Honda Transalp Modellübersicht und Gebrauchtberatung

Alle Transalp-Typen

Das Wettrüsten um Höchstleistungen hat die Transalp in ihrer 26-jährigen Bauzeit nie mitgemacht, charakterisierend war aber immer: Vielseitigkeit. Das wurde offenbar geschätzt, denn das Modell wurde in Deutschland über 37.000 Mal verkauft. Ein Überblick über alle Typen.

PD06 (1987–1993)

Trotz aller Skepsis gegenüber der rahmenfesten Verkleidung erarbeitete sich die 190 Kilo leichte XL 600 V Transalp, mit Vierkant-Stahlrohrrahmen stabil genug fürs Gelände, schnell einen guten Ruf als voll reise- weil auch autobahntaugliches Multifunktionsmotorrad, umschrieben mit dem Begriff „Rally Touring“ auf den Seitendeckeln unterhalb des Modellnamens. An der Tankverkleidung prangt groß der Honda-Schriftzug. Das Konzept des flüssigkeitsgekühlten 52-Grad-V2-Motors (in Deutschland: 50 statt 55 PS) mit je einer obenliegenden Nockenwelle (ohc) entstammt der Straßenmaschine VT 500. In Deutschland wurden von der PD06 des ersten Baujahrs 1149 Stück für 8300 Mark verkauft, vom 1988er-Modell (zusätzlich in der Farbe „Nancy-Beige“) 1105 Stück. 1989 änderten sich Farben und Dekor (Schriftzug „Transalp“ nun dominant). Ventile, Federn und Kipphebel wurden von der XRV 650 Africa Twin übernommen, das Getriebe ver­feinert und die hintere Federung verbessert. Neu: eckige Instrumententafel und eine um sechs Zentimeter höhere Verkleidungsscheibe. Außerdem kann nun ein Hauptständer montiert werden. Zwischen 1989 und 1993 werden in Deutschland 9123 Stück verkauft.

Marktsituation

Ordentliche, fahrbereite Erst­se­rien-Exemplare (1987/1988) sind kaum unter 1000 Euro auszu­machen. Oftmals sind es run­tergewirtschaftete, verschrappte Maschinen mit des Öfteren ­sechs- stelligen Laufleistungen. Gute Stücke sind bei Modell-Liebhabern als Originale gesucht und werden teuer bezahlt – bis über 2000 Euro. PD06 der Baujahre 1991 bis 1993 sind bei Freunden des „alten“ Designs wegen der Bremsscheibe hinten ebenfalls sehr beliebt. Mit unter 50000 Kilometern und in gutem Pflege- und Wartungszustand liegen sie zwischen 1500 und 2500 Euro.

PD06/10 (1994–1999)

Die Transalp erhält ein neues Gesicht mit schnittigerem, bündig eingelassenem Scheinwerfer und geänderter Frontmas­ke sowie seitlichen Belüftungskanälen. Weitere Modifikationen: einstellbarer Handbremshebel, breitere Handprotektoren, Aluguss-Gepäckträger mit Gepäckhaken. Mittlerweile für über 12000 Mark im Angebot, verkauft sich die Facelift-PD06 im ers­ten Jahr 4470 Mal, zusammen mit der ab 1997 im italienischen Honda-Werk in Atessa gefertigten Maschine insgesamt 13 872 Stück in Deutschland – ein Bestseller. Ab 1996 (letztes Japan-Baujahr, bereits mit silbernen Felgen und 120er-Hinterreifen) bekommt die Transalp eine digitale Transistorzündung – zuvor zählte die unglücklich unter der Sitzbank platzierte CDI-Einheit als typische Schwachstelle. Das Gewicht steigt vollgetankt auf 205 Kilo, die Getriebeabstufung wird überarbeitet. Seit der Produktion in Italien gilt der Modellcode PD10. 1997 wird das Motorrad mit einer Doppelscheiben-Bremsanlage mit Doppelkolbenzangen ausgestattet. Bei der Italien-PD10 fallen Qualitätsprobleme bei Lack, Rädern und Elektrik auf. 1999 wird ein „50th Anniversary“-Modell in der Lackierung der ersten PD06 von 1987 angeboten.

Marktsituation

Viele Fans halten die letzten noch in Japan produzierten Transalps für die besten, da diese innerhalb der PD06-Typenfamilie als die technisch ausgereiftesten und solidesten gelten. In Top-Zustand mit weniger als 50000 Kilometern kosten sie trotz stattlichen Alters mitunter noch knapp 3000 Euro. Der ab 1996 in Italien hergestellten PD10 sagt man hin­gegen Korrosionsprobleme und Verarbeitungsschludereien nach, die sich in der Realität aber oft als Kleinigkeiten erweisen. Tipp für Sparfüchse: Um 1500 Euro suchen, ab Bj. ’97 (mit Doppelscheibenbremse) in gutem Zustand.

RD10/11 (2000–2007)

Nach 13 Jahren auf dem Markt stellt Honda die Transalp runderneuert vor. Ein komplett neues Design mit vielen Detailänderungen und ein 55 PS starker 650er-V2 mit neuen, gröber verrippten Zylindern sollen für ein moderneres Image der Mittelklässlerin sorgen. Ein vergrößerter Luftfilterkasten befindet sich nun direkt über den Vergasern am versteiften Rahmen. Honda spricht als Leitthema nicht mehr von „Rally Touring“, sondern von „Sophisticated Adventure“. Der Auspuff wird mit ungeregeltem Katalysator ausgestattet, ein Sekundärluftsystem soll zudem Schadstoffe minimieren. Die Sitzhöhe sinkt um 10 mm, der Lenker ist 10 mm schmaler. Größere Fahrwerksmodifikationen: unter anderem Dämpfung der Telegabel und hinterer Stoßdämpfer mit Ausgleichsbehälter und verstellbarer Druckstufe. Weitere Änderungen bei der RD10: neue Instrumenteneinheit, Wegfahrsperre, neue Blinker und neues Rücklicht. Tank nun mit 19 statt 18 Litern. Ab 2002 verlegt Honda die Fertigung ins Werk nach Spanien, ab dann Modellcode RD11. Ab Baujahr 2005: getönte Windschutzscheibe, Klarglasblinker, neue Edelstahl-Doppelendrohre für Auspuff, schwarz eloxierte Felgen. Preis: gut 7000 Euro.

Marktsituation

Gute Gebrauchte der ersten 650er (RD10) finden sich schon unter 2000 Euro, allerdings mit mehr als 50000 Kilometern. Da im relativ großen Angebot problemlos auch schon RD11 mit unter 30000 Kilometern auf der Uhr auszumachen sind, lohnt für Interessenten ein genauer Vergleich von Zubehör-Dreingaben, Wartungshistorie und allgemeinem Pflegezustand. Ab 3500 Euro finden Reiselustige jedenfalls frisch getüvte Gebrauchtmaschinen mit Koffern und weniger als 20000 Kilometern aus erster Hand sowie sehr ordentliche Händler-Offerten.

RD13/15 (2008–2012)

Ein neues Motorrad – Name nun nur noch: Transalp. Fertigung in Spanien. Neuer Motor mit Einspritzung statt Vergasern, baugleich mit dem V2 der Mittelklasse-Tourenmaschine Honda Deauville. Neues Motto für die RD13: „Adventure-Sports-Style“. Für ein besseres Asphalt-Handling zulasten der Geländetauglichkeit wird die Transalp fortan mit 19-Zoll-Vorderrad ausgestattet. Die neue 700er (680 cm³ Hubraum) mit nun vier statt drei Ventilen pro Zylinder und Doppelnockensteuerung ist optional für 7690 Euro mit ABS in Verbindung mit einer CBS-Verbundbremse und niedrigerer Sitzhöhe im Angebot. Bis auf einen um 10 mm verlängerten Radstand basiert das Fahrwerk weitgehend auf dem des Vorgängermodells. Äußerlich unterscheidet sich die 700er erheblich: neue Frontverkleidung mit Multiflektor-Einzelscheinwerfer, kleinerer Tank, neues Cockpit mit Digitaltacho und Tankuhr, neuer Motorschutz. Gewicht (mit ABS): über 220 Kilo. Ab 2010 wird die Transalp, die bisher letzte der Modellreihe, wieder in Italien gebaut und läuft als Typ RD15. Seit 2011 ist ABS serien­mäßig und das Federbein wurde modifiziert. Verkaufspreis des letzten Baujahres 2012: 8390 Euro.

Marktsituation

Für kaum gefahrene Exemplare der letzten Baujahre werden teilweise noch 6000 Euro und mehr gefordert. Schwierig. Realistische Höchstpreise für die nicht besonders populäre, von neuwertigerer Gebraucht-Konkurrenz wie Kawasaki Versys, Suzuki V-Strom 650 oder Yamaha Tracer 700 etwas abgehängten 700er-Transalp liegen bei 5000 Euro. Sofern mit weniger als 20000 Kilometern im Angebot. Ab 3500 Euro geht es für eine RD13 los, dann aber mit gut 30000 Kilometern. Dennoch ein guter Gegenwert für eine zuverlässige, narrensichere Reisemaschine mit Einspritzung.

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