Ducati Scrambler Café Racer im Fahrbericht

Das 6. Scrambler-Modell

Ducati Scrambler Café RacerDucati Scrambler Café RacerDucati Scrambler Café RacerDucati Scrambler Café Racer20 Bilder

Die Scrambler-Familie hat sich zu der bestverkauften Ducati-Baureihe gemausert. Mit viel Gespür für die eigene Geschichte hat Ducati nun den sechsten Spross, die Ducati Scrambler Café Racer, auf die goldenen Räder gestellt, der eine ähnlich rosige Zukunft bevorstehen könnte.

Moment mal. Scrambler und Café Racer? Wie geht das denn zusammen? Nun, hervorragend, wenn man die Scrambler-Sippe als eine dem Retro-Geist verpflichtete Familie sieht. Da passt dann auch ein Café Racer ganz ausgezeichnet ins Familienalbum. Mit Lenkerstummeln, Höckersitzbank mit hübscher Sozius-Abdeckung und Nummernträger an der Schwinge ist die Metamorphose zum trendigen Café Racer optisch mehr als geglückt. Die schwarz-goldene Lackierung ist eine wunderschöne Reminiszenz an die Darmah und 900 SS aus den späten 70ern und frühen 80ern. Also Platz nehmen auf der adrett gesteppten Sitzbank der Ducati Scrambler Café Racer. Die bietet auch groß gewachsenen Piloten ausreichend Platz.

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V2 mit 73 PS ein alter Bekannter

Die Lenkerstummel sitzen nun gegenüber der hohen Lenkstange der Scrambler 175 mm tiefer und 155 mm weiter vorne. Das klingt zunächst nach einer Menge Holz, bringt aber viel Druck aufs Vorderrad, zumal auch die Sitzhöhe um 15 mm anwuchs (805 statt 790 mm), was den Oberkörper des Fahrers etwas Richtung Lenkerstummel neigt. Gleichzeitig fällt dadurch der Kniewinkel etwas moderater aus. Die Lenkerstummel liegen jedenfalls nicht zu tief. Vor ­allem aber beging Ducati im Gegensatz zu manch anderen Herstellern oder Customizern nicht den Fehler, den Fahrer durch weit vorne montierte Stummel mit ausgestreckten ­Armen über den Tank zu spannen. Kurz: Die Sitzposition auf der Ducati Scrambler Café Racer passt. Der 73 PS starke V2 ist ein alter Bekannter und eins zu eins aus den Scrambler-Geschwistern übernommen. Er startet spontan und blubbert sonor und zufrieden im Leerlauf vor sich hin.

Video zur Ducati Scrambler Café Racer

Ducati hat in Bologna die neue Ducati Scrambler Café Racer präsentiert.

Federelemente neu abgestimmt

Auf den ersten Kilometern zwischen den Vororten von Bologna zeigt er sich gleich mal von seiner angenehmen Seite. Leichtgängige Kupplung, sauber agierendes Getriebe, geschmeidig und frei von lästigen Vibrationen hält er bis 4.000/min bereits ausreichend Leistung parat, um zügig die urbanen Verbindungsetappen zu überwinden. Vor uns liegen die Hügel rund um Bologna, die schier endlose Kurvenfolgen bereithalten. Fahrwerkstechnisch vertraut Ducati auf Rahmen und Schwinge aus den Scrambler-Modellen. Neu abgestimmt sind bei der Ducati Scrambler Café Racer die Federelemente, die mit üppigen 150 mm ebenso viel Federweg bereithalten wie in den anderen Scramblern. Neu ist auch das filigrane Vorderrad, das nun 17 Zoll misst und damit einen für Straßenmaschinen standesgemäßen 120/70er trägt. Dazu wie bisher eine Radialbremszange, die nun aber von einer Radialbremspumpe aktiviert wird und in eine einzelne, mächtige 330er-Scheibe beißt – ganz wie es sich für einen Sportsmann gehört.

Ohne großen Kraftaufwand durch die Kurven

Zunächst ist lockeres Einschwingen angesagt. Die Ducati Scrambler Café Racer folgt willig den Lenkbefehlen, lenkt nicht vollständig neutral, lässt sich aber ohne großen Kraftaufwand durch die Kurven dirigieren. Das geht easy, wenngleich nicht ganz so heißblütig wie man es angesichts der scharfen, Kurvengierigkeit verheißenden Lenkgeometrie mit 68 Grad Lenkkopfwinkel, knappen 94 mm Nachlauf und neun Millimeter kürzerem Radstand als bei den übrigen Scramblern annehmen könnte. Auf den weit geschwungenen Sträßchen fügt sie sich nichtsdestotrotz geschmeidig den Lenkbefehlen, die sie über die breiten Stummel bekommt. Die Gabel erhielt für ihren Einsatzzweck neue, längere Stand­rohre. Die Abstimmung der Federelemente liegt auf der recht komfortablen Seite. Kleine Runzeln und Asphaltnarben bügeln sie sorgfältig weg.

Motor reißt keine Bäume aus

Der wohltönende V2 geht butterweich ans Gas, da zerhackt kein ruppiger Lastwechselruck in Serpentinen die Linie. Dazu liefert er gleichmäßig und berechenbar seine Leistung ab. Bäume reißt er mit seinen 73 PS naturgemäß keine aus, und wenn es flott vorangehen soll, will er gezwirbelt werden. Das macht er dann aber, ohne zu mucken, und dreht ab 6.000/min fröhlich in die Höhe. Dabei ändert sich seine Tonlage von satt-grummeligem Bollern in ein kerniges, aber nie aufdringliches Hämmern. Und im Schiebebetrieb rotzelt der Twin auch mal frech aus den beiden Endrohren. Prolliges Getöse verkneift er sich aber. Sein dezent-satter Klangteppich lässt sich sozial verträglich genießen. Das macht Laune, und weil die Pirelli Diablo Rosso II so schön kleben, winkelt man die Ducati Scrambler Café Racer in den enger werden Kurven immer frecher ab. Und schrappt rasch mit den Stiefelspitzen über den Boden. Also hurtig die Füße einziehen, wenn es schräger und zünftiger ums Eck gehen soll, auch wenn dann die Sozius-Ausleger die Hacken etwas auseinanderspreizen. Die Einscheiben-Bremse im Vorderrad agierte anfangs – da noch nicht vollständig eingefahren – etwas stumpf, legte aber mit zunehmender Fahrtzeit an Wirkung zu. Zeigte sich fortan mit sanftem Ansprechen gefolgt von kräftiger, gut dosierbarer Verzögerung stets als Herr der Lage.

Laufen lassen lautet die Devise

Ganz so trittsicher agiert das Fahrwerk bei zunehmendem Tempo dagegen nicht. Kommen zum zackigen Kurvenräubern noch Bodenwellen hinzu, reagiert die Ducati Scrambler Café Racer mit geringem Aufstellmoment. Vielleicht ist die steile Lenkgeometrie doch etwas übers Ziel hinausgeschossen. Und keine Frage, so ein 180er-Hinterreifen sieht vor der Eisdiele wichtig aus. Ob er bei 73 PS wirklich nötig ist, sei aber dahingestellt. Möglicherweise wäre ein 160er auch in Sachen Neutralität die bessere Wahl gewesen. Scharfes Tempo, spät auf der Bremse, zackig von einer Schräglage in die nächste gerissen, vielleicht gar auf zweitklassigem Asphalt, dafür gibt es geeignetere Untersätze. Wer die Duc so rannimmt, sitzt im falschen Sattel. Ein Café Racer ist schließlich keine GP-Rakete. Also laufen lassen. Rund und mit Schwung und nicht mit dem Messer zwischen den Zähnen fahren. Dann folgt die Café Racer brav dem eingeschlagenen Kurs. Dann zieht sie sauber ihre Bahn und streichelt mit beruhigendem Sound und betörendem Look die Seele, geht einfach unter die Haut. Genau das ist es, was sie wirklich draufhat. Wenngleich sie vielleicht noch ein etwas liebevolleres Cockpit als das mäßig ablesbare, wenig informative Rundinstrument verdient hätte.

10.990 Euro etwas zu viel?

Generell liegt die Ausstattung eher auf der sparsamen Seite. Gut, Traktionskon­trolle und unterschiedliche Fahrmodi vermisst man angesichts der gut beherrschbaren Leistung nicht wirklich. Doch über viele Informationen schweigt sich das Kombiinstrument schlicht aus, die Federelemente sind eher von der schlichten Sorte, der Kupplungshebel nicht einstellbar. Und LEDs leuchten nur für Rück- und Tagfahrlicht. Da hätte man angesichts des stolzen Preises von 10.990 Euro etwas mehr erwarten können. Aber was ist das schon angesichts des hinreißenden optischen Auftritts und ihres entspannten, sonnigen Wesens? Für einen unterhaltsamen Tag im Sattel, den genüsslichen Ausritt abends über die Hausstrecke, bei dem Feeling und Auge gleichermaßen auf ihre Kosten kommen, ist die Ducati Scrambler Café Racer ­genau die Richtige.

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