Nachgehakt: Honda Pan European

Pendelverkehr

Foto: fact

Das jüngste Modell der Honda Pan European zeigt Schwächen in der Fahrstabilität. Eine zweite Nachrüstaktion soll aus dem bisherigen Pendlerzug einen fahrstabilen Intercity machen. MOTORRAD hat es überprüft.

Bei ihrer Präsentation im April 2002 machte die Pan European durch Pendelneigung bei Geschwindigkeiten über 160 km/h auf sich aufmerksam. Nachdem auch mehrere Besitzer dieses Modells das Fahrverhalten monierten, gab es eine Rückrufaktion, bei der sämtliche Verschraubungen von Motor und Fahrwerk penibel justiert wurden. Die gewünschte Wirkung blieb jedoch aus, weshalb im Frühjahr 2003 eine größere Umrüstaktion anlief und Honda einen Auslieferungsstopp für Neumaschinen verfügte.

Die zweite Nachbesserung umfasste neue Motorhalterungen, neue Bolzen für die Schwingenlagerung sowie weitere Teile. Den derzeitigen Stand der Maßnahmen konnte MOTORRAD anhand einer derart umgerüsteten Maschine aus Kundenhand überprüfen. Das Ergebnis der Fahrversuche war allerdings nicht sehr überzeugend. Bei 160 km/h begann das Motorrad unverändert zu pendeln, sowohl mit heruntergefahrener Scheibe als auch in verstärktem Maß mit hochgefahrenem Windschild. Über 200 km/h nahm das Pendeln nochmals deutlich zu, aber nach wie vor nicht in gefährlichen Maß. Kritisch wurde das Ganze beim Gaswegnehmen aus hohen Geschwindigkeiten oder beim harten Abbremsen. Dann schaukelte sich die Pan European bedenklich auf und beruhigte sich erst
unter Tempo 160 wieder.

Ein Testmotorrad von Honda zeigte dagegen mit der Scheibe in der untersten Position ein ordentliches Fahrverhalten. Lediglich Bodenwellen regten das Fahrwerk bei höheren Geschwindigkeiten zu Unruhen an. Mit hochgefahrener Scheibe trat auch bei diesem Exemplar über 160 km/h leichtes Pendeln auf, das sich beim Gaswegnehmen verstärkte und beim Bremsen unangenehm wurde. Mit beladenen Koffern nahm die Instabilität noch weiter zu, auf Zweipersonenbetrieb reagierte die Pan European dagegen
weniger kritisch.

Das gegenüber MOTORRAD erklärte Ziel, alle Pan European auf einen Stand zu bringen, der in der 1000-Punkte-Wertung in der Disziplin Geradeauslaufstabilität mit mindestens 16 von 30 Punkten bewertet wird, hat Honda damit nicht erreicht. Während das Honda-Testmotorrad diese Hürde mit 18 Punkten übersprungen hätte, wäre das Kundenmotorrad eindeutig daran gescheitert. Offensichtlich schlagen die Abhilfemaßnahmen ganz unterschiedlich an, spielen Toleranzen eine große Rolle. Eine Tatsache, die bei einigen Kunden den Wunsch nach Wandlung aufkeimen ließ, dem Honda in mehreren Fällen auch nachgekommen ist.

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