Harley-Davidson Softail Fat Bob im Fahrbericht

Good Vibrations?

Harley-Davidson Fat Bob
Harley-Davidson Fat BobHarley-Davidson Fat BobFat Bob-Style: gechoppte Fender, fette 16-Zöller, Drag Bar-Lenker, eher plump umfassender Kennzeichenträger.Praktisch: Per Drehknauf lässt sich die Federbasis des Cantilever-Federbeins justieren. 19 Bilder

Als einzige Softail trägt die Harley-Davidson Softail Fat Bob ­Upside-down-Gabel und mattschwarz lackierte Rahmenrohre. Und sonst? Wie fährt sich die neue Harley-Davidson Softail Fat Bob?

Mad Max: Der „dicke Robert“ kommt mächtig martialisch rüber, cool und lässig. „Muskulös-geduckt“, nennt Harley das. Akzente setzen dominante, kupferfarben verblendete Krümmer. Der hintere windet sich wie eine Boa Constrictor erst nach vorn um den Zündungsdeckel und schmiegt sich dann parallel an den vorderen Kollegen an. Geile Karre! Stilmittel: Wuchtig-wichtig wirken recht grob profilierte 16-Zoll-Pneus mit fettem 150er-Vorderreifen im Tracker-Look unterm gechoppten Frontfender. Ihn krönt der verwegen schlitzartige Rechteckscheinwerfer zwischen weit auseinanderstehenden Gabel-Standrohren. Ein stechender Blick!

Zum 115-jährigen Firmenjubiläum offeriert die US-Company komplett neue Softails.
Bildergalerie: Harley-Davidson Softail Fat Bob im Fahrbericht.
Anzeige

Einzige Softail mit Upside-down-Gabel

Als einzige Softail trägt die Harley-Davidson Softail Fat Bob ­Upside-down-Gabel und mattschwarz lackierte Rahmenrohre. Fat Bobs gibt’s bereits seit 1979, nun erstmals im Starrrahmen-Look. Schwarz pulverbeschichtet, kommt der V2 richtig böse daher. Hier arbeitet optional der fette 114er mit 102er- statt 100er-Bohrung und irren 114,3 Millimeter Hub (107er: 111,1 mm). Macht 94 PS und 155 Nm. Wie bei allen Softail-Schwestern starr im neuen Rahmen verschraubt, ist der biggest Twin von Anfang an voll da. Viel Schwungmasse realisiert ruhigen Ruhepuls: Leerlauf-Drehzahl ist warm nun nur 850, bisher waren es 1.000.

Traktionskontrolle? Leider Fehlanzeige

Good Vibrations? Im Stand jede Menge – die Ausgleichswellen arbeiten wirkungsvoll. Punch? Keine Frage. Hier reißt es mächtig am kevlarverstärkten Zahnriemen. Ups, der 180er steht quer. Dunlops D 429 müht sich um Haftung. Traktionskontrolle? Leider bei allen Harleys Fehlanzeige. Wenigstens lässt sich der fast 1,9 Liter mächtige V2 der Harley-Davidson Softail Fat Bob per Ride-by-Wire fein dosiert ans Gas nehmen. Er klingt kernig-satt, nicht aufdringlich laut. Tempo 100 bedeuten laut Tacho im sechsten Gang nur 2.250 Touren – ein echter Overdrive. Im Fünften sind es moderate 2.650/min, er passt meist besser. Roter Bereich: bei 6.000 Touren. Aber wer sich hierhin verirrt, hat’s einfach nicht verstanden. Getriebe samt aller Gangräder, Primär-, Sekundär- und damit auch Gesamtübersetzungen sind bei allen Softails identisch, egal ob 107er oder 114er.

Tourguide fährt wie angestochen

Den Stier per dick konifiziertem, breitflachem Lenker bei den Hörnern zu packen, macht mächtig an. Der englische Tourguide fährt wie angestochen. Er will wohl die deutlich größeren Fahrwerksreserven (satte Dämpfung!) und leicht gestiegene Schräglagenfreiheit demonstrieren. Klar schrabbeln die weit vorn platzierten Fußrasten irgendwann. American Way of Schleif. Ans etwas merkwürdige Einlenkverhalten der breiten Frontpelle gewöhnt man sich rasch. Trotzdem rollt die Harley-Davidson Softail Fat Bob sehr manierlich. Zudem bietet die einzige Doppelscheibe mit Vierkolbensätteln vorn die beste Brems-Performance aller Softails! Ein feister und teurer Ofen, die Fat Bob 114. Mehr Show in Serie als mit diesem Custom-Bobber von der Stange geht kaum. Ab rund 19.200 Euro ist man dabei.

Technische Daten Harley-Davidson Softail Fat Bob

Motor:

Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-45-Grad-V-Motor, quer, zwei Ausgleichswellen, je eine unten liegende, kettengetriebene Nockenwelle, vier Ventile pro Zylinder, Kipphebel, Hydrostößel, Trockensumpfschmierung, Einspritzung, 2x Ø 55 mm, ungeregelter Katalysator, Lichtmaschine 390 W, Batterie 12 V/18 Ah, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Zahnriemen, Sekundärübersetzung 2,060.

Bohrung x Hub 100,0 x 111,1 [102,0 x 114,3] mm
Hubraum1.745 [1.868] cm³
Verdichtungsverhältnis 10,0 [10,5]:1
Nennleistung 64,0 kW (87 PS) [69,0 kW (94 PS)] bei 5.020/min,
Max. Drehmoment 145 [155] Nm bei 3.000/min

Fahrwerk:

Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, Ø 43 mm, Dreiecksschwinge aus Stahl, Zentralfederbein, direkt angelenkt, verstellbare Federbasis, Doppel-Scheibenbremse vorn, Ø 300 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 292 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, ABS.

Leichtmetall-Gussräder 3.00 x 16; 5.00 x 16
Reifen 150/80 16; 180/70 B 16

Maße + Gewichte:

Radstand 1.615 mm, Lenkkopfwinkel 62,0 Grad, Nachlauf 132 mm, Federweg vorn/hinten 130/113 mm, Sitzhöhe 710 mm, Leergewicht 306 kg, zulässiges Gesamtgewicht 526 kg, Tankinhalt/Reserve 13,2/3,8 Liter, Serviceintervalle 8.000 Kilometer.

Garantie: vier Jahre

Farbe: Schwarz, Rot, Beige

Preis: ab 17.895 [ab 19.195] Euro

Nebenkosten: 540 Euro

Herstellerangaben, 107 Kubik-Inch;
[Klammerwerte: 114 Kubik-Inch]

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote