Ölwechsel und Ölstandskontrolle

Schraubertipps vom Profi

Schraubertipp - Ölwechsel und Ölstandskontrolle.Vorbereitung: Das wird alles gebraucht. 1. Kontrolle ist besser: Prüfung bei warmem Motor mit Peilstab.2. Sieht simpel aus, braucht aber Übung: der Schauglas-Check.
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Ob Fußball, Wirtschaft oder Motor: Überall wird geschmiert. Das ist nicht immer gewollt, manchmal aber unverzichtbar: Für ein langes Motorradleben ist die Ölstandskontrolle wie auch der regelmäßige Ölwechsel oberstes Gebot. Wir zeigen, wie es geht.

Das Öl ist im Motor eine Art Alleskönner. Aber wie alle Schmierstoffe altert es und muss deshalb in regelmäßigen Abständen gewechselt werden. Ebenso wichtig wie der Wechsel ist bereits die Ölstandskontrolle, denn nur ein korrekter Ölstand schützt vor Schäden. Schließlich ist der Ölverbrauch auch ein wichtiger Indikator für den Verschleißzustand des Motors.

Motoröl ist ein komplexes Produkt, das aus einer Basis von mineralischem oder synthetischem Öl besteht, dem ein Cocktail von Additiven beigemischt wird, um verschiedene Aufgaben erfüllen zu können. Alle Motoröle schmieren Pleuel- und Kurbelwellenlager, Nockenwellen und Zylinderlaufflächen und kühlen den Motor. Da die meisten Motorradmotoren aber als Einheit mit dem Getriebe verbunden sind und häufig auch noch eine Ölbadkupplung haben, braucht man spezielle Additive, damit die Kupplung nicht durchrutscht und das Öl nicht durch die Scherkräfte der Getriebezahnräder zerstört wird.

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Ölstandskont­rolle

Läuft der Motor mit zu wenig Öl, führt das zu erhöhtem Verschleiß in Er­mangelung ausreichender Schmierung bis hin zum Motorschaden. Im umgekehrten Fall, wenn zu viel Öl eingefüllt wurde, verliert der Motor Leistung, denn in diesem Fall bremst das Öl die bewegten Teile. Es kann dadurch schaumig werden und seine Schmierfähigkeit verlieren. Außerdem ­erhöht sich der Öldruck im Inneren des ­Motors und führt zu defekten Dichtungen oder gelangt über die Kurbelgehäuseentlüftung in den Luftfilter. Der Ölstand ver­ändert sich, weil ein gewisser Ölverbrauch normal ist, er sollte aber nicht über 0,4 l bei wassergekühlten und 0,7 l auf 1000 km bei luftgekühlten Motorrädern liegen. In besonderen Fällen (z. B. durch Benzinver­dünnung) kann sich der Ölstand auch er­höhen. Regelmäßige Kontrolle ist deshalb unverzichtbar.

Gemessen wird der korrekte Ölstand bei warmem Motor (ca. 80 Grad), der fünf bis zehn Minuten stand, damit das Öl zurücklaufen konnte. Bei einem Motor mit drei Liter Ölinhalt kann der Unterschied zwischen kaltem und warmem Motor mehr als 100 cm³ betragen! Die meisten Motorräder haben eine Nasssumpfschmierung, d. h. der Ölvorrat ist in der Ölwanne. Bei der Messung per Peilstab muss man wissen, ob der Peilstab nur aufgesetzt wird oder komplett eingedreht werden muss (Fahrerhandbuch beachten). Beim Ölschauglas hat man dieses Problem nicht. Bei beiden Arten muss die Maschine aber gerade stehen – nicht ganz einfach bei Motorrädern ohne Hauptständer. Beim Peilstab kann man sich auf die Maschine setzen, beim Schauglas braucht man Yoga-Erfahrung oder eine zweite Person. Idealerweise sollte der Ölstand auf der halben bis drei viertel Strecke zwischen „min“ und „max“ liegen. Aber Achtung: Je nach Modell/Bauart gibt es abweichende Vorgehensweisen bei der Kon­trolle (z. B. Prüfung auf dem Seitenständer etc.). Einige wenige Motorräder (z. B. BMW F 650) haben eine Trockensumpfschmierung. Das Öl befindet sich hier in einem separaten Tank, an dem sich dann auch meist der Peilstab befindet. Unbedingt die entsprechende Anleitung beachten!

Das richtige Öl

Man unterscheidet drei Sorten: mineralisches, teilsynthetisches und synthetisches Motorenöl. Falls der Hersteller ein bestimmtes Öl vorschreibt, erübrigt sich jede Diskussion, will man nicht Garantie- oder Kulanzansprüche verlieren. Die richtige Menge, Viskosität und Spezifikationen kann man dem Fahrzeug-Handbuch entnehmen.

Welches Öl man verwendet, ist nicht zuletzt eine Glaubensfrage, die in Foren oft mit fundamentalistischer Begeisterung ausgetragen wird. Wer sich aber sachkundig macht, wird Erstaunliches herausfinden. Es muss nicht immer das teuerste und nur vermeintlich beste Öl sein. In Tests schlagen gelegentlich Billigöle selbst die besten Markenprodukte, und die Erfahrungen aus den Internetforen zeigen, dass nicht jeder Motor, insbesondere die Kupplung, jedes Öl verträgt. Dass Händler gerne synthetisches Öl verkaufen, liegt auf der Hand, denn es ist deutlich teurer, ergo die Gewinnspanne größer. Übrigens sind alle Öle im Prinzip miteinander mischbar. Beim Kauf ist auf folgende Dinge zu achten:

Viskosität: Als Viskosität bezeichnet man das Maß für die Zähflüssigkeit eines Motoröls. Das Öl muss sich den thermischen Bedingungen des Motors anpassen. Ist der Motor kalt, muss es dünnflüssig sein. Steigt die Temperatur, dann muss ein ausreichender Schmierfilm gewährleistet sein. Bei normalen Motorrädern, die mineralisches Öl verwenden, kommt meist 10W-40 oder 15W-40 zum Einsatz. Synthetische Öle haben meist eine höhere Bandbreite bei der Viskosität, z. B. 5W-50.

Qualität: Die bekannteste Qualitätsnorm für Öl (sie bezieht sich allerdings auf Automotoren) ist die API-Norm (von American Petroleum Institute). Sie hat bei Ottomotoren als ersten Buchstaben ein S, der dann folgende Buchstabe gibt den Leistungsstandard an. Daneben gibt es auch die japanische JASO-Norm, die wichtigste Klassifikation für Motorrad-Motorenöle. Für Motorradmotoren mit nasssumpfgeschmierten Kupplungen und Getrieben eignen sich besonders Öle der JASO MA/MA-2-Norm.

Ölwechsel

Da Öl altert, muss es regelmäßig gewechselt werden. Entweder nach einer bestimmten Laufleistung oder bei Gelegenheitsfahrern nach einer bestimmten Zeit. Viele ältere Motorräder haben noch die 6.000-km-Intervalle, neuere Typen 10.000 km oder 12.000 km bzw. verlangen alle zwei Jahre nach einem Wechsel. Dabei sollte auch der Ölfilter getauscht werden. Falls das Wechselintervall für das Motoröl ohnehin fast erreicht ist, ist ein Ölwechsel vor der Winterpause durchaus sinnvoll. ­Älteres Öl verfügt nur noch über einen Teil des Korrosionsschutzes, den frisches Öl besitzt, das außerdem auch noch keine durch die Verbrennung entstandenen ­aggressiven Bestandteile enthält.

Der Ölwechsel gehört zu den relativ ein­fachen Wartungsarbeiten und ist mit ein bisschen Planung auch für den Laien kein Problem, denn im Unterschied zum Auto lassen sich Ablassschraube, Ölfilter und Einfüllstutzen meist gut erreichen. Ein bisschen Planung ist aber unverzichtbar.

Man benötigt: die entsprechende Menge frisches Öl, einen Messbecher, den neuen ­Ölfilter, eine neue Dichtung für die Ablassschraube, einen passenden Trichter und, falls man zu viel Öl eingefüllt hat, eine Spritze mit Schlauch zum Absaugen. Nicht fehlen sollten natürlich das passende Werkzeug zum Lösen der Ölablassschraube ­sowie ein Auffanggefäß für das Altöl. Das gibt es im Zubehör als praktische Kombination von Wanne und Behälter. Müssen für den Wechsel auch Verkleidungsteile etc. ab­gebaut werden, legt man das be­nötigte Werkzeug ebenfalls bereit. Wichtig sind auch ein Drehmomentschlüssel sowie die Anzugswerte für die Ölablassschraube und eventuell das Filtergehäuse, denn die empfind­lichen ­Gewinde im Motorblock können leicht beschädigt werden. Intelligenter­weise deckt man den Garagenboden vernünftig ab und achtet ­darauf, möglichst keine Behälter offen herum­stehen zu lassen.

Motoröl einfüllen

Wichtig beim Ölwechsel ist die richtige Temperatur. Der Motor sollte warm ­gefahren sein (ca. 15 km Fahrstrecke/80 Grad). Dann wird das Öl möglichst zügig gewechselt, damit sich die Schwebstoffe nicht ­wieder an der Innenwand des Motors absetzen. Genau das passiert nämlich, wenn das Öl bei kaltem Motor gewechselt wird. Achtung, da das Öl noch relativ heiß ist, ­unbedingt einen Schutzhandschuh beim Herausdrehen der ­Ablassschraube tragen – Verbrennungs­gefahr! Zwei Missgeschicke sind jetzt typisch. Zum einen fällt die Schraube in die Wanne, zum anderen steht die Ölwanne falsch bzw. das Öl schießt ­weiter als gedacht aus dem Ablauf heraus. Deshalb entferne ich den Einfüllstutzen erst nach dem Entfernen der Ablassschraube. Jetzt kann das Öl gut ablaufen und der alte Ölfilter abgeschraubt werden. Es gibt zwei verschiedene Arten von Filtern. Patronen-Ölfilter ähneln einer Blechdose und ­werden komplett abgeschraubt. Das Abschrauben wird durch ­einen Ölfilterschlüssel oder -Aufsatz erleichtert. Bei der anderen Bauart muss zuerst ein ­Ölfilter-Gehäuse entfernt werden, um den eigentlichen ­Filter entnehmen zu können.

Nachdem das Öl vollständig ausgetropft ist, wird die Ölablassschraube mit neuer Dichtung eingeschraubt und mit vorgeschriebenem Drehmoment ange­zogen. Der Patronen-Ölfilter wird meist nur mit der Hand angeschraubt und auch nur handfest festgezogen. Maßgeblich sind hierbei die Angaben des Fahrzeugherstellers. Die Gummidichtung des Filters wird vorher mit sauberem Öl am Finger eingeölt. Bei Filtern mit Gehäuse reinigt man dieses gründlich und legt den neuen Filter richtig ausgerichtet ein. Eventuelle Dichtungen und Dichtringe werden er­neuert und die Schraube(n) mit einem Drehmomentschlüssel angezogen.

Jetzt muss nur noch neues Motoröl eingefüllt werden. Trichter und Messbecher sind hier hilfreich. Erst einen halben Liter weniger als angegeben einfüllen, dann den Motor kurz laufen lassen und den Ölstand prüfen. In kleinen Schritten bis zur Max-Markierung auffüllen. Falls man versehentlich zu viel Öl eingefüllt hat, hat sich zum Absaugen eine große Plastikspritze mit ­aufgesetztem Schlauch gut ­bewährt. Bevor man das alte Öl in einen Kanister füllt, um es fachgerecht zu entsorgen, sollte man es mit einem Teesieb durchsieben. Rückstände wie Metallspäne, kleine Plastikteilchen deuten auf mögliche Getriebeschäden oder Steuerkettenspanner-Probleme hin.

Praktisches Zubehör

Egal, für welches Öl man sich entscheidet, viel wichtiger für die Lebensdauer ist das langsame Warmfahren des Motors. Die richtige Temperatur lässt sich am besten mit einem Ölthermometer kontrollieren. Entscheidet man sich für die elektrische Variante in Form eines Zusatz­instruments, wird oft ein Geber ­verwendet, der an Stelle der Ablassschraube eingesetzt wird. Der Ölwechsel ist also der ideale Moment zur Montage.

Eine pfiffige Idee und vor allem eine saubere Sache ist auch das Stahlbus-­Ölablassventil. Es wird einfach gegen die vorhandene Ölablassschraube getauscht. Beim Ölwechsel schraubt man die Schutzkappe ab und steckt das Schlauchanschlussstück per Schnellverschluss auf. Erst wenn dieses arretiert ist, öffnet sich das Ventil, und das Öl kann dank des Schlauchs direkt in einen Behälter abgelassen werden. Beim Lösen des Schlauchanschlusses schließt das Ventil selbsttätig, und man muss nur noch die Schutzkappe wieder aufdrehen. Das Ganze funktioniert ohne Werkzeug, und man benötigt nicht mal eine neue Dichtung.

Das wird für den Ölwechsel benötigt

  • Drehmomentschlüssel und passende Stecknuss
  • Dichtungen
  • Ölfilter
  • Ölfilterschlüssel
  • passende Menge Öl
  • Spritze zum Absaugen
  • Ölwanne

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