Ducati 1299 Panigale R Final Edition im Test

Die letzte V2-Panigale

Nach 14 Superbike-WM-Titeln, der krönende Abschluss dieser glanz-
vollen Ära: die 1299 R Final Edition.Wie die erste Desmoquattro-Duc von 1988 tritt auch die letzte der Ahnenreihe in den italienischen Nationalfarben an.Der Ducati Data Analyzer ist serienmäßig und liefert die Anzeige der momentanen Schräglage aufs Display.Nicht limitiert, aber mit fortlaufender, in die obere Gabelbrücke eingravierter Seriennummer versehen.
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Vier Ventile, Wasserkühlung, Einspritzung. So brachte Ducati sich und den V2 Ende der 80er-Jahre wieder in die sportliche Erfolgsspur zurück. Was folgte, waren 14 Superbike-WM-Titel. Krönender Abschluss dieser glanzvollen Ära: die Ducati 1299 Panigale R Final Edition.

Es schien eine untrennbare Allianz, Ducati-Superbike und V2. Seit Bologna 1988 den Desmoquattro in der 851 Tricolore präsentierte, gehörte das im Rennsport einfach zusammen wie Champagnerdusche und Siegerpodest. Doch nichts ist so beständig wie der Wandel. Also aus, vorbei, Vergangenheit. Nach fast drei Jahrzehnten hat das Leistungswettrüsten den L-Twin an seine Grenzen gebracht. Besonders, was die sinnvolle Größe der Einzelhubräume, die Leistungsausbeute und Fahrbarkeit angeht. Der letzte WM-Titel 2011 liegt zudem lange zurück. Noch mehr Leistung und Fahrbarkeit ist wohl fortan nur mit einem V4 drin. Zeit also für die Ablösung. Aber nicht ohne würdigen Abgang, ohne noch einmal ein mächtiges V2-Leuchtfeuer zu zünden. Und das heißt nach dem sündteuren und limitierten Karbon-Renner Superleggera nun Ducati 1299 Panigale R Final Edition.

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209 PS treffen auf 192 Kilo vollgetankt

Befeuert wird die Ducati 1299 Panigale R Final Edition vom infernalischen Superleggera-Motor (siehe MOTORRAD 12/2017). Das heißt Titan-Pleuel und -Ventile, leichte Kurbelwelle mit Wolfram-Stopfen, Renngetriebe, Zwei-Ring-Kolben. Er muss im Grunde nur auf das Sandguss-Gehäuse verzichten, atmet dafür seine ­heißen Abgase Euro 4-konform über eine Akrapovic-Volltitan-Superbike-Auspuffanlage aus. Das Fahrwerk ist bestückt mit Öhlins-Federelementen, Schmiederädern und einigen netten Karbon-Details. 209 PS (Werksangabe) treffen auf 192 Kilo (MOTORRAD-Messung) vollgetankt. Allerdings ohne Nummernschildträger und Spiegel, unsere Testmaschine war zum Ausritt in Hockenheim ohne angetreten. Knapp 0,92 Kilo pro PS, das ist eine Hausnummer. Und so geht die Final Edition auch ab.

Twin dreht mit einem Affenzahn in die Höhe

Die Ducati 1299 Panigale R Final Edition hängt bissig am Gas, fällt wie angestochen über die Hockenheimer Parabolica her. Der Twin dreht mit einem Affenzahn in die Höhe. Nahtlos und geschmeidig zappt der Schaltautomat einen Gang nach dem anderen rein. Bereits kurz nach der Hälfte des lang gezogenen Linksbogens streicht der Tacho die Segel. Seine Anzeige reicht bis 299, darüber zeigt er nur noch "- - -", trotzdem dreht der Twin im Sechsten weiter. Mit Irrsinns-Speed und 40 Grad Schräglage pfeffert die Duc auf die Spitzkehre zu. Die hochgezogene Bubble-Scheibe der Verkleidung spendet dabei ­effizienten Windschutz.

Ab 5.000/min schnalzt die Final Edition vorwärts

Biss und Dosierbarkeit der Brembo-Anker sind über jeden Zweifel erhaben. Die Öhlins-Gabel stemmt sich vehement dem Abtauchen der Front entgegen. Raus aus der Spitzkehre, ab 5.000/min schnalzt die FE vorwärts, zwischen 8.000 und 9.000/min bricht dann der Leistungsvulkan aus. Eine fein eingreifende Wheelie-Kontrolle sorgt dafür, dass die Ducati 1299 Panigale R Final Edition dabei nicht unentwegt Männchen macht. Zwar bekam die FE nicht die hochgestochene Elektronik der Superleggera mit zwei Sechsachsen-IMUs. Schräglagen-ABS, Evo-Wheelie- und Traktionskontrolle sowie der Ducati Data Analyzer mit GPS und Schräglagenanzeige sind aber mit an Bord.

Aus 851 cm³ und 102 PS wurden 1.299 cm³ und 209 PS

Der Motor ist eine Granate. Überhaupt ist die Entwicklung, die der Desmoquattro seit seiner Geburt genommen hat, atemberaubend. Aus 851 cm³ und 102 PS in der Urversion von 1988 wurden 1.299 cm³ und 209 PS. 50 Prozent mehr Hubraum, aber 100 Prozent mehr Leistung, vom geringeren Gewicht ganz zu schweigen. Noch Fragen? Die Leistungseruption mündet dank der Superbike-Auspuffanlage nicht in exorbitantem Gebrüll. Die Titan-Anlage ist auch optisch eine Wucht. Armdicke Krümmer quellen in schillernden Violett-Tönen aus der Verkleidung hervor und winden sich unter der Sitzbank. Ein Augenschmaus. Auch fahrwerkstechnisch ist die Ducati 1299 Panigale R Final Edition wesentlich dichter an einer Superleggera als an einer 1299 S.

Foto: markus-jahn.com
Wie die erste Desmoquattro-Duc von 1988 tritt auch die letzte der Ahnenreihe in den italienischen Nationalfarben an.
Wie die erste Desmoquattro-Duc von 1988 tritt auch die letzte der Ahnenreihe in den italienischen Nationalfarben an.

Die Öhlins-Federelemente tasten sorgfältig die Fahrbahn ab, ihre straffe Grundabstimmung entspricht im Grunde der Superbike-Basis Panigle R. Wie die Superleggera ist auch die Final Edition ein wenig Diva, wenn sie mit voller Wucht aus den Ecken hinaus beschleunigt wird. Beim Sprint durch die lang gezogene Parabolica lässt sie sich, unsanft angepackt, leicht in Unruhe bringen und beginnt zu pendeln. In Schikanen beim raschen Umlegen harsch angepackt, zuckt sie auch schon mal mit dem Lenker. Kräftig in die Rasten stemmen und Gewicht nach vorne verlagern hilft, das im Keim zu ersticken. Die Druckstufe an Gabel und Federbein relativ weit zu öffnen, beruhigt die Renn-Diva ebenfalls. Eine Standard-Panigale ist da verzeihender. Aber auch bei Weitem nicht so wendig wie die Ducati 1299 Panigale R Final Edition. Das geringe Gewicht, vor allem aber die leichten Schmiederäder verleihen der Signorina ein wesentlich knackigeres, schärferes Handling.

Würdiger Schlusspunkt einer glanzvollen Ära

All das rückt sie noch ein gutes Stück weiter in Richtung Rennmotorrad. Was in letzter Konsequenz nur logisch ist, so schließt sich der Kreis wieder. Denn genau das war die Zielrichtung vor rund 30 Jahren, als Ducati den wassergekühlten Desmoquattro auf die Gegner losließ: Er sollte auf der Rennstrecke eine Macht sein, an der sich die Gegner die Zähne ausbeißen würden. Insofern setzt die Ducati 1299 Panigale R Final Edition ­einen würdigen Schlusspunkt unter die glanzvolle Ära der Ducati-Superbike-Twins, die dem Rennsport über fast drei Jahrzehnte ihren prägenden Stempel aufgedrückt haben. Mag ja sein, dass der ihm nachfolgende V4 vieles wird besser können, aber der harte, trockene Schlag des V2 wird uns fehlen.

Fazit zur Ducati 1299 Panigale R Final Edition

Auch wenn die Panigale 959 im Programm bleibt, die Ära der Superbike-Twins ist zu Ende. Allerdings mit der Ducati 1299 Panigale R Final Edition als beeindruckendem Fanal. Wem entweder das Glück oder das Budget fehlte, eine Superleggera zu ergattern: Hier ist noch mal eine gute Gelegenheit, den V2 in seiner wohl faszinierendsten Ausbaustufe zu bekommen. Mit Straßenzulassung. Sicher, knapp 40.000 Euro sind kein Pappenstiel, aber eine 888 SP IV kostete 1992 auch schon gut 40.000 Mark.

Technische Daten

Ducati 1299 Panigale R Final Edition

Motor:

Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, je zwei obenliegende, zahnriemengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Schlepp- und Kipphebel, desmodromisch betätigt, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, 2 x Ø 68 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 440 W, Batterie 12 V/6 Ah, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung (Anti-Hopping), Sechsganggetriebe, X-Ring-Kette, Sekundärübersetzung 2,600.

Bohrung x Hub: 116,0 x 60,8 mm
Hubraum: 1.285 cm³
Verdichtungsverhältnis: 13,0:1
Nennleistung: 153,6 kW (209 PS) bei 11.000/min
Max. Drehmoment: 142 Nm bei 9.000/min

Fahrwerk:

Monocoque aus Aluminium, Upside-down-Gabel, Gleitrohrdurchmesser, Ø 43 mm, hydraulischer Lenkungsdämpfer, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Einarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 330 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 245 mm, Zweikolben-Festsattel, Traktionskontrolle, ABS.

Alu-Schmiederäder: 3.50 x 17; 6.00 x 17
Reifen: 120/70 ZR 17; 200/55 ZR 17

Maße und Gewichte:

Radstand 1.435 mm, Lenkkopfwinkel 66,0 Grad, Nachlauf 96 mm, Federweg v/h 120/120 mm, Sitzhöhe 830 mm, Leergewicht 168 kg, Gewicht vollgetankt 190 kg, Tankinhalt 17,0 Liter.

Garantie: zwei Jahre

Farben: Rot/Weiß und Grün mit roten Rädern

Preis: 39.900 Euro

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