Gebrauchtberatung: Sportmotorräder für 5000 Euro Fünf Mille für den Sport

Highspeed zum Low-Budget-Tarif. In dieser Gebraucht­-be­ratung haben wir faszinierendes Material zusammengestellt. Bärenstarke Superbikes, scharfe Design-Queens und knüppelharte Vollblut-Racer für die Sparfüchse unter den Gebückten.

Foto: Jahn

Leichter, stärker, schneller – so das Dikat im supersportlichen Segment. Wer nicht vorn dabei ist, fliegt raus, wird verachtet, verspottet und abgeschoben. Das Geschäft mit dem Sport ist ein grausames. Wirklich?Für Käufer topaktueller Superbikes mag das gelten. Sie stehen beim Händler, blättern rund 13000 Euronen auf die Theke und nehmen die brandneue HighspeedGranate mit. Sie ist zweifelsohne genau in diesem Moment der King im Ring – keine andere knallt den Gummi vehementer auf den Asphalt. Bis die Konkurrenz ihr Update in den Laden schiebt.

Und schon haben sich sämtliche Vorzeichen wieder verschoben. Es ist ein bisschen so wie im Computer-Business: Was, du arbeitest noch mit Version 2.0.6.2? 2.0.6.2b ist doch um Welten besser – du Ignorant! Der Gebrauchtinteressent sieht die Sache viel entspannter. Er betrachtet die supersportliche Brigade nicht aus dem Blickwinkel aktueller Sprintzeiten, sondern bewertet eher Ausdauer und Kondition:

Welches Motorrad knickt beim Überrunden ein, welches überquert auch auf Platz 17 erhobenen Hauptes die Ziellinie? In dieser Gebrauchtberatung haben wir uns den Sportmotorrädern mit der Preislupe genähert und zwölf Typen zusammengestellt, die für 5000 Euro zu bekommen sind. Das Spektrum ist enorm: Der charaktervolle Sportboxer von BMW ist genauso dabei wie die kleine Design-Ikone Ducati 748 oder eine giftige 2003er-Kawasaki ZX-6R, die der aktuellen 600er-Supersportliga kaum nachsteht.

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Wissenswertes

Auf den folgenden Seiten werden die Stärken und Schwächen sowie das Gebrauchtangebot der jeweiligen Maschinen analysiert. Außerdem finden sich zu jedem Modell die technischen Daten und die Preise der Schwacke-Liste inklusive der entsprechenden Kilometerleistungen. Allerdings stimmen letztere bei den meisten Modellen nicht mit der Realität überein: Die tatsächlichen Fahrleistungen liegen in der Regel 30 Prozent darunter. Die Schwacke-Liste geht von einer Jahresfahrleistung zwischen 8500 und 10000 Kilometern aus. Distanzen zwischen 4000 und 6000 Kilometern erscheinen dagegen viel praxisnäher.

Hier als grober Anhaltspunkt zur entsprechenden Preiskorrektur: Pro 10000 Kilometer, die weniger auf der Uhr stehen, sollte man jeweils rund 7,5 Prozent zum Listenpreis dazu addieren. Und bei einer – zugegeben eher selten vorkommenden – Mehrfahrleistung pro 10000 Kilometer müssen jeweils rund zehn Prozent vom Preis abgezogen werden. Alles bereit? Kinnriemen festgezurrt? Dann heißt es jetzt: auf die Plätze, fertig, loooos...

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Tipps zur Besichtigung

Größtes Augenmerk sollten Käufer bei der Besichtigung auf Sturzspuren legen. Diese finden sich oft an Gehäusedeckeln, Schwinge, Gabel oder Lenkerenden. Auch Risse und Kratzspuren in der Verkleidung können Verdachtsmomente, dass die Maschine schon mal Bodenkontakt hatte, erhärten. Größere Verkleidungsumbauten oder Sonderlackierungen sind ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. Damit lassen sich größere Unfallschäden kaschieren. Ein weiterer wichtiger Kontrollpunkt sind die Lagerstellen (Lenkkopf, Schwinge, Hebelei und Radlager). Um Ölundichtigkeiten oder auffälligen Laufgeräuschen auf die Spur zu kommen, sollte die Probefahrt mindestens 20 Kilometer betragen. Dabei kontrollieren, ob das Motorrad sauber geradeaus läuft. Gut ist, wenn eine zweite Person hinterherfährt und auf verdächtigen Blaurauch aus dem Auspuff achtet. Wer die Zeit hat, sollte eine Kompressionsmessung machen lassen.

Reifen ohne Panne

Auch wenn die hier vorgestellten Sportbikes zum Teil fast ein Jahrzehnt auf dem Buckel haben – fahrdynamisch zählen sie noch lange nicht zum Alteisen. Ganz im Gegenteil. Denn Handling und Kurvenspeed hängen stark von den Reifen ab. Mit aktuel­ler Reifentechnik lassen sich bei Handlichkeit, Lenkpräzision oder Kurvenstabilität durchaus neue Akzente setzen. Der Großteil der Motorräder in dieser Gebraucht-Übersicht steht auf den Dimen­sionen 120/70 ZR 17 und 180/55 ZR 17, ein gängiges Maß, für das nahezu jährlich neue Gummimischungen angeboten werden. Im aktuellen Sportreifentest von MOTORRAD auf einer Suzuki GSX-R 1000 (Heft 12/2007) konnten besonders der Metzeler Sportec M3 und der Michelin Pilot Power überzeugen. Alle bisher in MOTORRAD erschienen Reifentests in-klusive Download-Möglichkeiten finden Sie unter www.motorradonline.de/reifen.

Zubehör-Endschalldämpfer

Ein Zubehör-Endschalldämpfer gehört bei vielen angebotenen Supersportlern zum guten Ton. Tatsächlich lässt sich dadurch im Regelfall das Gewicht um ein paar Kilo nach unten schrauben. Bezüglich Leistung bringt dieses Extra aber nur wenig. PS-Zuwachs ist selten und wenn, dann meist auf die Spitzenleistung beschränkt. In der oft genutzten Dreh­zahlmitte sind hingegen meist Einbußen zu verzeichnen. Je nach Nutzen können Kauf­interessierte gleich gezielt nach Maschi­-nen suchen, die auf ihre Ansprüche hin optimiert wurden. Beispielsweise solche, die über höher montierte Lenker, ver-stellbare Fußrastenanlagen oder hohe Verkleidungsscheiben Ergonomie und Alltagstauglichkeit steigern. Ebenfalls empfehlenswert: den Verkäufer nach seinen Erfahrungen mit verschiedenen Bremsbelägen für das Modell fragen. Angebote mit komplett umgebautem Fahrwerk sind hingegen nur etwas für Cracks.

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