BMW K 1600 Bagger im Test

Wie gut ist der Sechszylinder-Tourer?

BMW K 1600 B.Ist die Scheibe hochgefahren, herrscht nahezu Windstille. So kommt das zarte Krispeln der Trittbretter in schönstem Stereo bestens zur Geltung.Es gibt fast nix, was dieses Cockpit nicht weiß. Bedient wird es über die Schalter im Bild unten.Eine BMW wäre nicht echt, wenn es nicht wenigstens ein polarisierendes Design-Element gäbe. Hier erinnert der gewaltige Lenker an das Symbol des Sternzeichens Waage.
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Sommerzeit ist Baggerseezeit! Ein Ziel, wie geschaffen für einen Ausflug mit der neuen, schwer zeitgeistiger Six-Machine BMW K 1600 Bagger. Und damit es auf jeden Fall etwas zu baggern gibt, haben wir statt der Badehose einen kleinen gelben Bagger eingepackt.

Nein, wir wollen nicht darüber spekulieren, ob der nette, gut gelaunte Herr auf dem Bild Bodo heißt (tut er übrigens nicht) und was er da so treibt, so spät da am Baggerloch. Vielmehr wollen wir klarstellen, dass wir durchaus wissen, dass die ihres Topcases beraubten Supertourer der fest installierten Koffer bzw. Taschen (engl. Bags) wegen auf Neudeutsch eben Bagger heißen. Und so erfüllt sich für den Autor quasi Kraft seines Amtes völlig unerwartet ein kindlicher Traumberuf: Baggerfahrer! Und wirft sogleich eine Frage auf: Was haben die altehrwürdige Tin Lizzie von Ford und die jüngste Variante des baye­rischen Monumental-Sechszylinders gemein? Kleiner Tipp: Es ist weder die angepeilte Zielgruppe noch die zu erwartende Gesamtstückzahl. Vielmehr waren beziehungsweise sind beide Fahrzeuge in jeder beliebigen Farbe zu haben, solange sie nur Schwarz ist. Womit gewissermaßen das dunkelste Kapitel des offiziell BMW K 1600 B genannten Schlachtschiffs benannt ist.

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Jede Menge Ausstattungsvarianten

Das zweitdunkelste ist aus Sicht des potenziellen Baggerfahrers ein Blick auf die Preisliste. Unter 21.900 Euro geht gar nix, und das ist erst der Anfang. Unser Testbike war mit den wahrscheinlich zur Quasi-Serienausstattung gehörenden Comfort-, Safety-, und Tourenpaketen im Gesamtwert von 4.365 Euro bestückt. Hinzu kommen noch Schutzbügel, Trittbretter sowie das intelligente SOS-Paket für nochmals insgesamt 690 Euro. Macht unterm Strich eine Summe von 26.955 Euro. Zuzüglich Nebenkosten, versteht sich. Wiewohl die Zubehörliste noch einige weitere Goodies bereithält, z. B. einen Hauptständer für 140 Euro, tut man sich schwer mit Mangelgefühlen. Nachfolgend ein längst nicht vollständiger Auszug der Ausstattungsliste: Keyless Ride, Schaltassistent rauf und runter, Rückfahrhilfe, Kurvenlicht, Berganfahrhilfe, Zentralverriegelung, Audiosystem sowie ein Navi und vieles mehr sollen den Umgang mit der BMW K 1600 Bagger erleichtern bzw. das Reisen angenehmer machen. Na dann wollen wir mal!

Foto: bilski-fotografie.de
Es gibt fast nix, was dieses Cockpit nicht weiß. Bedient wird es über die Schalter im Bild unten.
Es gibt fast nix, was dieses Cockpit nicht weiß. Bedient wird es über die Schalter im Bild unten.

Angesichts der enormen Abmessungen und der 353 Kilogramm Lebendgewicht geht der Kraftaufwand fürs Rangieren noch in Ordnung. Also die Fuhre in Richtung Horizont gedreht und die ­Kommandozentrale in Augenschein genommen. Die schiere Anzahl der Knöpfe, Schalter und Drücker verliert nach kurzer Eingewöhnung ihren Schrecken. Der Aufbau ist recht logisch gestaltet und intuitiv auch ohne Studium der Anleitung bedienbar. Der wichtigste Knopf freilich ist der rote rechts am Lenker, der nämlich, der die Maschine startet. Mit leichtem Fauchen nimmt der Sechszylinder der BMW K 1600 Bagger seine Arbeit auf und verfällt sogleich in einen stabilen Leerlauf. Der Aufforderung zur Drehzahlerhöhung via Gasgriff kommt er leider nur verzögert nach, was in Kombination mit der sehr leichtgängigen Kupplung ohne rechten Druckpunkt souverän-zügige Ampelstarts ohne peinliche Motoraufheuler zu einer komplexen und daher nur selten erfolgreich lösbaren Aufgabe macht. Jedoch einmal in Fahrt und fix durch die sechs Gänge gesteppt, was übrigens umso lautloser funktioniert, je mehr Last anliegt, fasziniert das bayerische Motorenwerk mit bärenkräftig kultivierter Coolness.

Lediglich 4,7 Liter für 100 Kilometer

Üblicherweise bewegt man sich zwischen 1.400 und 3.000 Umdrehungen, ohne deswegen langsam zu sein. Wenn’s pressiert, streicht die Nadel auch schon mal zart über die Vier, der Schub nimmt deutlich zu, die Tonlage wechselt in Richtung aggressiv. Wer den Reihen-Sechser bis in den Begrenzer bei 8.400/min hetzt, muss es schon verdammt eilig haben, zumal das grundsätzlich gutmütige Fahrwerk dann an seine Grenzen kommt. Leichte, absolut unbedenkliche, aber eben spürbare Rührtendenzen bei hohem Autobahntempo machen klar, warum die Bagger bei 200 km/h, die sie im vierten Gang erreicht, abgeregelt wird. Ergo ist es auch völlig egal, dass die Werksangabe von immerhin 160 PS auf dem Prüfstand deutlich verfehlt wird. Also Gas raus, Scheibe hoch, Tempomat rein und rollen lassen. Bis knapp über 100 km/h lässt sich sogar dem Radio, oder besser noch dem eigenen Soundtrack vom USB-Stick lauschen. Aber eigentlich macht der Motor der BMW K 1600 Bagger die Musik. Und er ist genügsam, die Verbrauchsrunde schaffte er mit lediglich 4,7 Litern für 100 Kilometer.

Gute Figur auf der Landstraße

Eine überraschend gute Figur macht die Bagger auf der Landstraße. Natürlich lässt sich das Gewicht nicht leugnen, und auch ganz enge Straßen sind ihr Metier nicht, aber im Großen und Ganzen fährt sie sich deutlich agiler, als ihre Abmessungen vermuten lassen. Bis irgendwann die zart auf dem Asphalt krispelnden Trittbretter zur Vorsicht mahnen. So lassen wir es dabei bewenden und fahren, nein, nicht zum Baggerloch, sondern mit der besten aller Sozias in Richtung Sonnenuntergang. Die fühlt sich auch bestens untergebracht, für Hot Pants sorgt notfalls die Sitzheizung und für die taghelle Reststrecke nach Sonnenuntergang eine Hightech-Lampe inklusive Kurvenlicht. Unterm Strich ist die BMW K 1600 B eine lässige Erweiterung der K 1600-Familie, die nicht nur optisch und akustisch, sondern auch fahrdynamisch von einigem Unterhaltungswert ist. Insofern lässt sich mit Fug und Recht behaupten: Bagger fahren macht Spaß, egal ob in Schwarz oder Gelb.

Technische Daten BMW K 1600 Bagger

BMW K 1600 Bagger

Motor:

Wassergekühlter Sechszylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Trockensumpfschmierung, Einspritzung, 1 x Ø 52 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 580 W, Batterie 12 V/19 Ah, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung (Anti-Hopping), Sechsganggetriebe, Kardan, Sekundärübersetzung 2,750.

Bohrung x Hub: 72,0 x 67,5 mm
Hubraum: 1549 cm³
Verdichtungsverhältnis: 12,2:1
Nennleistung: 118,0 kW (160 PS) bei 7.750/min
Max. Drehmoment: 175 Nm bei 5.250/min

Fahrwerk:

Brückenrahmen aus Aluminium, Doppellängslenker aus Aluminium, elektronisch verstellbare Federbasis und Dämpfung, Zweigelenk-Einarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, elektronisch verstellbare Federbasis und Dämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 320 mm, Zweikolben-Festsattel, Traktionskontrolle, Integral-Bremssystem, ABS.

Alu-Gussräder: 3.50 x 17; 6.00 x 17
Reifen: 120/70 ZR 17; 190/55 ZR 17
Bereifung im Test: Bridgestone BT 021 „F“

Maße und Gewichte:

Radstand 1.618 mm, Lenkkopfwinkel 62,2 Grad, Nachlauf 106 mm, Federweg vorn/hinten 115/125 mm, Sitzhöhe* 745 mm, Gewicht vollgetankt* 353 kg, Zuladung* 207 kg, Tankinhalt/Reserve 26,5/4,0 Liter.

Garantie: zwei Jahre
Serviceintervalle: alle 10.000 Kilometer
Farben: Schwarz
Preis: 21.900 Euro
Nebenkosten: 390 Euro
Preis Testmotorrad:  26.955 Euro

Messwerte:

Fahrleistung
Höschgeschwindkeit: 200 km/h

Beschleunigung*
0 - 100 km/h: 3,4 sek
0 - 140 km/h: 5,6 sek
0 - 200 km/h: 12,2 sek

Durchzug*
60 - 100 km/h: 4,3 sek
100 - 140 km/h: 4,5 sek
140 - 180 km/h: 5,6 sek

Tachometerabweichung*
Effektiv (Anzeige 50/100)48/98 km/h

Verbrauch:

Landstraße: 4,7 l/100 km
Theoritische Reichweite: 564 Kilometer
Kraftstoffart: Super

Herstellerangaben; *MOTORRAD-Messungen; ¹inkl. Comfort-Paket (1.480 Euro), Safety-Paket (1.000 Euro), Touren-Paket (1.885 Euro), intelligentem Notruf (305 Euro), Motorschutzbügel (200 Euro), Trittbrett (185 Euro)

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