Motorrad ausmotten und startklar machen

Ratgeber zum Saisonstart

Während dem Putzen der Maschine kann sie gleichzeitig auf Mängel überprüft werden.Das Kettenfett erst einmal einwirken lassen.Der Ölstand sollte wenn möglich mehrmals geprüft werden.Nicht zu vergessen: Bremsbeläge und Bremsleitungen bedürfen einer gründlichen Kontrolle.
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Die ersten zarten Sonnenstrahlen der Saison glitzern durch die Baumkronen? Höchste Zeit, das Motorrad aus dem Winterschlaf zu holen. Wir zeigen von der Batterie bis zu den Reifen, wie ihr euch auf die Saison vorbereiten könnt!

Wer nicht durchgefahren ist, hat das Motorrad idealerweise im Spätherbst ordentlich in den Winterschlaf verabschiedet: Alles schön geputzt, Öl und Bremsflüssigkeit gewechselt, Batterie ausgebaut und immer mal wieder auf Erhaltung ans Ladegerät gehängt, Bremsen und Reifen in den Idealzustand gebracht. Sauber und natürlich völlig rostfrei hat das Motorrad den Winter in einer trockenen, gut belüfteten Umgebung verbracht.

Theoretisch müsste man nun nur die Batterie wieder einsetzen, den Startknopf drücken, und es geht los. In der Praxis kann man im Frühjahr jedoch in der Regel mit Startschwierigkeiten und anderen Lästigkeiten rechnen. Umso wichtiger ist eine gründliche Durchsicht vor der ersten Ausfahrt - damit zum Beispiel die schlecht justierte und gar nicht geschmierte Kette nicht erst nach 50 Kilometern unangenehm auffällt.

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Foto: Herder
Das Kettenfett erst einmal einwirken lassen.
Das Kettenfett erst einmal einwirken lassen.

Kette

Spätestens am Abend vor der ersten Ausfahrt reinigen, justieren und fettet ihr die Kette und überprüft dabei gleich den Verschleiß: Lässt sie sich vom Kettenrad abheben, sind an Ritzel und Kettenrad sogenannte Haifischzähne zu sehen? Dann muss die Kette ausgetauscht werden.

Den Kettendurchhang kontrolliert man am besten zu zweit: Einer sitzt im Sattel und federt das Fahrzeug ein. Dann muss das untere Kettentrum immer noch genug Durchhang haben und darf nicht spannen, sonst werden Ritzel und Getriebeausgangswelle unnötig belastet.

Schraubertipps zur Kettenpflege bekommt ihr hier:

Foto: Künstle
Während dem Putzen der Maschine kann sie gleichzeitig auf Mängel überprüft werden.
Während dem Putzen der Maschine kann sie gleichzeitig auf Mängel überprüft werden.

Reinigen

Bei einer ausgiebigen Fahrzeugwäsche kann man in aller Ruhe den Winterstaub entfernen und gleichzeitig die Maschine auf Mängel überprüfen. Tritt irgendwo Flüssigkeit aus, ist eine Schraube locker? Sind Hand- und Fußhebel leichtgängig und richtig eingestellt? Bei Bedarf einstellen und schmieren (z. B. mit dem Sprühöl WD-40).

Wie lange eine ordentliche Motorradwäsche dauert, darüber lässt sich trefflich streiten. Einerseits kommt es dabei natürlich auf die individuellen ästhetischen Ansprüche an - sind Wasserflecken vom Putzwasser beispielsweise "Schmutz"? Muss die Maschine auf Hochglanz poliert sein? Andererseits: Wer unter 20 Minuten zum Motorradputzen braucht, kann mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass die Reinigung nicht gründlich ist.

Alles Wissenswerte zum Thema Motorradreinigung gibt's hier:

Foto: Archiv
Der Ölstand sollte wenn möglich mehrmals geprüft werden.
Der Ölstand sollte wenn möglich mehrmals geprüft werden.

Motoröl

Wer beim Einmotten auf den Ölwechsel verzichtet hat, sollte sich jetzt darum kümmern und auch den Filter gleich mitwechseln. Angaben zu benötigter Öl-Viskosität und Füllmenge findet ihr im Handbuch. Auch während der Saison am besten bei jedem Tankvorgang den Ölstand kontrollieren - immer noch besser, als einen Motorschaden wegen Ölmangel zu riskieren.

Aber auch ein Zuviel an Öl hat Konsequenzen, beispielsweise der Verlust von Leistung. Das Öl kann sich auch aufschäumen wodurch es seine Schmiereigenschaften einbüßt, was wiederum dem ganzen System schadet.

Schraubertipps zur Ölstandskontrolle und zum Ölwechsel mit vielen hilfreichen Tipps und Hintergrundinformationen, bekommt ihr hier:

Foto: Archiv
Nicht zu vergessen: Bremsbeläge und Bremsleitungen bedürfen einer gründlichen Kontrolle.
Nicht zu vergessen: Bremsbeläge und Bremsleitungen bedürfen einer gründlichen Kontrolle.

Bremsen

Vor der ersten Fahrt unbedingt die Funktion der Stopper überprüfen. Für die Kontrolle reicht es, wenn ihr euer Motorrad langsam schiebt. Prüft, ob die Bremsen auf den Zug am Hebel und den Tritt aufs Pedal zügig reagieren. Öffnet die Bremse danach wieder, oder sitzen die Kolben fest und gehen nicht wieder zurück?

Erkennbar ist dies an einem erhöhten Widerstand beim Schieben. Ihr solltet außerdem untersuchen, ob die Bremsbeläge noch ausreichend stark sind. Bremsstaub an Zange und Scheibe lässt sich mit Bremsenreiniger beseitigen. Kontrolliert auch die Bremsleitungen. Weder an diesen noch an den Verbindungen zu Bremszylinder oder Zangen dürfen poröse Stellen oder Undichtigkeiten sichtbar sein. Seht ihr im Ausgleichsbehälter nur noch schwarz? Dann wird es höchste Zeit, die Bremsflüssigkeit zu wechseln.

Wie ein Bremsbelagswechsel beim Motorad gemacht wird, erfahrt ihr hier:

Foto: Jahn
Der Reifenfülldruck sollte geprüft und gegebenenfalls korrigiert werden.
Der Reifenfülldruck sollte geprüft und gegebenenfalls korrigiert werden.

Reifen

Liegt das Restprofil unter 1,6 Millimetern oder zeigen sich Risse in der Karkasse, sind dringend neue Reifen fällig. Neue Reifen braucht ihr auch, wenn während der Fahrt plötzlich ungewohnte Vibrationen oder sogar Lenkerschlagen auftreten. Ursache ist meist ein Standplatten auf der Lauffläche. Wer bereits beim Einmotten die Reifen mit 0,5 bis 1 bar über dem empfohlenen Fülldruck beaufschlagt hat, hat diese Gefahr immerhin verringert.

Auch wenn die Lauffläche noch genug Profil hat, solltet ihr unbedingt den Reifenfülldruck vor der ersten Fahrt prüfen und bei Bedarf korrigieren, denn bei langer Standzeit vor allem bei wechselnden Temperaturen verringert sich meist der Luftdruck. Die Reinigung der Reifen ist außerdem wichtig, um einen gefährlichen Schmierfilm aus Staub bei der ersten Ausfahrt zu verhindern.

Wie man einen Hinterreifen wechselt, seht ihr im Reifenwechsel-Tutorial (1. Link), Grundlagen und ausführliche Infos zu Reifenalter, Reifenfülldruck und zum Reifenwuchten findet ihr, wenn ihr dem 2. Link folgt:

Foto: Archiv
Das Laden der Batterie über Nacht ist wichtig, sowie deren Flüssigkeitsstand. Diese sollte ebenso nachgeprüft werden.
Das Laden der Batterie über Nacht ist wichtig, sowie deren Flüssigkeitsstand. Diese sollte ebenso nachgeprüft werden.

Batterie

Kein Start ohne Anlasserstrom, kein Motorlauf ohne Zündfunken. Hat die Batterie nicht ohnehin am Ladegerät überwintert, muss sie für ausreichend Startstrom spätestens jetzt über Nacht geladen werden. Bei nicht wartungsfreien Batterien kontrolliert danach am besten auch gleich den Flüssigkeitsstand.

Beim Anschließen der Batterie kommt zuerst das rote Kabel an den Pluspol, dann das schwarze an den Minuspol, um Funkenschlag/Lichtbögen zu vermeiden. Überprüft vor der ersten Fahrt auch die Fahrzeugbeleuchtung, dazu gehören Blinker, Abblend-, Fern-, Stand- und Bremslicht. Zudem wichtig: Funktionieren sowohl Hupe als auch Killschalter einwandfrei?

Alles zum Thema Motorrad-Starterbatterie, gibt's hier:

Foto: Künstle
Das Nonplusultra: Die Bekleidung. Säubern und polieren.
Das Nonplusultra: Die Bekleidung. Säubern und polieren.

Bekleidung

Seid ehrlich zu euch: Spannt die Lederkombi unangenehm, kriegt ihr den Nierengurt kaum noch umgelegt? Kein Grund, die Kleidung gleich abzuschreiben. Ein Schneider kann euch bei Änderungswünschen meist helfen. Ersetzt Schaumstoff-Dummys durch CE-geprüfte Nachrüstprotektoren. Ist die Lederkombi nicht mehr richtig geschmeidig, hilft eine dünne Schicht Lederfett. Falls sich Nähte an den Handschuhen lösen: keine Experimente. Am besten Ersatz beschaffen, ordentliche Reparaturen sind auch kaum billiger.

Stiefel strahlen nach einer Behandlung mit Spülwasser und weichem Schwamm, gegebenenfalls danach auch mit Lederfett wieder frisch. Zum Helm: Lässt sich das Visier ohne Probleme öffnen und schließen? Ist das Futter in Ordnung und sauber? Also entweder herausnehmen und in handwarmem Wasser mit Feinwaschmittel durchwaschen (Vorsicht: das Trocknen kann mehr als einen Tag dauern), oder im Helm mit Polsterreiniger arbeiten. Spätestens, wenn ihr die Schweiß- und Schmutzreste der letzten Saison im Waschwasser oder im Lappen seht, ahnt ihr, wie nötig das war. Und ihr werdet spätestens beim nächsten Helm auf herausnehmbare Polster achten. Macht das Visier vor der ersten Fahrt in jedem Fall staub- und schmutzfrei und schmiert die Visiermechnik mit einem kleinen Tropfen Silikonpaste. Wenn ihr noch kein beschlagfreies Pinlock-Visier habt, wäre das eine gute Investition. Ihr werdet nie wieder ohne fahren wollen.

Alle aktuellen Bekleidungstests haben wir hier für euch zusammengefasst:

Foto: Künstle
Auch eine Gore-Tex-Kombi will bisweilen imprägniert werden.
Auch eine Gore-Tex-Kombi will bisweilen imprägniert werden.

Imprägnieren

Prüft bei der Textilkombi, ob sie noch wasserdicht ist und imprägniert sie, wenn nötig. Der wichtigste Tipp beim Imprägnieren ist recht einfach: Achtet unbedingt auf die Anwendungshinweise des Herstellers! Muss das Material trocken oder nass imprägniert werden? Aus welchem Abstand muss aufgesprüht werden? Und welche Menge?

Auch ob eine Nachbehandlung notwendig ist - und wenn ja, welche, entnehmt ihr bitte der Herstellerangabe. Wer sich die Mühe macht (und das empfehlen wir dringend), die Kleidung vor dem Imprägnieren zu waschen: Trockenzeit beachten. Meistens ist die Kombi am nächsten Tag noch ziemlich nass.

Elf aktuelle und von uns getestete Imprägniermittel samt Bewertung und Fazit gibt es hier:

Foto: fact
Das Fahrwerk: Gabel und Federbeine gründlich auf Defekte und Funktion überprüfen.
Das Fahrwerk: Gabel und Federbeine gründlich auf Defekte und Funktion überprüfen.

Fahrwerk

Gabel und Federbein[e] überprüft ihr zunächst auf Undichtigkeiten, dann auf die Funktion. Kontrolliert die Grundeinstellung der Federbasis und stellt Leichtgängigkeit von Lenkkopf-, Rad- und Schwingenlager sicher.

Um das Lenkkopflager zu prüfen, nimmt eine zweite Person auf dem Soziusplatz der Maschine Platz. Nun die Gabelholme in gerader Stellung in Fahrtrichtung vor und zurück bewegen. Es darf kein Spiel erkennbar sein.

Wer sich in Sachen Grundlagen oder weiterführende Tipps zur Fahrwerkabstimmung weiterbilden möchte, dem helfen wir hier:

Foto: markus-jahn.com
Ein Auftakt- und Aufrischungstraining hat auch dem erfahrensten Motorradfahrer zum Frühlingserwachen noch nicht geschadet.
Ein Auftakt- und Aufrischungstraining hat auch dem erfahrensten Motorradfahrer zum Frühlingserwachen noch nicht geschadet.

Fahrtipps, Führerschein, Führerscheintest

Wie fährt man am besten eine Kurve an? Wie war das nochmal mit dem Lenkimpuls? Kann man seine Blicktechnik trainieren? Und wie schaut eigentlich die richtige Ergonomie auf'm Motorrad aus? Alle Antworten gibt's unter >Alle Tipps zu Fahrtechnik, Bremsen und Sicherheit<

Mit welcher Führerscheinklasse darf man welche Zweiräder bewegen? Wie alt muss man für welchen Führerschein jeweils sein? Was ist mit älteren und ganz alten Führerscheinen heute noch erlaubt? Und wie viel kostet ein Motorradführerschein überhaupt? Alles zum Erwerb der Motorradlizenz. Alle Antworten sowie die Führerscheinbögen zu allen Klassen gibt's hier:

Foto: Koch
Das Dossier für Schrauber und Techniker (und alle, die es werden wollen) umfasst knapp 100 Seiten und kann als PDF runtergeladen werden.
Das Dossier für Schrauber und Techniker (und alle, die es werden wollen) umfasst knapp 100 Seiten und kann als PDF runtergeladen werden.

Pflichtlektüre für Schrauber und Techniker

Wie genau funktioniert eigentlich die Benzineinspritzung bei einem Motorrad? Welche verschiedenen Rahmenbauarten gibt es? Und wie kommt ein Gangrad in Sekundenbruchteilen in seine Position? Antworten auf all diese und viele weitere Fragen liefert das Dossier PS-Technik-Spezial.

Die 17-teilige Serie macht aus jedem Leser einen Technikexperten. Für alle, die die Technik hinter dem Fahrspaß interessiert, steht die gesamte Serie mit 17 PDFs und fast 100 Seiten in einem Dossier zum Paketpreis von nur 9,99 Euro (statt 34 Euro) zum Download bereit:

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