Touratech-Insolvenz

Optimismus im Schwarzwald

Touratech-Gründer Herbert Schwarz.9 Bilder

+++ UPDATE 3. November 2017 +++ Verhandlungen mit Investoren laufen, der Insolvenzverwalter ist zuversichtlich in Bezug auf die Arbeitsplätze.

Meldung vom 3. November 2017: Drei Monate nach Touratechs völlig überraschendem Antrag auf Insolvenz hat das Amtsgericht Villingen-Schwenningen jetzt das Verfahren am 1. November offiziell eröffnet. Seit Bekanntwerden des Insolvenzantrags haben laut Insolvenzverwalter Dirk Pehl bereits mehr als ein Dutzend potenzielle Investoren Angebote für die sehr schnell zu einem international agierenden Unternehmen gewachsenen Firma abgegeben. Darunter seien sowohl Finanz- als auch strategische Investoren“, sagte Pehl. Als „strategische Investoren“ werden meist Wettbewerber bezeichnet, im Fall von Touratech also andere Firmen aus dem Bereich der Motorrad- und Zubehörindustrie.

Aufgrund des regen Interesses gibt sich der vom Amtsgericht bestellte Insolvenzverwalter „zuversichtlich, für das Unternehmen eine gute Lösung zu finden“ und den rund 400 „Mitarbeitern wieder Sicherheit zu geben.“ Der Geschäftsbetrieb bei Touratech laufe nicht nur unverändert weiter, die Firma habe aufgrund der weiterhin hohen Nachfrage etwa nach ihren Alu-Koffern sogar während der vorläufigen Insolvenz neue Mitarbeiter gesucht. Das wertet Pehl als „großen Vertrauensbeweis“ seitens der Kunden aus der Motorradfahrerszene.

Zudem sei aus der Motorradindustrie „ein Großauftrag für die nächsten drei Jahre mit einem Volumen von mehreren Millionen Euro“ bei Touratech eingegangen. Die Firma ist aktuell auf der Messe EICMA in Mailand vertreten, und auch der Touratech-Katalog 2018 wird im Januar erscheinen.

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Meldung vom 25. Oktober 2017

Zu Anfang November wird das Amtsgericht Villingen-Schwenningen über den am 10. August 2017 gestellten Insolvenzantrag der Touratech AG entscheiden. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass der Richter dem Antrag stattgeben und das Insolvenzverfahren offiziell eröffnen wird. Anschließend können Gläubiger ihre Forderungen anmelden.

Aus dem Büro des (bis zur Verfahrenseröffnung noch vorläufigen) Insolvenzverwalters Dirk Pehl hieß es auf Nachfrage von MOTORRAD zur aktuellen Situation des Schwarzwälder Zubehör-Herstellers nur, dass derzeit Gespräche mit möglichen Investoren geführt würden. Über deren Inhalt und wer als Investor in Frage kommt, darüber herrscht bisher, wie in solchen Fällen üblich, noch absolutes Stillschweigen.

Die Stimmung der rund 400 Angestellten der Firma bezeichnete die für die Pressearbeit bei Touratech zuständige Marketing-Mitarbeiterin Margit Rowley als „vorsichtig optimistisch.“ Der Geschäftsbetrieb laufe unabhängig vom Insolvenzverfahren weiter. Touratech nehme Bestellungen entgegen und könne auch liefern, bestätigte Ingo Schorlemmer, Pressesprecher des Insolvenzverwalters.

Meldung vom 14. August 2017

Das Wichtigste zuerst: "Es ändert sich erstmal gar nichts". Für Touratechs Marketing-Chef Alex Schönborn ist am Montag nach Bekanntwerden des Insolvenzantrags eines ganz entscheidend: "Der Geschäftsbetrieb läuft weiter wie bisher. Unser Warenangebot steht, und bis auf sehr wenige Ausnahmen können wir natürlich auch liefern."

Am zweiten August-Freitag haben Schönborn und die rund 400 Touratech-Mitarbeiter die Schreckensnachricht, dass ihre Firma ausstehende Rechnungen nicht bezahlen kann und damit auf der Kippe steht, ins Wochenende nehmen müssen. Doch schon am Montag kehrten die meisten mit einer Art trotzigen Optimismus in die Arbeit zurück. Die Welle an Solidaritätsbekundungen von Kunden aus der ganzen Welt, die übers Wochenende durch die sozialen Medien ging, lässt hoffen. Schönborn: "Wenn sich diese Solidarität auch darin ausdrückt, dass uns die Kunden nicht im Stich lassen, wäre schon ganz viel gewonnen."

Was ist passiert? Am 10. August hat Touratech beim Amtsgericht Villingen-Schwennigen einen Insolvenzantrag gestellt. Gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dirk Pehl hat Touratech-Chef Herbert Schwarz am Freitag die Mitarbeiter im Rahmen einer Betriebsversammlung über diesen Schritt informiert. Wie konnte es zur Zahlungsunfähigkeit kommen? 2016 hat Touratech, später als geplant, eine für etliche Millionen neu gebaute Produktionsstätte bezogen. Doch nicht nur logistische, sondern auch Software-Probleme haben den Betriebsanlauf verhagelt. "In erheblichem Umfang entstandene Produktions- und Lieferausfälle" führten in der Folge "schließlich zur Insolvenz", so die offizielle Pressemitteilung des Insolvenzverwalters.

Was passiert jetzt? Der Insolvenzverwalter wird gemeinsam mit der Firmenleitung versuchen, Touratech wieder flott zu kriegen. Lebenswichtig ist für die Firma, Material geliefert zu bekommen, um weiter überhaupt Produkte herstellen zu können. "Es geht darum, das Unternehmen auf eine gesunde finanzielle und wirtschaftliche Basis zu stellen, um den Standort und die Arbeitsplätze möglichst zu erhalten", erklärt der Insolvenzverwalter. Und ergänzt: "Löhne und Gehälter sind bezahlt."

Meldung vom 11. August 2017

Am 10. August hat Touratech beim Amtsgericht Villingen-Schwenningen einen Insolvenzantrag gestellt. "Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Dirk Pehl von Schultze & Braun bestellt", so die Pressemitteilung.

Die rund 400 Mitarbeiter der Touratech AG kamen heute zu einer Betriebsversammlung zusammen und wurden vom Vorstand sowie dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Dirk Pehl über die Insolvenz informiert. Der Geschäftsbetrieb wird unverändert fortgeführt. Löhne und Gehälter sind bezahlt.

In der Pressemitteilung heißt es zum Grund: "Ursache der Insolvenz ist die verspätete Umsetzung des Neubaus, der auf Grund einer erhöhten Nachfrage notwendig war. Die damit verbundenen Schwierigkeiten seitens Logistik und Fertigung sowie die in erheblichem Umfang entstandenen Produktions- und Lieferausfälle führten schließlich zur Insolvenz."

Der vorläufige Insolvenzverwalter wird sich nun erst einmal einen Überblick über die wirtschaftliche Lage der Touratech AG verschaffen und Sanierungsoptionen prüfen. „Touratech hat bereits vor dem Insolvenzantrag mit seinen Beratern erste Grundzüge für ein Sanierungskonzept entworfen“, so Pehl nach seiner ersten Bestandsaufnahme. „Es geht nun zunächst darum, die begonnene Restrukturierung umzusetzen und Möglichkeiten zu entwickeln, um das Unternehmen auf eine gesunde finanzielle und wirtschaftliche Basis zu stellen, um den Standort und die Arbeitsplätze möglichst zu erhalten“, so Pehl weiter.

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