Aprilia Shiver 900 im PS-Fahrbericht

A2-taugliches Mittelklassen-Bike

Jetzt kommt die Shiver aus der Versenkung - moderniesiert und mit Hubraum-Upgrade.PS nimmt Erstkontakt zum 900er-Twin beim Alpenglühen auf.Der Hub des dumpf-grummeligen Motors wuchs um elf auf 67,4 Millimeter.9 Bilder

Zuerst sah es so aus, als würde Aprilia den 750er-V2-Motor aufs Abstellgleis schieben. Dann kam die neue Aprilia Shiver 900 aus der Versenkung – modernisiert und mit Hubraum-Upgrade.

Dumpf-grummelig klingt der 90-Grad-V2-Motor, dessen Hub um elf auf 67,4 Millimeter anwuchs. Bei der Spitzenleistung blieb es für die neue Aprilia Shiver 900 bei 95 PS. Genauso viel Pferdchen, wie schon die Shiver 750 vor zehn Jahren versammelte. Dafür liegt das maximale Drehmoment von 90 Newtonmetern beim überarbeiteten Motor bereits früh bei 6.500/min an. Gut für Druck aus den Ecken!

Durch die bewusste Leistungsbeschränkung auf 95 PS kann eine größere Kundschaft bedient werden, denn die Aprilia Shiver 900 ist dadurch auch als A2-taugliches Motorrad zu bekommen. Angesichts des Neupreises von unter 9.000 Euro könnte die Maschine in der Mittelklasse absahnen, sofern die Performance stimmt.

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Erst der lahme Guide, dann der schnelle

Erst mal zuckelt die Journalisten-Meute hinter einem Guide her, der es so gar nicht eilig zu haben scheint. Okay, dann eben zuerst gemütlich. Die Aprilia Shiver 900 geht im Regenmodus, der auf 70 PS beschränkt ist, butterweich ans Gas. Im Touring-Modus liegt die volle Leistung an, und das Ansprechverhalten bleibt weiterhin soft. Im Sport-Programm geht’s einen Tick zackiger zu. So darf das jetzt bleiben! An Bord befindet sich eine abgespeckte Version der APRC-Assistenzsysteme aus den V4-Brennern, die ein abschaltbares ABS sowie eine dreistufige Traktionskontrolle umfasst. Selbstredend ebenfalls deaktivierbar! Aprilia-typisch funktioniert das Hin- und Herschalten der verschiedenen Programme und Assistenzstufen auch während der Fahrt. Ziemlich weich greift die dreistufige Traktionskontrolle ein, doch auch verhältnismäßig früh. Als die Journalisten-Truppe am Nachmittag von einem zackigeren Fremdenführer durch die Bergwelt geleitet wird, schalten wir sie deshalb ab.

Um die Elektronik einbetten zu können, bekam die neue Aprilia Shiver 900 die Marelli 7SM-Motorsteuerung der V4-Modelle spendiert. Das neue Ride-by-Wire- System stammt ebenfalls aus der Tuono beziehungsweise der RSV4. Mechanisch erhielt der Shiver-V2-Motor leichtere Kolben mit neuen Bolzen und reibungsmindernder Beschichtung. Außerdem wurde die Kurbelwelle überarbeitet und neu ausbalanciert.

Bäriges Drehmoment ab minimalistischen Drehzahlen

Und was bringt’s? Nun, als ultraspritziger Sport-Twin mit rasanter Drehfreude darf sich dieser Antrieb nicht rühmen. Der V2 gibt eher den ruhigen Gesellen und liefert dafür bäriges Drehmoment ab minimalistischen Drehzahlen. Soll es sehr sportlich zugehen, lässt sich die Aprilia Shiver 900 dennoch herrlich im zweiten und dritten Gang im Kurvendickicht Südtirols ausquetschen. Erst ganz oben kurz vor dem Begrenzer geht dem Motor die Puste aus. Die Gangwechsel funktionieren mit dem akkuraten Getriebe sauber, die hydraulische Kupplung ist einwandfrei dosierbar. Auf der letzten Rille zu ankern bedarf dafür einer genauen Einschätzung der verbleibenden Bremszone. Die Stopper bauen zwar verlässlich Tempo ab, benötigen aber durchaus einen festen Handgriff.

An der Spitze des Trupps prescht der Fremdenführer auf einer V4-Tuono voraus, die Shiver-Meute folgt tapfer. Auf der verwinkelten Strecke reicht die Spitzenleistung des V2 aus, um dranzubleiben. Doch die Aprilia Shiver 900 will trotz der neuen, leichteren Räder nicht so gierig einlenken. Sie fährt deutlich weitere Bögen als der Guide auf seiner Tuono. Zum Einlenken benötigt die 900er einen klaren Impuls. Dafür liegt das Naked Bike stabil in Schräglage und rührt beim Herausbeschleunigen auch nicht mit dem Heck. Das Fahrwerk (neue Kayaba-Gabel, Zugstufe und Vorspannug genau wie am Federbein einstellbar) ist der Motorleistung voll gewachsen.

Wieselflinkem Handling und messerscharfem Einlenkverhalten steht allerdings die Erstbereifung Dunlop Sportmax Qualifier D 209 im Weg. Die Gummis wirken steif, was sich im Fahrverhalten des Motorrads spürbar niederschlägt. Erstbereifungen im Mittelklasse-Segment stellen für die Hersteller oft einen Kompromiss dar. Meistens sollen sie dem Motorrad in erster Linie eine gute Geradeauslaufstabilität verleihen und müssen günstig sein. Also ein paar flinkere Pneus aufgezogen, und aus der Aprilia Shiver 900 wird ein echtes Multitalent fürs Spaßbürgertum zum vertretbaren Preis!

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