kirn
Zwischenzeitlich reagierte Hagas Yamaha-Werksteam auf den Vorfall mit einer Presse-Erklärung. Darin heißt es sinngemäß: »Die Resultate der Analyse der B-Probe, ausgeführt von einem durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) anerkannten Labor in Köln haben ergeben, dass Noriyuki Haga das nachgewiesene Ephedrin durch den Diät-Zusatz 'Ma Huang' aufnahm, den er benutzte. Da Ephedrin in Kräuter-Extrakten, Diät-Zusätzen sowie normalen Augentropfen und Erkältungs-Medikamenten vorkommt, erlaubt das IOC und damit auch die FIM ein Vorkommen von Ephedrin in einer Urinprobe bis zu einer Konzentration von zehn Mikrogramm pro Milliliter. Die Feststellung der tatsächlichen Ephedrin-Konzentration in einer Probe ist ein sehr komplexer Prozess, weshalb das IOC eine Korrektur des Messergebnisses verlangt, um beispielsweise Messfehler zu kompensieren. Bislang wurde keines der veröffentlichten Messresultate dementsprechend korrigiert.« Hagas Proben waren mit 12 und 13,4 mg/ml Ephedrin belastet. Er selbst erklärte, er wäre sich nicht bewusst darüber gewesen, verbotene Substanzen zu sich zu nehmen und hätte keine Ahnung davon gehabt, dass »Ma Huang« Ephedrin enthalte.

Doping-Sünder? Noriyuki Haga wäscht seine Hände in Unschuld: »Ich hatte keine Ahnung...«Foto: Kirn Entweder ist das ein reichlich fadenscheiniger Entschuldigungsversuch, oder der Beweis großer Dummheit, entweder Hagas selbst oder seiner medizinischen Betreuer. »Ma Huang« ist nichts anderes als der chinesische Name der Heilpflanze, aus der seit 1923 Ephedrin gewonnen wird – das Kraut selbst wird von den Chinesen seit 4000 Jahren als Heilmittel benutzt. Unter dem Namen »Ma Huang« bieten auch einschlägige Institute in Deutschland Ephedrin-Präparate an, unter anderem als »Trainingsbooster, der dem Athlet erheblich mehr Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit verleiht.«
Anzeige

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote