Kawasaki Vulcan S und Honda Rebel im Vergleich

Japanische Chopper im Test

Die Hubraumzwerge Kawasaki Vulcan S und Honda CMX 500 Rebel im Vergleich.Verbrauch auf 100 km Landstraßenfahrt der Honda: 3,7 Liter.Der Scheinwerfer der Honda CMX 500 Rebel ......und das Rundinstrument passen in das De­sign­kon­zept. Eine Ganganzeige oder ein Drehzahlmesser wären erfreulich gewesen.
16 Bilder

Coole Optik, bollernder Zweizylinder-Sound, Fahrtwind und Rock ’n’ Roll. So stellt man sich einen ordentlichen Chopper vor. Können die Kawasaki Vulcan S und die Honda CMX 500 Rebel da mithalten? Welche Japanerin überzeugt am meisten? Beide treten auf der Schwäbischen Alb gegeneinander an.

Gleich zu Beginn der für die Einstiegs-Cruiser enorm wichtige Eisdielen-Check: Nun sind weder die Kawasaki Vulcan noch die Honda Rebel vergleichbar mit den großen amerikanischen Bikes à la Harley-Davidson Road King oder Indian Chief Vintage. Sie tragen weder besonders viel Chrom noch kommen sie mit voluminös polterndem Zweizylinder daher. Trotzdem können sie mit ihren unterschiedlichen, eigenständigen Designs überzeugen. Und: Bei Kawasaki verkauften sich nur Z 650 und Z 900 besser als die Vulcan. Die Rebel liegt bei Honda immerhin auf dem internen siebten Platz.

Anzeige

Kein Drehzahlmesser, keine Ganganzeige

Mit einem lang und hochgezogenen Tank, der mattgrauen Lackierung, dem Scheinwerfer und den lässigen Ballonreifen macht die Honda CMX 500 Rebel ihrem ­Namen alle Ehre. Wirklich alte Schule sind auch Zünd- und Lenkerschloss. Ersteres wurde links zwischen die Streben des vorderen Stahlrahmenteils gesetzt, Letzteres an die untere Gabelbrücke. Im Cockpit setzt die Honda auf ein bewährtes Rundin­stru­ment, zumindest optisch. Das Rund­gehäuse beherbergt ein rechteckiges LCD-Display, das über Uhrzeit, Geschwindigkeit und Kilometerstand informiert. Einen Drehzahlmesser oder gar eine Ganganzeige sucht man vergebens. Die Einzelsitzbank passt mit ihrer dreieckigen Form und angedeuteten Abhebung vom Fender in das Bobber-Konzept. Ebenso die zwei Federbeine. Kurze Front- und Heckfender runden das Bild ab. An einigen Details lässt sich ­jedoch auch der Rotstift der Buchhaltung erkennen. So wurde hier und da mit Plastik­abdeckungen gearbeitet, wie zum Beispiel an der vorderen Rahmenpartie. Das fällt nicht weiter ins Gewicht, ist das Gesamt­design doch durchaus stimmig.

Und doch: Die Kawasaki hinterlässt insgesamt den wertigeren Eindruck. Die Lackierung macht einiges her, vor allem durch die zweifarbige Gestaltung des Tanks. Die Kühlrippen des Motors wurden nachgefräst und lassen diesen edler erscheinen. Die Abdeckungen sind zwar aus Kunststoff, allerdings wurden sie orange lackiert. Mit ihrer flachen Silhouette und dem breiten Tank setzt sie sich optisch deutlich von der Honda ab. Beim Rahmen vertraut sie wie die Rebel auf einen Brückenrahmen aus Stahl. Statt Twin-Shock bietet die Kawasaki aber ein seitlich angebrachtes Mono-Federbein.

Foto: bilski-fotografie.de
Die Vulcan agiert überraschend agil.
Die Vulcan agiert überraschend agil.

Kawasaki Vulcan S hat 15 PS mehr

Nun aber ab auf die Landstraße und gib ihm! Geht das überhaupt? Immerhin setzen beide Bikes nominell keine neuen Maßstäbe. Die Honda Rebel ist mit 46 PS perfekt für A2-Führerscheinbesitzer. Der 471-cm³-Reihentwin stammt aus der CB 500-Modellreihe und läuft sehr geschmeidig. Seine Leistungsentfaltung ist insbesondere für Einsteiger geeignet, denn sie verläuft sehr berechenbar und geradlinig. Allerdings besitzt der Motor nicht übermäßig viel Drehmoment im Drehzahlkeller und will, soll es flott vorangehen, gedreht werden, sorgt dann aber für Fahrspaß beim Fahrer. Sein maximales Drehmoment von 44 Nm steht bei 6.300/min zur Verfügung. Besonders gefällt das Getriebe der Honda, das ungemein sanft und lautlos schaltet.

Die Kawasaki Vulcan S hinterlässt dank des Hubraumplus von 178 cm³ dagegen einen deutlich stärkeren Eindruck. Sie hat 15 PS mehr als ihre Gegnerin und leistet schon bei 5.700 Nm ein Drehmoment von 64,3 Nm. Wie die Rebel läuft die Kawasaki kultiviert, ohne unangenehm aufzufallen. Am Kurvenausgang reißt sie schön an und macht direkt einige Meter auf ihre Gegnerin gut. Beide Bikes müssen sich in Sachen Kurvenspaß nichts vorwerfen lassen, denn die Leistung trifft hier, im Vergleich zu den großen Bikes aus Amerika, auf deutlich weniger Gewicht. Die Kawasaki bringt vollgetankt 230 kg auf die Waage, die Honda sogar nur 193 kg. Eisenhaufen schieben? Nicht mit den Japanerinnen. Sie bieten Dynamik und Fahrspaß pur.

Gerade auf der Schwäbischen Alb zeigen beide Motorräder ihre Stärken. Die Vulcan agiert in Sachen Agilität und Handlichkeit gar chopperuntypisch. Ihr Mehrgewicht und ihre größere Masse lässt sie sich nicht anmerken. Einen besonderen Moment hält auf ihr die erste schnelle Wechselkurve bereit. Bei den meisten größeren, vornehmlich amerikanischen Cruisern hat man das Gefühl, beim raschen Umlegen einen Kampf auszufechten, in dem unerbittlich das Recht des Stärkeren gilt. Mit diesem Hintergrundwissen fährt man mit der Kawasaki auf den Einlenkpunkt zu und erschrickt. Das Umlegen funktioniert so schnell und mühelos, dass es auch einem Sportler gut stünde. Doch wie die meisten ihrer Zunft ist auch bei der orangen Grünen relativ früh das Ende der Schräglagenfreiheit erreicht.

Zweifel an der geistigen Gesundheit der Tester

Hier geht der Punkt definitiv an die Honda, die deutlich mehr Schräglagenfreiheit besitzt. Sie hat im Gegensatz zur Kawasaki keine Angstnippel. Geschliffen wird mit der gesamten Raste. Die Vulcan dürfte noch einiges an Schräglagenfreiheit hinzugewinnen, sind die Nippel erst abgeschliffen. Nun könnte man darob vermuten, dass die Fahrwerke der beiden von zu viel Kurvendynamik verschont werden müssten. Mitnichten! Beide Motorräder überzeugen mit einer Stabilität in Kurven, die ­verblüfft. Und selbst bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn zuckt oder pendelt keine der beiden. In Fahrstabilität und -dynamik verdienen sich beide Einsteiger-Chopper also durchaus ihre Meriten.

Die Bremsen der Kontrahentinnen lassen ebenfalls nichts zu wünschen übrig. An Bremsleistung mangelt es nicht. Das ABS beider Motorräder regelt sehr gleichmäßig und sanft. Die Honda regelt etwas früher, während bei der Kawasaki vom Fahrer deutlich mehr Handkraft notwendig ist, um am Vorderrad in den Regelmodus zu kommen. Die Sitzposition der Honda Rebel ist mindestens gewöhnungsbedürftig. Es will im Sattel kein rechtes Cruiserfeeling aufkommen. Während der Testfahrer mit einer Körperlänge von 1,72 m sie als ordentlich bezeichnet, will sie dem Autor mit 1,93 m nicht so recht passen. Er sitzt eher aufrecht. Die Fußballen werden fast schon intuitiv auf die relativ weit hinten liegenden Rasten gestellt. Das reduziert jedoch nur gering­fügig den Coolness-Faktor, wenn es heißt: Hand ans Gas und den dicken und wesentlich stärkeren Cruisern nicht aus den Rückspiegeln weichen. Denn spätestens im ­Kurvengeschlängel haben die schweren Brocken keine Chance mehr, müssen sich den kleinen Japanerinnen geschlagen geben, die nur halb so viel Hubraum haben. Und geradeaus ist ja wohl jeder schnell.

Auch wenn die Fotos Bilderbuchwetter suggerieren, die Temperaturen waren während des Tests auf der Schwäbischen Alb alles andere als ideal. Mit Entsetzen begrüßte der Tankwart seine Kunden von MOTORRAD. Glatteisunfälle habe es am Morgen gegeben, und er bezweifelte offen die geistige Gesundheit der Tester. Immerhin war das Thermometer inzwischen ein paar Grad nach oben geklettert. Nur nass war es immer noch.

Foto: bilski-fotografie.de
Beide Fahrwerke kommen auch mit zwei Passagieren prima klar.
Beide Fahrwerke kommen auch mit zwei Passagieren prima klar.

Sozius - Knie unter die Achseln und festklammern

Perfekte Bedingungen also, um auch den Nassgrip zu testen. Zwar musste man etwas vorsichtiger zu Werke gehen, doch sowohl der Dunlop D 404 X der Honda als auch der Dunlop D 220 ST spenden reichlich Grip und Vertrauen. Sowohl Rebel als auch Vulcan funktionierten einwandfrei bei nasser Fahrbahn. Für besonders viel Amüsement bei der Testfahrt sorgten allerdings die kargen Soziusplätzchen. Schnell auf die CMX 500 geschwungen, um das Fahrverhalten zu zweit zu testen und ruck, zuck klemmen die Knie unter den Achseln des Testers. Auf den meisten Supersportlern sitzt man genauso bequem. Für Beifahrer ab zirka 1,70 m ist die Sitzposition ungeeignet, erst recht für längere Fahrten. Lustig war der Versuch, die Füße auf die Rasten der Honda zu bekommen, allemal! Diese sind derart hoch angebracht, dass es für den zugegebenermaßen lang geratenen Autor nur nach einigen Versuchen möglich war, die Füße zu platzieren.

Auf der Vulcan ist der Kniewinkel zwar deutlich angenehmer, doch das Sitzpolster bietet nach hinten wenig Halt, wodurch man in der Beschleunigungsphase nach hinten rutscht. Um während der Fahrt sicher zu sitzen, ist also Klammern angesagt. Die Fahrwerke beider Einstiegs-Chopper jedenfalls verkraften auch einen Sozius prima und stecken das Mehrgewicht erstaunlich gut weg. Insgesamt treffen hier zwei ausgereifte Bikes aufeinander. Den Sieg schnappt sich die Vulcan. Sie überzeugt durch ihr stimmiges Gesamtkonzept, die Honda dagegen durch unbedingte Einsteigerfreundlichkeit, den kultivierten, gutmütigen Motor und einen schmackhaften Einstandspreis. Zwei tolle Chopper, die für kleines Geld großen Spaß machen.

MOTORRAD-Testergebnis

1. Kawasaki Vulcan S

Die Kawasaki ist insgesamt das ausgereiftere Motorrad. Sie überzeugt mit angenehmer Sitzposition, toller Verarbeitung und chopperuntypischer Fahrdynamik. Minuspunkte: Sie kostet deutlich mehr und hat Wartungsintervalle von 6.000 km.

2. Honda CMX 500 Rebel

In Sachen Fahrverhalten, Highspeed- und Bremsstabilität bietet die Honda der Kawasaki Paroli. Schwieriger wird es bei der Leistung. Hier hinkt sie doch merklich hinterher. Vorteile hat sie bei der Anschaffung und den Inspektionsintervallen.

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote