Raisch-Triumph Thruxton 1200 R im Fahrbericht

Nachgeschärftes Retro-Bike

Je länger die Beschleungigung desto klarer tritt das Raisch Modell hervor. 0-140 km/h: 6,0 statt 6,2 Sekunden. 0-200 km/h: 14,4 stat 15,3 Sekunden.
Schade! Die Triumph Thruxton 1200 R mit Raisch-Kit ist leider nicht eintragungsfähig.Dezent vergrößerter Lufteinlass samt Sportluftfilter.Auf dass die Zeiger diese Stellung auch „in echt“ erreichen.Cleane Optik dank superkleiner Heckleuchten.
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Der eigentliche Wortsinn des englischen Verbs to tune bedeutet so viel wie einstellen, abstimmen, anpassen. Leistungssteigerung war ursprünglich nicht vorgesehen. Sie stört aber auch nicht, wie diese besonders fein eingestellte Raisch-Triumph Thruxton 1200 R beweist.

Die Mannen von Classicbike Raisch (www.classicbike-raisch.de) aus dem nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück sind keine Unbekannten in der Retro- und Customszene. Der Schwerpunkt ihres Schaffens lag bisher auf luftgekühlten Triumph-Twins der Neuzeit, aber auch an eine BMW R nineT haben sie schon Hand angelegt. Der jüngste Streich ist eine aktuelle Triumph Thruxton 1200 R. Der wohlproportionierte Retro-Klassiker sieht schon im Originalzustand absolut hinreißend aus, und mit der serienmäßigen Power von 97 PS und 112 Nm kommt auch auf zügigen Landstraßenritten kaum das Gefühl von Leistungsmangel auf. Einerseits. Andererseits spricht ebendiese Leistung aus 1.200 cm³ nicht gerade für ein ausgereiztes Triebwerk, und auch optisch ist das eine oder andere Anbauteil sichtlich den Befindlichkeiten der Großserie geschuldet. Da geht bestimmt noch was, hier wie da, sagten sie sich wohl in Rheda-Wiedenbrück und machten sich ans Werk. Und siehe da, es ging noch was. Hier wie da.

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Gepimpt wirkt die Thruxton R deutlich drahtiger

So, wie das hier gezeigte Bike dasteht, würde es für 22.000 Euro vom Hof gehen, wobei die optischen Änderungen den Löwenanteil ausmachen. Hier das Wichtigste in Kürze: tiefere Lenkerstummel samt Rizoma-Griffen 687 Euro, Heckumbau samt Rücklichtern 417 Euro, geänderte Sitzbank 380 Euro, Wilbers-Federbeine hinten 1.399 Euro, schwarze Beschichtung von Gabelrohren, Felgen, Naben, Gabelbrücken und Schwinge 1.060 Euro sowie den vorderen Kotflügel für 190 Euro und den kleinen, aber ziemlich unbrauchbaren Rückspiegel für 129 Euro. Und da die Teile nicht von ­allein ans Motorrad kommen, sind noch rund 1.000 Euro Lohn für die Montage fällig. Derart gepimpt wirkt die Triumph Thruxton 1200 R deutlich drahtiger und degradiert das Original nachgerade zum Pummelchen.

Foto: factstudio.de
Kostenpunkt: ca. 22.000 Euro. Die Serien-Thruxton gibts ab 12.800 Euro.
Kostenpunkt: ca. 22.000 Euro. Die Serien-Thruxton gibts ab 12.800 Euro.

Aber wie so oft im Leben sieht man das Beste nicht. Hier kann man es aber deutlich spüren. Der vorderen Bremse wurde mit beschichteten Bremskolben (320 Euro) sowie Lucas SRQ-Belägen auf die Sprünge geholfen. Ergebnis: transparenter und wesentlich bissiger als das Original. Und hören. Denn in dieser Thruxton steckt die derzeit größte Ausbaustufe des hauseigenen Powerkits, Stage 4 genannt. Dieser kostet 1.609 Euro (plus 311 Euro Einbau und Abstimmung) und beinhaltet Luftfilterdeckel mit vergrößertem Einlass, Sportluftfilter, Power-Commander, eine selbst entwickelte Nockenwelle sowie ein X-Pipe genanntes Rohrgewürm, welches den Kat ersetzt. Bis auf die Nockenwelle bleibt der Motor mechanisch unangetastet. Mit verblüffendem Ergebnis. Wie die Prüfstandskurven zeigen, liegt die Raisch-Triumph Thruxton 1200 R ab Leerlaufdrehzahl bis zum Begrenzer ziemlich deutlich über dem Serienexemplar. Die propagierte Drehzahlerhöhung um 300/min indes wollte sich nicht einstellen. Was aber auch egal ist, denn trotz Tuning bleibt der Twin ein Drehmoment-Motor, wenngleich er deutlich freier und lebendiger hochdreht. In der Spitze leistet die Raisch gemessene 13 PS und 19 Nm mehr. Das wirkt sich natürlich auf die Fahrdynamik aus.

Raisch-Kit leider nicht eintragungsfähig

Nachfolgend die Werte 0–100, 0–140, 0–200 km/h, jeweils Serie/Tuning 3,5 zu 3,7, 6,2 zu 6,0, 15,3 zu 14,4 sek. Richtig gelesen, die Serie ist bis 100 km/h zwei Zehntel schneller. Was daran liegt, dass bei der Tuning-Triumph Thruxton 1200 R das Vorderrad nur schwer am Boden zu halten ist, das kostet Zeit. Deutlicher wird der Unterschied beim Durchzug. Von 50 auf 100 und weiter auf 150 km/h braucht die Serie jeweils genau 5,0 sek, die Raisch nur 4,5. Eine halbe Sekunde hört sich nach wenig an, sind aber aus der Sicht der Serie satte 10 Prozent.

Auf der Straße sieht es so aus: Setzt man vereinfachend die Beschleunigung als linear voraus, so braucht die Serie rechnerisch von 50 auf 100 km/h gute 104 Meter, die Raisch-Triumph Thruxton 1200 R schafft es rund zehn Meter früher. Von 100 auf 150 km/h sind es knapp 174 zu 158 Meter. Heißt im Klartext, die Raisch fährt schlicht und ergreifend davon. Da gönnt man ihr doch gerne den Krug mehr, der bei einer gemeinsamen Verbrauchsfahrt ermittelt wurde (5,2 zu 4,7 Liter). Doch keine Rose ohne Dornen: Zum einen ist der Raisch-Kit nicht eintragungsfähig, zum anderen wird’s schon recht laut, wenn die Leistung abgerufen wird. Maßvoll bewegt zieht sie einen souveränen, basslastigen Klangteppich hinter sich her. Dennoch: Fein gemacht, Männer!

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