Fahrbericht

Aprilia Pegaso 650

Bislang blieb den Italienern der durchschlagende Erfolg mit ihrer Enduro versagt. Mit der nunmehr dritten Generation der Aprilia Pegaso 650 soll das anders werden.

Es muß Aprilia schon mächtig gewurmt haben. Da wird in den eigenen Produktionshallen für die F 650 eine Sonderschicht nach der anderen gefahren, während für das hauseigene Produkt, die Pegaso 650, die Fließbänder nur halbe Kraft voraus laufen. An der Qualität konnte es nicht liegen. Die stimmte bei den Italienern von Anfang an. Und der Rotax-Motor, in der Pegaso mit einem Fünfventil-Zylinderkopf ausgestattet, gehört von jeher zu den kraftvollsten in der Single-Szene. Außerdem verlangte Aprilia rund 1500 Mark weniger als die Konkurrenz jenseits des Alpenhauptkamms für ihre Funduro.Kritik erntete das letzte Modell aber wegen seiner Sitzhöhe, die Otto Normalfahrer nicht taugte, und geringerem Sitzkomfort als bei der F 650. Eine zu weiche Telegabel, dafür um so härtere Hinterradfederung steigerten ebenfalls nicht die Reiselust. Ebensowenig der viel zu kleine 14-Liter-Tank. Mit der 1997er Version könnte sich das Blatt wenden. Denn nicht nur das Outfit wandelte sich deutlich. In nunmehr angenehm niedriger Sitzhöhe - 25 Millimeter weniger als beim Vorgängermodell - nimmt der Fahrer hinter der gefälligen Verkleidung und der getönten Plexiglasscheibe auf einer wohlgeformten, bequem breitflächigen Sitzbank Platz. Dem im Knieschluß schmalen Tank traut man gar nicht zu, bis zu 22 Liter Benzin bunkern zu können. Das Gewicht des vollen Tanks und der weiter vorverlegte Lenker machen die Pegaso allerdings kopflastiger, auf den winkeligen Sträßchen südlich Roms, wo MOTORRAD die Pegaso erstmals fahren konnte, war sie jedoch noch immer leicht und zielgenau lenkbar. Neugeformte Aluminiumprofile für den geschraubten Rahmen ziehen den Radstand um ganze 15 Millimeter in die Länge und wirken stabilisierend auf den Geradeauslauf, mit dem die Pegaso bis zu ihrer Höchstgeschwindigkeit - Tacho 160 km/h - keine Probleme hat.Wellige und von Flickenteppichen übersäte Straßen sind von je das Metier üppiger Federwege. Da macht die jetzt komfortabel abgestimmte Pegaso keine Ausnahme. Ihre Upside-down-Gabel spricht sensibel an und steckt selbst tiefe Löcher klaglos weg, die Hinterradfederung konnte durch ihr weiches Ansprechverhalten ebenfalls bei allen Testbikes gefallen.Weniger die Vorderradbremse. Trotz modifizierten Handhebels stellte sich bei der einen oder anderen Testmaschine das teigige Gefühl beim starken Verzögern - begleitet vom tiefen Abtauchen und leichten Verdrehen der Gabel - noch immer ein. Vorübergehend auf 39 PS reduziert, ist der Rotax-Single für 1997 endlich wieder im Vollbesitz seiner Kräfte. Geänderte Nockenwellen und eine neu abgestimmte Edelstahlauspuffanlage geben dem Triebwerk seinen bekannt kraftvollen Antritt und die Drehfreude bei nunmehr gesetzestreuen Geräusch- und Emissionswerten zurück. Satte 49 PS soll die Pegaso wieder leisten.Das Peitschen der Kette unter 3000 Touren ist bei dem weich einsetzenden Fünfventiler nicht so ausgeprägt wie beim Vierventiler der F 650. Überein stimmen dagegen jetzt die Motorengehäuse der beiden Kontrahentinnen überein. Die Kooperation mit BMW beschert der neuen Pegaso das gleiche verstärkte Motorgehäuse und die gleit- statt wälzgelagerte Kurbelwelle. Das hilft, die einzylindertypischen Vibrationen in Grenzen zu halten.Wie ernst es Aprilia meint, auch künftig am Erfolg der Bayern gemessen zu werden, beweist die Liebe zum Detail. Ein Adapter am Rahmen zur Befestigung eines stabilen Ringschlosses gehört zur Grundausstattung der gerade mal 10 990 Mark teuren Pegaso.Hauptständer und Boge-Federbein mit per Handrad hydraulisch verstellbarer Federbasis gibt es gegen Aufpreis.
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