BMW K 1600 GT im Fahrbericht

Modellpflege für den Luxustourer

BMW K 1600 GT.
Fast wie Automatik: Ein Schaltassistent macht Schalten zum ErlebnisSicherheitshalber: erstes Motorrad mit Notrufsystem – unter der SOS-Klappe am LenkerRücksichtshalber: Der Rückwärtsgang des 340-Kilo-Tourers wird über eine biegsame Welle vom E-Starter angetriebenBMW K 1600 GT22 Bilder

Schaut man auf die 1000-Punkte-Wertung, ist die BMW K 1600 GT die beste jemals von MOTORRAD getestete Maschine. Nun erhält der Sechszylinder-Luxustourer etwas Modellpflege– und einen Rückwärtsgang.

Wie schrieb MOTORRAD kurz vor dem Serienstart der BMW K 1600 GT im Jahr 2011? Schminkspiegel und einen peinlichen Rückwärtsgang besitzt der bayerische Tourer nicht. Und jetzt? Schiebt eine imaginäre Hand den Luxusliner rückwärts aus der ansteigenden Parklücke. Peinlich? Wäre es eher gewesen, in solch einer Situation ein paar Passanten um eine schiebende Hand zu bitten. Einer allein hätte kaum ausgereicht. Denn es gilt, was zu bewegen. 343 Kilogramm wog der Luxusliner beim jüngsten Test von MOTORRAD. 60 Kilo mehr als eine R 1200 RT und 90 Kilo mehr als eine wahrlich nicht schmächtige R 1200 GS. Insofern: Der Zweck heiligt die Mittel. Ab dem Modelljahr 2017 wird rückwärts nicht mehr geschoben, sondern gefahren. Elektrisch.

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Rückfahrhilfe passt zur neuen BMW K 1600 GT

„R“-Schalter am linken Lenkerende bei laufendem Motor im Stand drücken, Anlasser-Knopf betätigen – und der E-Starter treibt über eine biegsame Welle das als Rückwärtsgang fungierende Zwischenrad im Getriebe an. Bis zu sieben Prozent Steigung kann der E-Motor das Monstrum im moderaten Trippeltempo den Hang aufwärts und rückwärts bugsieren. Und ganz ehrlich, die – nebenbei bemerkt 910 Euro teure – Rückfahrhilfe passt zum Traumschiff auf zwei Rädern. Sechs Zylinder, 160 PS, nie weniger als 120 Newtonmeter Drehmoment, dazu noch die volle Elektro-Installation mit Dynamic ESA, schräglagenabhängiger Traktionskontrolle, Kurven-ABS, Kurven-Licht und als erstem Motorrad überhaupt mit dem ab dem Jahr 2018 für alle Pkw vorgeschriebenen Notrufsystem eCall (Aufpreis 300 Euro) – mit diesem All-inclusive-Paket räumt die rollende Luxuskabine ab. Bis heute brilliert die BMW K 1600 GT als beste Absolventin des 1000-Punkte-Tests von MOTORRAD.

Butterweich geht der Sechszylinder ans Gas

Ihre einzigen Schwächen: eine relativ harte Gasannahme und ein etwas hakelig zu schaltendes, relativ lautstarkes Getriebe.
Und nun? Haben die Münchner in der Elektrokiste des Sixpacks offensichtlich kräftig aufgeräumt. Butterweich geht der Sechszylinder der BMW K 1600 GT jetzt ans Gas. Es lässt sich förmlich spüren, wie behutsam der Stellmotor die Befehle des E-Gasgriffs umsetzt. Nicht einmal von bewusst grobmotorischem Gasaufreißen lässt er sich provozieren, sondern nimmt ganz dosiert und kontrolliert Fahrt auf. In der Standardsituation – anbremsen, in die Kurve rollen, am Scheitelpunkt wieder das Gas aufziehen – greift die Elektronik sogar subtil ein, hebt in der Rollphase die Drehzahl etwas an, um damit den Übergang vom Schiebe- in den Zugbetrieb zusätzlich zu glätten. Das ist spürbar – und es funktioniert.

Nahezu nahtlos lassen sich die Gänge durchsteppen

Leisten kann sich der Sixpack den gemaßregelten Auftritt allemal. Denn bereits ab Standgas, also gerade mal 1.000 Umdrehungen, schiebt der Sechser mit der Macht seines gigantischen Drehmomentbergs immer noch gewaltig voran, zeigt sich nun noch besser erzogen als bislang. Den auf 153 PS begrenzten, aber vor allem noch sanfter ans Werk gehenden Rain-Modus wird es vor diesem Hintergrund künftig in den allerseltensten Fällen brauchen. Im Gegensatz zum erstmals für den Sechszylinder adaptierten Schaltassistenten. Denn nicht nur für die BMW K 1600 GT gilt: Wer sich an den – bei der BMW immerhin 410 Euro Aufpreis kostenden – Kumpel im Maschinenraum gewöhnt hat, will nicht mehr ohne fahren. Nahezu nahtlos lassen sich die Gänge durchsteppen, vermitteln mit einem kleinen Patscher beim Hochschalten und einem automatischen Gasstoß beim Herunterschalten sogar einen gewissen Erlebniswert. Unverändert bleibt lediglich der mechanisch unkritische, aber hörbare Schaltschlag beim Einlegen des ersten Ganges und die relativ hakig zu betätigende Schaltung.

Trotz des hohen Gewichts erstaunlich schnittig

Davon abgesehen: Geschaltet muss ohnehin kaum werden. Macht- und prachtvoll gleitet das im vollen Ornat bis zu 27.000 Euro teure Flaggschiff über die Straßen, federt mit dem nun serienmäßigen, semiaktiv arbeitenden Dynamic ESA in der obersten Komfortliga, lässt sich trotz 190er-Hinterradreifens, 1.618 Millimeter Radstand und seiner vielen Pfunde erstaunlich schnittig um die Ecken biegen. Nur auf der Bahn würde man sich statt des 70 Millimeter niedrigen Windschilds der „Sport“ die höhere und damit besser vor dem selbst entfachten Sturm schützende Scheibe der Basisversion wünschen. Und: Einen Schminkspiegel besitzt die BMW K 1600 GT immer noch nicht.

Was ist neu an der 2017er BMW K 1600 GT?

Motor

Euro 4-homologiert (Mapping und Katalysatoren geändert, Aktivkohlefilter Tankentlüftung)

Fahrwerk

Dynamic ESA serienmäßig

Sonstiges

Schaltassistent (Aufpreis)
Rückfahrhilfe (Aufpreis)
Instrumente optisch überarbeitet
Verkleidung und Windleitflügel optisch überarbeitet

Technische Daten BMW K 1600 GT

BMW K 1600 GT

Motor

Wassergekühlter Sechszylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Trockensumpfschmierung, Einspritzung, 6 x Ø 52 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 580 W, Batterie 12 V/19 Ah, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung (Anti-Hopping), Sechsganggetriebe, Kardan, Sekundärübersetzung 2,750.
Bohrung x Hub: 72,0 x 67,5 mm
Hubraum: 1649 cm³
Verdichtungsverhältnis: 12,2:1
Nennleistung: 118,0 kW (160 PS) bei 7.750/min
Max. Drehmoment: 175 Nm  bei 5.250/min

Fahrwerk

Brückenrahmen aus Aluminium, Doppellängslenker aus Aluminium, elek­tronisch verstellbare Federbasis und Dämpfung, Zweigelenk-Einarmschwinge aus Aluminium, Zentral­federbein mit Hebelsystem, elektronisch verstellbare Federbasis und Dämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 320 mm, Zweikolben-Festsattel, Traktionskontrolle, Teilintegral-Bremssystem, ABS.
Alu-Gussräder: 3.50 x 17; 6.00 x 17
Reifen: 120/70 ZR 17; 190/55 ZR 17

Maße + Gewichte

Radstand 1618 mm, Lenkkopfwinkel 62,2 Grad, Nachlauf 106 mm, Federweg v/h 115/135 mm, Sitzhöhe 810–830 mm, Leergewicht 319 kg, zulässiges Gesamtgewicht 540 kg, Tankinhalt/Reserve 24,0/4,0 Liter.
Gewährleistung: zwei Jahre
Farben: Rot, Schwarz Blau (Sport-Version)
Preis/Nebenkosten: 22.050/390 Euro

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