Lederkombis bis 800 Euro

Vergleichstest Lederkombis

Foto: fact

Die Lederkombi meldet sich zurück. Immer mehr Biker greifen verstärkt zum Naturdress. Dessen erstklassige Schutzwirkung ist unbestritten. Welche Zweiteiler der oberen Mittelklasse das Zeug zum Topmodell haben, klärt der Test.

Fast schien es, als seien die Tage der Lederkombi gezählt. Vor rund zehn Jahren begann der Siegeszug von Cordura, Gore-Tex und Co: In den Läden war plötzlich nur noch die Synthetik-Synthese gefragt. Folglich krempelten immer mehr Hersteller ihr Sortiment grundlegend um. Die Auswahl an Textilanzügen ist mittlerweile enorm groß. Heutzutage gibt es Kombis für weniger als 100 und weit über 1000 Euro.

Und die Lederkombi? Die geriet bei den Produktentwicklern immer mehr ins Abseits. Im preislich attraktiven Rahmen zwischen 500 und 800 Euro war es fast unmöglich, etwas in frischer Optik zwischen die Finger zu bekommen. Lediglich Racer-Fans wurde noch eine ansehnliche Auswahl offeriert – allerdings zu Preisen von 1000 Euro aufwärts.

Seit gut einem Jahr scheint der Abwärtstrend gestoppt. Die Kunden, so berichten Vertreter namhafter Marken, fragen wieder verstärkt nach Lederanzügen, wollen knackig eng anliegende Schutzhäute in angesagten Mustern. Ob eher emotionale Gründe den Ausschlag für den Sinneswandel geben oder rationale Argumente wie die höhere Abriebfestigkeit von Leder im Vergleich zu Textilmaterialien, sei dahingestellt. Gut jedenfalls für die Hersteller, die mit ihrer Lederkollektion am Ball geblieben sind.

MOTORRAD hat für diesen Test acht Modelle in der Preisregion zwischen 700 und 800 Euro zusammengestellt und im bewährten Mix aus Praxis- und Labortest bewertet. Denn was auf dem Laufsteg top aussieht, kann im Alltag mächtig versagen. Und umgekehrt sich so manch graue Maus – einmal in Fahrt gebracht – kräftig in Szene setzen. Deshalb nun Bühne frei, willkommen bei: MOTORRAD sucht das neue Topmodell!

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Lederkombis bis 800 Euro Vergleichstest Lederkombis
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Alpinestars Octane und Arlen Ness Lizzard

Foto: Schahl
Alpinestars Octane; MOTORRAD Urteil: sehr gut

Alpinestars Octane - Der MOTORRAD Testsieger
Anbieter: Alpinestars, Telefon 0039/0423/5286, www.alpinestars.com
Preis: 689,95 Euro

Materialien: Rindleder, Stärke 1,2
bis 1,4 Millimeter; fest vernähtes Netzfutter aus Polyester

Farben: Blau, Rot, Schwarz, Weiß

Größen: Herren 46 bis 60, in Schwarz bis Größe 64

Gewicht: 4,6 Kilogramm

Ausstattung: perforierte Ledereinsätze, Knieschleifer

Protektoren: CE-zertifizierte Hartschalenprotektoren an Schultern, Ellbogen, Knie und Schienbeinen; Polsterungen an Hüfte und Steiß;
Rückenprotektor nachrüstbar

Plus
Sehr geschmeidiges Leder, lässt sich sehr angenehm tragen; toller, bequemer Schnitt; Protektoren sehr gut und verrutschsicher im Leder positioniert; Kragen gut geschnitten, drückt selbst bei sehr sportlicher Haltung nicht; angenehm belüftet

Minus
Schutzflächen der Protektoren fallen sehr klein aus; Ärmelbündchen eine Spur zu weit

Fazit
Geschmeidig wie ein komfortabler Sportanzug – so die Bilanz zur Alpinestars Octane. Dazu glänzt der Zweiteiler mit einer sauberen Verarbeitung und solider Ausstattung. Die Protektoren liegen gut an, sind zum Teil (an den Knien und Schultern) aber nur für kleine Schutzflächen zertifiziert. Beim Stoßdämpfungstest zeigen sie dagegen akzeptable Werte.

Foto: Schahl
Arlen Ness Lizzard; MOTORRAD Urteil: gut

Arlen Ness Lizzard
Anbieter: Held, Telefon 08321/66460, www.held-biker-fashion.de
Preis: Herren 699 Euro, Damen 649 Euro

Materialien: Rindleder, Stärke 1,2 bis 1,4 Millimeter; fest vernähtes Netzfutter aus Polyester

Farben: Azur, Grün, Rot, Schwarz/Grau/Weiß, Weiß/Schwarz/Grau
Größen: Herren 48 bis 58, Damen 38 bis 44 (nicht in allen Farben erhältlich)

Gewicht: 4,7 Kilogramm

Ausstattung: perforierte Ledereinsätze, Knieschleifer

Protektoren: CE-zertifizierte Weichschaumprotektoren an Schultern, Ellbogen, Knien und Schienbeinen; Polsterungen an Oberschenkeln, Hüfte und Steiß; Tasche für nachrüstbaren Rückenprotektor

Plus
Sehr geschmeidiges Leder; guter Schnitt, Proportionen stimmen; aufgrund der Perforierung auch bei hohen Temperaturen angenehm zu tragen; Passform selbst bei extrem sportlicher Haltung sehr komfortabel

Minus
Reibt unangenehm an den Ärmelbündchen; Protektoren leicht drückend, Knie- und Rückenstretch aus einfachem Textilgewebe

Fazit
Breitband-Zweiteiler, mit dem man sich auf gemütlichen Touren wie auch forschen Sportfahrten wohlfühlt. Die Verarbeitung ist ordentlich, könnte jedoch bei Details wie den Armabschlüssen verbessert werden. Die Prüfstandsergebnisse der Protektoren sind gut, werden aber durch Mängel wie falsche Zuordnung (Schulterprotektor im Knie eingesetzt) geschmälert.

Berik Motard und Büse Donington

Foto: Schahl
Berik Motard; MOTORRAD Urteil: Gut

Berik Motard
Anbieter: Held, Telefon 08321/66460, www.held-biker-fashion.de
Preis: Herren 799 Euro, Damen 749 Euro

Materialien: Rindleder, Stärke 1,2 bis 1,4 Millimeter; fest vernähtes Netzfutter aus Polyester

Farben: Schwarz/Weiß/Bronze, Schwarz/Weiß, Weiß/Rot

Größen: Herren 48 bis 58, Damen 38 bis 44 (nicht in allen Farben erhältlich)

Gewicht: 4,9 Kilogramm

Ausstattung: perforierte Ledereinsätze, Knieschleifer

Protektoren: CE-zertifizierte Weichschaumprotektoren an Schultern, Ellbogen, Knien und Schienbeinen; Polsterungen an Oberschenkeln, Hüfte und Steiß; Tasche für nachrüstbaren Rückenprotektor; Titan-Kappen an Schultern, Ellbogen und Knien

Plus
Sehr geschmeidiges, weiches Leder, äußerst angenehm zu tragen; perfekter Sitz, ermöglicht hohe Beweglichkeit; angenehme Belüftung; sehr gut proportionierte Längen; tolle Anbindung ans Motorrad

Minus
Protektoren teils nur für kleine Schutzflächen zertifiziert; leicht einschneidende Sitzfalte

Fazit
Tolle Sportkombi mit guter Ausstattung und hervorragender Passform. Für diejenigen, die mit Standardgrößen klarkommen, hat die Berik fast schon Maßanzugscharakter. Die Protektorenausstattung ist baugleich zur Arlen-Ness-Kombi mit den gleichen Stärken (gute Dämpfungswerte) und Schwächen (falsche Zertifizierung).

Büse Donington
Anbieter: Büse, Telefon 02471/12690, www.buese.com
Preis: ab 699 Euro

Materialien: Rindleder, Stärke 1,2 bis 1,4 Millimeter; herausnehmbares Netzfutter aus Polyester

Farben: Blau, Grün, Neon-Rot, Orange, Rot, Silber

Größen: Herren 48 bis 62, Damen 36 bis 42 (nicht in allen Farben erhältlich)

Gewicht: 5,8 Kilogramm

Ausstattung: Belüftungseinlässe, Rückenhöcker, Knieschleifer

Protektoren: CE-zertifizierte Weichschaumprotektoren an Schultern, Ellbogen, Knien, Schienbeinen und Rücken; Polsterungen an der Hüfte; eingenähte Karbon-Fiber-Kappen an Schultern, Ellbogen und Knien

Plus
Ansehnlich verarbeitet; Arm- und Beinabschlüsse weich gepolstert; umfangreiches Protektorenset mit erstklassigen Dämpfungswerten

Minus
Viele Druckstellen; Protektoren liegen nicht exakt an, können sich verdrehen; kleine Schutzfläche beim Rückenprotektor; schwer

Fazit
Schwere Tourenkombi, der es eindeutig an Passform und einem aufs Motorrad angepassten Schnitt mangelt. Zwar besitzt die Büse-Kombi erstklassige Protektoren, die sich aber durch die schlechte Passform schnell von den zu schützenden Gelenken wegdrehen können.

Held R9 und IXS Firestroke

Foto: Schahl
Held R9; MOTORRAD Urteil: befriedigend

Held R9
Anbieter: Held, Telefon 08321/66460, www.held-biker-fashion.de
Preis: 699 Euro

Materialien: Rindleder, Stärke 1,2 bis 1,4 Millimeter; herausnehmbares Netzfutter aus Polyester

Farben: Weiß/Blau, Weiß/Rot, Weiß/Silber

Größen: Herren 48 bis 62; 98 bis 110, Damen 38 bis 44 (teils nicht in allen Farben erhältlich)

Gewicht: 4,4 Kilogramm
Ausstattung: perforierte Ledereinsätze, Rückenhöcker, Klettaufnahmen für Knieschleifer

Protektoren: CE-zertifizierte Weichschaumprotektoren an Schultern, Ellbogen, Knien und Schienbeinen; Polsterungen an Hüfte und Steiß; Tasche für nachrüstbaren Rückenprotektor; aufgesetzte Titan-Kappen an Schultern und Ellbogen

Plus
Sauber verarbeitet; leicht; in vielen Größen erhältlich

Minus
Faltenbildung an Ärmeln, Beinen und Oberkörper, teils einschneidend; Kragen drückt schon bei relativ aufrechter Sitzhaltung; Protektoren an Ellbogen und Schulter können sich verschieben

Fazit
Ansehnlich verarbeitete Tourenkombi, die allerdings ziemlich unbeweglich am Körper anliegt. Druckstellen am Kragen und störende Falten an den Ärmeln und Beinen schränken den Komfort der R9-Kombination erheblich ein. Der Wirkungsgrad der Protektoren ist gut, der exakte Sitz am Körper aber nicht. In puncto Gewicht setzt der Held-Anzug eine Bestmarke.

Foto: Schahl
IXS Firestroke; MOTORRAD Urteil: gut

IXS Firestroke
Anbieter: Hostettler, Telefon 07631/18040, www.ixs.de
Preis: 729 Euro

Materialien: Rindnappaleder, Stärke 1,2 bis 1,4 Millimeter; fest vernähtes, antiseptisches Netzfutter aus Polyester

Farben: Schwarz, Schwarz/Blau, Schwarz/Rot, Weiß/Schwarz

Größen: Herren 48 bis 60 plus lange und kurze Größen, Damen 34 bis 44 (kurz nur in Schwarz erhältlich)

Gewicht: 5,1 Kilogramm

Ausstattung: Knieschleifer

Protektoren: CE-zertifizierte Weichschaumprotektoren an Schultern, Ellbogen, Knien und Schienbein; Polsterungen an Hüfte und Steiß; Tasche für nachrüstbaren Rückenprotektor; Kunststoff/Metall-Kappen
an Schultern, Ellbogen und Knien

Plus
Weiches, sehr geschmeidiges Leder, lässt sich sehr angenehm tragen; ausgewogene, gut proportionierte Größen und Längen; saubere Verarbeitung mit praxisgerechten Detaillösungen

Minus
Ärmel zu weit geschnitten, Ellbogen-Protektoren liegen nicht exakt an; Kragen klappt sehr weit auf

Fazit
Sauber ausgestattete Lederkombi zu einem attraktiven Preis. Die Firestroke wird vor allem komfortbewusste Tourenfahrer überzeugen, Sportfahrer würden sich insgesamt einen engeren, körperbetonten Schnitt wünschen. Die Protektoren zeigen auf dem Prüfstand lediglich durchschnittliche Werte, und sie könnten vor allem besser positioniert sein.

M-Tech Skorpion und Spidi Varitek Touring

Foto: Schahl
M-Tech Skorpion; MOTORRAD Urteil: befriedigend

M-tech Skorpion
Anbieter: Bewa Motorsport, Telefon 06284/920910, www.bewa-motorsport.de
Preis: 799,90 Euro

Materialien: Rindleder, Stärke 1,2 bis 1,4 Millimeter; fest vernähtes Netzfutter aus Nylon

Farben: Schwarz/Silber, Schwarz/Blau, Schwarz/Rot, Schwarz/Gelb, Schwarz/Grün

Größen: Herren 44 bis 60, Damen 38 bis 50

Gewicht: 4,6 Kilogramm

Ausstattung: Leder mit aufheizungsminimierender Ausstattung, hinterlegt mit winddichtem Cordura, Kevlar-Einsätze, Reflexeinsätze, Lufteinlässe an den Schultern, Knieschleifer

Protektoren: CE-zertifizierte Weichschaumprotektoren an Schultern, Ellbogen, Knien und Schienbein; Polsterungen an Brust, Hüfte, Knien und Schienbeinen

Plus
Geschmeidiges Leder; sauber und ansehnlich verarbeitet; exakt positionierte Protektoren; leicht

Minus
Sehr eng geschnitten; teils unausgewogene Proportionen; Arm- und Beinabschlüsse drücken; rutschige Sitzfläche

Fazit
Insgesamt sehr unausgewogen geschnittene Lederkombi, die sich weder beim aufrechten Touren noch in sportlich gebückter Haltung gut in Szene setzen kann. Überzeugend dagegen sind das Ausstattungspaket und die Verarbeitung. Lobenswert: die vielen Reflektoren.

Foto: Schahl
Spidi Varitek Touring

Spidi Varitek Touring
Anbieter: Spidi Sport, Telefon 0039/0444/436411, www.spidi.it
Preis: 787,90 Euro

Materialien: Rindleder, Stärke 1,2 bis 1,4 Millimeter; fest vernähtes Netzfutter aus Polyester

Farbe: Schwarz

Größen: Herren 46 bis 62

Gewicht: 4,7 Kilogramm

Ausstattung: Reflexpaspel, Rückenhöcker, Kragen und Arm-bündchen mit Neopren eingefasst

Protektoren: CE-zertifizierte Hartschalen- und Weichschaumprotektoren an Schultern, Ellbogen, Hüfte, Knien und Schienbein; Tasche für nachrüstbaren Rückenprotektor; Polsterungen an Brust und Oberschenkeln

Plus
Geschmeidiges Leder, liegt sehr angenehm an; umfangreiche Protektorenausstattung, bis auf Hüftprotektor gute Dämpfungswerte

Minus
Ärmel zu weit geschnitten, Ellbogenprotektoren können sich verschieben; leichtes Spannungsgefühl am Rücken und im Kragenbereich bei tourensportlicher Haltung

Fazit
Schlicht gehaltener Tourenanzug, dem es etwas an Bewegungsspielraum mangelt. Der Oberkörper ist im Vergleich zur Hose sehr knapp geschnitten, bereits bei leicht gebückter Haltung nerven Druckstellen an den Schulterprotektoren und – trotz der Neopren-Einfassung – am Kragen.

Richtig kaufen - Ab in die Hocke

Beim Posing vor dem Spiegel lässt sich wenig über die Qualität der Lederkombi sagen. Schließlich muss diese insbesondere im Sitzen funktionieren. Bei der Anprobe im Laden hilft auf jeden Fall schon mal ein Stuhl, auf dem man die gewohnte Fahrhaltung einnimmt. Noch besser ist es, wenn das eigene Motorrad vor der Tür steht. Dann kann man leicht feststellen, ob das Kontaktgefühl zum Untersatz stimmt oder die Sitzfläche eine Spur zu rutschig ausfällt. Besonderes Augenmerk sollte auf den Sitz der Protektoren gerichtet werden. Liegen diese gut an, oder können sie leicht von den zu schützenden Gelenken weggeschoben werden? Weiter geht’s am Kragen: Klafft dieser auf oder drückt unangenehm am Hals? Probleme kann es auch in Kombination mit Handschuhen und Stiefeln geben: Handschuhstulpeund Armbündchen drücken aufs Handgelenk, oder der Stiefelschaft ist fürs protektorenbewehrte Schienbein einfach zu eng. Deshalb sollte man die Ausrüstung beim Kauf einer Lederkombi auf jeden Fall dabeihaben.

Leder richtig pflegen - Streicheleinheiten

Um die Lederkombi in der gewohnt guten Form zu halten, ist eine regelmäßige Pflege notwendig. Ansonsten wird das Naturprodukt schnell spröde. Lederkombis sollen nicht nur gegen Verletzungen optimal schützen, sondern zudem bei allen Wetterlagen komfortabel zu tragen sein. Damit das gute Stück atmungsfähig bleibt und auch Schweiß in Form von Wasserdampf nach außen transportieren kann, muss die äußere Narbenseite möglichst porentief offen gehalten werden. Durch das Behandeln mit Fett oder Balsam werden die Poren der gegerbten Haut aber regelrecht zugeschmiert. Besser ist ein Lederpflege-Öl, das ins Leder einziehen kann, es imprägniert und geschmeidig hält.
Sind die Protektoren herausnehmbar, können Kombis mit speziellem Lederwaschmittel (Bezug: www.leder-fein.de) im Schonwaschgang (30 Grad) auch in der Waschmaschine gewaschen werden. Nach schonendem Trocken (grundsätzlich tabu: Heizung oder Sonne) wird die Kombi durch Einölen wieder schön geschmeidig.

Protektoren auf dem Prüfstand - Ein guter Aufschlag

Der Schnitt kann sich sehen lassen: Von 26 getesteten Protektoren liegen alle im grünen Bereich. In Anlehnung an die europäische Norm für Gelenk- und Rückenprotektoren (EN 1621-1/-2) hat MOTORRAD auf einem Fallprüfstand (Firma Sas-Tec, Markgröningen, www.sas-tec.de) die Restkraftwerte der in den Kombis verbauten Protektoren ermittelt. Beim Falltest trifft ein Fünf-Kilo-Fallkörper aus einem Meter Höhe auf den Protektor. Ein Messkopf zeichnet die Restkräfte auf, deren Durchschnittswerte für Gelenkprotektoren bei 35 Kilonewton (kN) und für Rücken-protektoren der Klasse 1 bei maximal 18 kN liegen. Interessant ist ein Blick auf den Dämpfungsverlauf. Bestimmte Weichschaumprotektoren verteilen die Einschlag-Energie über einen langen Zeitraum (siehe Grafik). Bei anderen Typen steigt die Kurve steil an. Hier droht im Ernstfall schnell ein Knochenbruch.

Acht Kombis unter der Lupe - Detailarbeit

Acht Marken, acht Philosophien, achtbare Arbeit. Manches Detail ist gut, doch einiges müsste noch mal überdacht werden. Diese Dinge sind uns während des Tests aufgefallen.

Nur keinen dicken Hals bekommen:
Wichtig ist, dass der Kragen sowohl bei aufrecht touristischer wie auch sportlich gebückter Haltung angenehm anliegt. Gut gelöst bei Alpinestars

Bloß keine Kunststücke machen:
Wichtig ist, dass die Kombi in den Stretchzonen abrieb- und reißfest ist. Deshalb sollten diese wie an den Knien der Arlen-Ness-Kombi nicht aus Textil, sondern aus Leder bestehen

In die Enge treiben:
Um zu verhindern, dass sich die Ärmel beim Sturz gefährlich verdrehen können, müssen diese eng anliegend zugeschnitten sein. Bei der Berik-Kombi hat der Sitz besonders überzeugt

Ein Kniefall:
Stretchzonen machen eine Kombi schön beweglich. Bei der Büse-Kombi erfüllt der Stretcheinsatz am Knie indes keine Funktion. Hier fehlt ein handwerklich sauber
konstruiertes Gelenk

Echt verkappt:
Immer mehr Hersteller statten ihre Kombis in besonders gefährdeten Zonen mit abriebfesten Kappen aus, die im Bedarfsfall nach einem Sturz schnell und preiswert ersetzt sind

Reibungsverluste:
Schlecht vernähte Bündchen führen zu unangenehmen Druckstellen an den Handgelenken. Besonders angenehm sind die weich eingefassten Ärmel der Ixs

Ein tapferes Schneiderlein:
Durch eine besonders saubere Verarbeitung mit vielen wertigen Details ist die Newcomer-Marke M-Tech aufgefallen. In puncto Passform gab es trotzdem Defizte

Positionsbestimmung:
Protektoren müssen ausreichend groß sein und die Gelenke komplett abdecken. Hier gab es bei fast allen Herstellern Defizite

Ein- oder Zweiteiler? - Geteilter Meinung

Bei den Profis auf dem Rundkurs gibt es keine Diskussion: Rennfahrer starten ausnahmslos im Einteiler. Klar ist: Die Lederkombi muss unter allen Umständen besten Schutz bieten, weshalb sie beim Sturz möglichst wenig Angriffsfläche bieten soll. Bei Einteilern ist der Verbindungsreißverschluss als mögliche Schwachstelle, an der die Kombi auseinanderreißen kann, kein Thema. Allerdings ist diese Anzugart im Alltag eher hinderlich. Hier sind Zweiteiler, bei denen man in Pausen schon mal die Jacke ablegen kann, sinnvoller. Genügend Sicherheit bieten zweiteilige Lederkombis, wenn sie mit rundum laufenden Verbindungsreißverschlüssen ausgestattet sind, die fest im Leder vernäht sind und unter Zug nicht aufgehen. Finger weg von Exemplaren, bei denen der Reißverschluss nur wenige Zentimeter lang ist oder lediglich am Futter hängt.

So testet MOTORRAD - Auf den Punkt genau

Acht Zweiteiler der oberen Mittelklasse haben wir in bewährter Form durch eine Mischung aus Praxis- und Labortests untersucht und nach Punkten bewertet. Die Punkteverteilung inklusive der Notenvergabe finden Sie in der Endwertung auf Seite 76. Die Beurteilung der Kombis erfolgte in folgenden Kategorien.

Sicherheit (35 Punkte):
Die Summe der zu vergebenden Punkte macht deutlich, dass es sich um die wichtigste Kategorie in diesem Test handelt. Neben dem Stoßdämpfungstest der Protektoren (siehe unten) fließen zusätzlich deren Sitz sowie weitere Sicherheitsfeatures wie Nähte, Lederdopplungen und Materialverstärkungen ins Urteil ein.

Ausstattung/Verarbeitung (20 Punkte):
Was bietet die Kombi an Ausstattungsdetails (Taschen, herausnehmbares Futter, Belüftungsmöglichkeiten)? Stimmt die Verarbeitungsqualität?

Passform (25 Punkte):
Zwei verschiedene Standardgrößen wurden bei einer ausführlichen Anprobe und im Fahrbetrieb auf einer fest definierten Teststrecke bewertet. Stimmen die Arm- und Beinlängen, drückt der Kragen bei unterschiedlichen Sitzhaltungen, spannt der Rücken, stimmen Proportionen und Schnitt der Kombis?

Tragekomfort (20 Punkte):
Kann die Kombi in der Praxis überzeugen? Auf der supersportlichen Yamaha YZF-R1 und dem Allround-Flaggschiff Suzuki Bandit 1250 mussten die Zweiteiler zeigen, ob sie bei sportlicher und touristischer Gangart überzeugen: Bieten sie ausreichend Bewegungsfreiheit, sitzen sie angenehm druckfrei am Körper? Lassen sie sich gut mit Handschuhen und Stiefeln kombinieren? Und schließlich: Stimmt auch der Wert auf der Waage?

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