Suzuki Katana im Fahrbericht

Retro im Look, sportlich im Anspruch

Jetzt konnten wird das auf Retro gestylte Nakedbike auf Basis der Suzuki GSX-S 1000 in Japan endlich fahren.
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Lange ließ uns Suzuki auf die neue Katana warten. Jetzt konnten wird das auf Retro gestylte Naked Bike auf Basis der Suzuki GSX-S 1000 in Japan endlich fahren.

Während sich die anderen Hersteller auf der Retro-Welle in die 1960er und 70er spülen lassen, zitiert Suzuki mit ihrem neusten Modell den Beginn der 1980er. Damals, genau zu Beginn des Jahrzehntes, stellten sie die Katana erstmals vor. Ein wild aussehendes Ding mit absolut sportlicher Attitüde. Die 1100er-Version davon avancierte dann bis zum völligen Aus der Baureihe um die Jahrtausendwende zu dem Kult-Bike von Suzuki. Was liegt also näher, als diesen Kult nun zu zitieren?

Gasannahme entschlossen, aber nicht abrupt

Gesehen haben wir alle das Ergebnis bereits auf der INTERMOT 2018, aber jetzt konnten wir die neue Suzuki Katana endlich fahren. Dazu sind wir extra nach Japan geflogen. Suzuki hat dafür eine sehr engagierte Berg-und-Talbahn im Nationalpark bei Kyoto sperren lassen und wir ließen den 1000er-Vierzylinder mit der eigenwilligen Verkleidung ordentlich fliegen.

Foto: Suzuki
Die neue Katana basiert auf der GSX-S 1000.
Die neue Katana basiert auf der GSX-S 1000.

Natürlich handelt es sich nicht um ein komplett neues Motorrad. Basis bildet nämlich die GSX-S 1000, in der der überarbeitete Motor des legendären Superbikes (Modellbezeichnung „K5“) aus 2005 arbeitet. Auch den Rahmen teilen sich Suzuki Katana und GSX-S. Allerdings haben sich die Motoren-Ingenieure für die Katana der von uns immer wieder kritisierten harten Gasannahme der GSX-S angenommen. Dazu wurde der Gasgriff bzw. der Verlauf der Gaszüge verändert. Und tatsächlich: Die Katana geht zwar entschlossen, aber eben nicht ganz so abrupt ans Werk, was besonders auf winkligen Strecken für deutlich mehr Fahrspaß sorgt. Zwar ist ein Zucken nach wie vor zu spüren, aber das ist leicht verschmerzbar – Nörgeln auf hohem Niveau also!

Motor, Fahrwerk, Traktionskontrolle

Für Fahrspaß sorgt der Motor mal grundsätzlich. Sein Durchzug, der harmonische Leistungsverlauf, ja selbst der Sound mit dem kernigen Ansauggeräusch machen Freude. Mag man der GSX-S noch vorwerfen, dass vergleichbare Modelle anderer Hersteller bereits mächtige 180 PS und mehr aus exakt 999 Kubik schöpfen, während es der Suzuki-Vierer „nur“ bei 150 PS belässt. Geschenkt! Die Katana kann mit dieser Leistung locker leben, da sind die anderen Retro-Zitate – außer die Honda CB 1000 R vielleicht – weit davon entfernt.

Foto: Suzuki
Übersichtlich: das neue Display der Katana.
Übersichtlich: das neue Display der Katana.

Überhaupt ist die Sportlichkeit das große Credo der Katana. Das neu überarbeitete Fahrwerk mit der voll einstellbaren 43-mm-Gabel und dem Federbein (Vorspannung und Zugstufe einstellbar) sind recht straff, ohne den Komfort zu stark zu vernachlässigen. Auf den teils riffligen Abschnitten unserer Testpiste sprachen die Dämpfer akzeptabel an, sorgten aber besonders in den schnellen Ecken für satte Straßenlage und gutes Feedback.

Dazu trug auch der Dunlop Roadsport 2 bei. Richtig gelesen: Die Katana kommt mit einem Reifen, den Dunlop erst im Frühjahr erstmals nach Europa bringt, auf der Katana als Erstbereifung aber schon montiert ist. Eine gute Wahl für dieses Motorrad, denn er sortiert sich zwischen dem supersportlichen „Sportsmart“ und dem Touren-orientierten „Roadsmart III“ ein. Damit bietet er genug Sport – was wir ganz besonders antesten konnten – und soll trotzdem eine lange Laufleistung und genügend Komfort bieten. Dazu auch Nassgrip. Auch das konnten wir nach einigen Regenschauern überprüfen – ebenso wie die sehr gute Funktionsweise der dreistufigen Traktionskontrolle, die sich auch ganz abstellen lässt.

Übersichtlich: das neue Display der Katana.
Übersichtlich: das neue Display der Katana.

Entspannte Sitzposition auf der Katana

Unser Eindruck vom Reifen ist dementsprechend gut und er harmoniert mit dem leer 215 kg schweren Bike – sobald er Temperatur hat. Selbst tiefes Hineinbremsen in die Ecken provoziert kein Aufstellmoment oder sorgt für Widerstand bei der Suzuki Katana, der angepeilten Linie zu folgen.

Foto: Suzuki
Im ersten Test konnte die Katana durchaus überzeugen.
Im ersten Test konnte die Katana durchaus überzeugen.

Sie ist zwar wie ihre GSX-Schwester kein Handling-Wunder, man merkt ihr die 190er-Walze hinten auch an, aber ein braver Sprinter ist sie allemal, der mit etwas Einsatz auch die wilde Hatz gern mitmacht.

Da wünschen sich Sportsfreunde sicher gern eine aktivere Sitzposition. Gegenüber der Ur-Katana kommt die Neuauflage nämlich mit einem relativ hoch gezogenen Lenker, der das bei Sportlern so willkommene Feeling für die Front etwas verschluckt. Trotzdem passt es auch für Angreifer ganz gut. Wer aber mit der Katana auch mal gern weitere Strecken machen möchte oder Bummeln gehen will, wird sich dagegen freuen, denn er sitzt noch entspannter als auf der GSX-S 1000.

Tank, Bremsen, Preis und Marktstart

Apropos weitere Strecken: Um die spezielle Optik der alten Suzuki Katana zu zitieren, das Ganze aber mit aktuellster Motorentechnik und modernem Fahrwerk verbinden zu können, mussten die Ingenieure in den sauren Apfel beißen und das Tankvolumen auf 12 Liter drücken. Ein Drops, den man schlucken muss, will man ein so deutlich eigenständiges Motorrad wie die neue Suzuki Katana sein Eigen nennen.

Foto: Suzuki
Die Katana ist auch in einer dunkleren Lackierung erhältlich.
Die Katana ist auch in einer dunkleren Lackierung erhältlich.

Ansonsten aber ist es ein durchweg gelungenes Zweirad geworden – kraftvoll, sportlich, alltagstauglich. Das neue Display über der charakteristischen Verkleidung mit dem rechteckigen Scheinwerfer bietet beispielsweise alle wichtigen Infos übersichtlich. Sie bremst auf den Punkt und schön dosierbar, das ABS ist sauber auf den Fahrzeugtyp abgestimmt.

Uns hat der Test mit der Katana gefallen. Ob die Optik der Kundschaft gefällt, werden die Verkaufszahlen bald zeigen. 13.690 Euro plus Nebenkosten kostet die Suzuki Katana in Deutschland und soll ab Mai in den Handel kommen. Wie auch viel Zubehör zum Umbau.

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