11 Imprägniermittel im Test

Sprays gegen Nässe und Schmutz

Platz 8: Bikecare Waterproof, 8,99 Euro, MOTORRAD-Urteil: befriedigendPlatz 7: Blink Imprägnier-Spray, 1,99 Euro, MOTORRAD-Urteil: befriedigendPlatz 10: Centralin All Spray Imprägnierer, 2,99 Euro, MOTORRAD-Urteil: mangelhaftPlatz 11: Erdal Xtreme Imprägnier-Schaumspray, 3,95 Euro, MOTORRAD-Urteil: mangelhaft
11 Bilder

Wir haben elf Imprägniermittel getestet, bewertet und miteinander verglichen. Konkret geht es um Imprägniersprays, da wir von "Wash-in-Imprägnierern" rein gar nichts halten. Warum? Das erklären wir im Testbericht.

Vorab: Auch eine Gore-Tex-Kombi will bisweilen imprägniert werden. Denn jede Klimamembran kommt an ihre Grenzen, wenn sie hinter einer nassen und schmutzigen Barrikade hängt. (Nach-)Imprägnieren ist also wichtig - und zwar nicht nur für Oberbekleidung, Handschuhe und Stiefel, sondern Rucksack und Zelt freuen.

Platz 1: S100 Imprägnier-Spray (Testsieger)

Volle Punktzahl in beiden Imprägnierleis­tungskategorien, auch ansonsten immer im Spitzenfeld – ein klarer, überlegener Testsieg!

Foto: mps-Fotostudio
Anbieter: Dr. O. K. Wack Chemie,  Tel. 08 41/63 50, www.s100.de
Anbieter: Dr. O. K. Wack Chemie, Tel. 08 41/63 50, www.s100.de

Füllmenge: 300 ml in Spraydose Preis: 12,99 Euro (gekauft bei Louis, Stuttgart), entspricht 43,30 Euro/Liter

Messwerte

Trockensubstanz: 2,41 %
Ausbringung nach 10 sek: 7,08 g
Kontaktwinkel Poly­ester/Polyacrylat: 158,6/150,2 Grad

Anwendung

Herstellervorgabe: aus ca. 20 cm gleichmäßig und nicht zu feucht auf trockenes Gewebe sprühen, Erwärmung verstärkt Imprägnierwirkung.
Praxis: geringe Vernebelung, guter Druckpunkt

Imprägnierleistung

Besprühtest Cordura: zehn Durchgänge (Durchschnittswert 100 Punkte), auf Polyacrylat zehn Durchgänge (Durchschnittswert 100 Punkte)
Schmutzabweisung: vier von vier Ölen bestanden

Rückstandsfreiheit: auf Cordura gut, auf Leder sehr gut

MOTORRAD-Urteil: sehr gut

Platz 2: Motorex Protex Spray

Spitzenwerte und damit volle Punktzahl beim Nässe- und Schmutz-Schutz, da lassen sich die liegen gelassenen Punkte bei der Rückstandsfreiheit locker verschmerzen. Zudem ist das Schweizer Produkt – zumindest für Motorex-Verhältnisse – auch noch relativ günstig.

Foto: mps-Fotostudio
Anbieter: Bucher AG Langenthal, Tel. 00 41/(0)62/9 19 75 75 (Schweiz), www.motorex.com
Anbieter: Bucher AG Langenthal, Tel. 00 41/(0)62/9 19 75 75 (Schweiz), www.motorex.com

Füllmenge: 500 ml in Spraydose Preis: 15,50 Euro (gekauft bei KTM, Stuttgart), entspricht 31,00 Euro/Liter

Messwerte

Trockensubstanz: 1,45 %
Ausbringung nach 10 sek: 19,12 g
Kontaktwinkel Poly­ester/Polyacrylat: 150,8/155,2 Grad

Anwendung

Herstellervorgabe: trockenes Material einsprühen und gut trocknen lassen.
Praxis: geringe Vernebelung, guter Druckpunkt

Imprägnierleistung

Besprühtest Cordura: zehn Durchgänge (Durchschnittswert 100 Punkte), auf Polyacrylat zehn Durchgänge (Durchschnittswert 100 Punkte)
Schmutzabweisung: vier von vier Ölen bestanden

Rückstandsfreiheit: auf Cordura mangelhaft, auf Leder mangelhaft

MOTORRAD-Urteil: sehr gut

Platz 3: Fibertec Textile Guard Pro

Bietet guten Schutz vor Nässe und Schmutz, hinterlässt kaum Spuren – gelungen!

Foto: mps-Fotostudio
Anbieter: Fibertec, Tel. 0 21 73/ 9 60 96 40, www.fibertec.info
Anbieter: Fibertec, Tel. 0 21 73/ 9 60 96 40, www.fibertec.info

Füllmenge: 500 ml in Pumpsprühflasche Preis: 14,95 Euro (gekauft bei Globetrotter, Stuttgart), entspricht 29,90 Euro/Liter

Messwerte

Trockensubstanz: 2,2 %
Ausbringung nach 10 sek: 18,21 g
Kontaktwinkel Poly­ester/Polyacrylat: 150,0/152,4 Grad

Anwendung

Herstellervorgabe: feuchte oder trockene Kleidung gleichmäßig einsprühen, mit einem Schwamm gleichmäßig in Stoff einreiben, Wärmebehandlung kann Imprägnierung verbessern.
Praxis: geringe Vernebelung, Pumpsprayer mit schlechtem Handling (Hebel zu kurz)

Imprägnierleistung

Besprühtest Cordura: zehn Durchgänge (Durchschnittswert 90 Punkte), auf Polyacrylat zehn Durchgänge (Durchschnittswert 82 Punkte)
Schmutzabweisung: vier von vier Ölen bestanden

Rückstandsfreiheit: auf Cordura gut, auf Leder befriedigend

MOTORRAD-Urteil: gut

Platz 4: W5 Outdoor Imprägnierspray (Kauftipp)

Das Testurteil „gut“ verfehlt die Lidl- Hausmarke und -Aktionsware nur um einen mick­rigen Punkt. Doch der Nässeschutz zum Discount-Niedrigpreis stimmt – klarer Kauftipp!

Foto: mps-Fotostudio
Anbieter: Lidl Stiftung, Tel. 08 00/4 35 33 61, www.lidl-info.com
Anbieter: Lidl Stiftung, Tel. 08 00/4 35 33 61, www.lidl-info.com

Füllmenge: 400 ml in Spraydose Preis: 1,99 Euro (gekauft bei Lidl,  Backnang), entspricht 4,98 Euro/Liter

Messwerte

Trockensubstanz: 0,53 %
Ausbringung nach 10 sek: 10,42 g
Kontaktwinkel Poly­ester/Polyacrylat: 153,2/147,5 Grad

Anwendung

Herstellervorgabe: aus ca. 30 cm aufsprühen und einwirken lassen, bis das Gewebe trocken ist
Praxis: starke Vernebelung, guter Druckpunkt

Imprägnierleistung

Besprühtest Cordura: zehn Durchgänge (Durchschnittswert 83 Punkte), auf Polyacrylat zehn Durchgänge (Durchschnittswert 96 Punkte)
Schmutzabweisung: eins von vier Ölen bestanden

Rückstandsfreiheit: auf Cordura ausreichend, auf Leder ausreichend

MOTORRAD-Urteil: befriedigend

Platz 5: Imprägnol Universal-Imprägnierspray (Kauftipp)

Ein „nur“ befriedigendes Urteil und trotzdem „Kauftipp“ – wie geht das denn? Weil für ­wenig Geld ein durchaus solider Nässeschutz geboten wird. Mit dem Schutz vor (Öl-)Schmutz hapert’s etwas, dafür stimmt die Rückstandsfreiheit.

Foto: mps-Fotostudio
Anbieter: Brauns-Heitmann,  Tel. 0 56 41/9 50,  www.brauns-heitmann.de
Anbieter: Brauns-Heitmann, Tel. 0 56 41/9 50, www.brauns-heitmann.de

Füllmenge: 400 ml in Spraydose Preis: 2,95 Euro (gekauft bei Müller, Stuttgart), entspricht 7,38 Euro/Liter

Messwerte

Trockensubstanz: 0,19 %
Ausbringung nach 10 sek: 14,1 g
Kontaktwinkel Poly­ester/Polyacrylat: 149,5/153,6 Grad

Anwendung

Herstellervorgabe: aus ca. 30 cm gleichmäßig einsprühen, nicht durchnässen, trocknen lassen
Praxis: geringe Vernebelung, guter Druckpunkt

Imprägnierleistung

Besprühtest Cordura: zehn Durchgänge (Durchschnittswert 84 Punkte), auf Polyacrylat zehn Durchgänge (Durchschnittswert 81 Punkte)
Schmutzabweisung: eins von vier Ölen bestanden

Rückstandsfreiheit: auf Cordura sehr gut, auf Leder gut

MOTORRAD-Urteil: befriedigend

Platz 6: Jack Wolfskin Apparel Proofer

Ordentlicher Nässeschutz, aber praktisch kein Schutz vor (Öl-)Schmutz, dazu noch ziemlich teuer – mehr als „befriedigend“ gibt’s nicht.

Foto: mps-Fotostudio
Anbieter: Jack Wolfskin, Tel. 0 61 26/95 40, www.jack-wolfskin.de
Anbieter: Jack Wolfskin, Tel. 0 61 26/95 40, www.jack-wolfskin.de

Füllmenge: 275 ml in Pumpsprühflasche Preis: 19,95 Euro (gekauft bei Jack Wolfskin, Stuttgart), entspricht 72,55 Euro/Liter

Messwerte

Trockensubstanz: 3,18 %
Ausbringung nach 10 sek: 18,09 g
Kontaktwinkel Poly­ester/Polyacrylat: 153,9/150,2 Grad

Anwendung

Herstellervorgabe: feuchte Bekleidung aus ca. 15 cm gleichmäßig und reichlich einsprühen, Überschuss mit feuchtem Tuch entfernen, Wärmebehandlung
Praxis: starke Vernebelung, Pumpsprayer mit schlechtem Handling

Imprägnierleistung

Besprühtest Cordura: zehn Durchgänge (Durchschnittswert 91 Punkte), auf Polyacrylat zehn Durchgänge (Durchschnittswert 90 Punkte)
Schmutzabweisung: keins von vier Ölen bestanden

Rückstandsfreiheit: auf Cordura mangelhaft, auf Leder ausreichend

MOTORRAD-Urteil: befriedigend

Platz 7: Blink Imprägnier-Spray

Solide Imprägnierleistung auf Cordura, aber große Schwächen auf dem sensibleren ­Polyacrylat. Mittelprächtig bei der Rückstandsfreiheit, dafür aber sehr günstig. Unterm Strich landet die Müller-Hausmarke im hinteren Mittelfeld.

Foto: mps-Fotostudio
Anbieter: Müller Großhandel,  Tel. 07 31/17 40, www.mueller.eu
Anbieter: Müller Großhandel, Tel. 07 31/17 40, www.mueller.eu

Füllmenge: 400 ml in Spraydose Preis: 1,99 Euro (gekauft bei Müller, Stuttgart), entspricht 4,98 Euro/Liter

Messwerte

Trockensubstanz: 0,4 %
Ausbringung nach 10 sek: 11,43 g
Kontaktwinkel Poly­ester/Polyacrylat: 153,3/145,1 Grad

Anwendung

Herstellervorgabe: wenige Sekunden aus ca. 30 cm einsprühen, nicht durchnässen lassen, ausreichend trocknen
Praxis: starke Vernebelung, guter Druckpunkt

Imprägnierleistung

Besprühtest Cordura: zehn Durchgänge (Durchschnittswert 97 Punkte), auf Polyacrylat fünf Durchgänge (Durchschnittswert 65 Punkte)
Schmutzabweisung: eins von vier Ölen bestanden

Rückstandsfreiheit: auf Cordura befriedigend, auf Leder mangelhaft

MOTORRAD-Urteil: befriedigend

Platz 8: Bikecare Waterproof

Eine durchwachsene Leistung. Das Polo- Hausmarkenprodukt hält Wasser befriedigend ab, schwächelt aber bei (Öl-)Verschmutzungen. Lobenswert: die Rückstandsfreiheit.

Foto: mps-Fotostudio
Anbieter: Polo, Tel. 0 21 65/8 44 02 00, www.polo-motorrad.de
Anbieter: Polo, Tel. 0 21 65/8 44 02 00, www.polo-motorrad.de

Füllmenge: 250 ml in Spraydose Preis: 8,99 Euro (gekauft bei Polo, Leinfelden-Echterdingen), entspricht 35,96 Euro/Liter

Messwerte

Trockensubstanz: 2,53 %
Ausbringung nach 10 sek: 6,88 g
Kontaktwinkel Poly­ester/Polyacrylat: 145,6/144,5 Grad

Anwendung

Herstellervorgabe: aus 25 cm kurz einsprühen und 30 Minuten trocknen lassen, sparsame Anwendung empfohlen
Praxis: starke Vernebelung, hoher Druckpunkt

Imprägnierleistung

Besprühtest Cordura: zehn Durchgänge (Durchschnittswert 83 Punkte), auf Polyacrylat zehn Durchgänge (Durchschnittswert 76 Punkte)
Schmutzabweisung: keins von vier Ölen bestanden

Rückstandsfreiheit: auf Cordura sehr gut, auf Leder gut

MOTORRAD-Urteil: befriedigend

Platz 9: Nikwax TX Direct Spray-On

Enttäuschende Imprägnierleistung, nur unbefriedigende Rückstandsfreiheit, dafür aber ein ambitionierter Preis – sorry, das war nichts!

Foto: mps-Fotostudio
Anbieter: Nikwax, Tel. 00 44/(0)18 92/78 64 00 (Großbritannien), www.nikwax.com
Anbieter: Nikwax, Tel. 00 44/(0)18 92/78 64 00 (Großbritannien), www.nikwax.com

Füllmenge: 300 ml in Pumpsprühflasche Preis: 15,95 Euro (gekauft bei Sport Scheck, Stuttgart), entspricht 53,17 Euro/Liter

Messwerte

Trockensubstanz: 2,78 %
Ausbringung nach 10 sek: 23,51 g
Kontaktwinkel Poly­ester/Polyacrylat: 151,2/148,9 Grad

Anwendung

Herstellervorgabe: aus 15 cm gleichmäßig auf feuchtes/nasses Obermaterial sprühen, Überreste nach zwei Minuten mit feuchtem Tuch einreiben
Praxis: starke Vernebelung, Pumpsprayer mit schlechtem Handling

Imprägnierleistung

Besprühtest Cordura: zehn Durchgänge (Durchschnittswert 72 Punkte), auf Polyacrylat vier Durchgänge (Durchschnittswert 67 Punkte)
Schmutzabweisung: keins von vier Ölen bestanden

Rückstandsfreiheit: auf Cordura mangelhaft, auf Leder ausreichend

MOTORRAD-Urteil: mangelhaft

Platz 10: Centralin All Spray Imprägnierer

Nicht überzeugend auf Cordura, extrem schwach auf Polyacrylat – da gibt’s für die Imprägnierleistung nur sehr wenige Punkte. Rückstandsfreiheit und Schutz vor Schmutz? Auch nur mäßig. Da hilft auch der Preis nicht weiter.

Foto: mps-Fotostudio
Anbieter: Centralin-Gesellschaft Kircher Chemie, Tel. 0 21 04/1 40 80, www.centralin.com
Anbieter: Centralin-Gesellschaft Kircher Chemie, Tel. 0 21 04/1 40 80, www.centralin.com

Füllmenge: 400 ml in Spraydose Preis: 2,99 Euro (gekauft bei Müller, Stuttgart), entspricht 7,48 Euro/Liter

Messwerte

Trockensubstanz: 0,21 %
Ausbringung nach 10 sek: 10,02 g
Kontaktwinkel Poly­ester/Polyacrylat: 152,5/144,8 Grad

Anwendung

Herstellervorgabe: aus ca. 30 cm gleichmäßig aufsprühen und trocknen lassen, bei Tropfenbildung auf Leder nachreiben
Praxis: starke Vernebelung, guter Druckpunkt

Imprägnierleistung

Besprühtest Cordura: zehn Durchgänge (Durchschnittswert 76 Punkte), auf Polyacrylat ein Durchgang (50 Punkte)
Schmutzabweisung: eins von vier Ölen bestanden

Rückstandsfreiheit: auf Cordura befriedigend, auf Leder mangelhaft

MOTORRAD-Urteil: mangelhaft

Platz 11: Erdal Xtreme Imprägnier-Schaumspray

Das Schaumspray lässt sich einfach anwenden, versagt bei den Imprägnierleistungsversuchen in Sachen Nässeschutz aber total. Vielleicht doch lieber nur für Lederschuhe? Wer weiß, hier gibt’s jedenfalls nur die rote Laterne.

Foto: mps-Fotostudio
Anbieter: Erdal-Rex, Tel. 0 61 31/9 64 02, www.erdal.de
Anbieter: Erdal-Rex, Tel. 0 61 31/9 64 02, www.erdal.de

Füllmenge: 400 ml in Spraydose Preis: 3,95 Euro (gekauft bei Müller, Stuttgart), entspricht 9,88 Euro/Liter

Messwerte

Trockensubstanz: 0,82 %
Ausbringung nach 10 sek: 18,13 g
Kontaktwinkel Poly­ester/Polyacrylat: nicht messbar, da Tropfen sofort einzieht

Anwendung

Herstellervorgabe: aus ca. 10 cm gleichmäßig aufsprühen, gleichmäßig mit Tuch oder Schwamm einmassieren und vollständig trocknen lassen
Praxis: kaum Vernebelung (Schaum), guter Druckpunkt

Imprägnierleistung

Besprühtest Cordura: ein Durchgang (0 Punkte), auf Polyacrylat ein Durchgang (0 Punkte);
Schmutzabweisung: eins von vier Ölen bestanden

Rückstandsfreiheit: auf Cordura gut, auf Leder befriedigend

MOTORRAD-Urteil: mangelhaft

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Motorex Protex Spray17,49 €2Bei Amazon bestellen
Nikwax TX Direct7,19 €9Bei Amazon bestellen
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W5 Outdoor Imprägnierspray (Kauftipp)1,99 €4Im Einzelhandel verfügbar

Motorradbekleidung richtig imprägnieren

Wirksames Imprägnieren ist zwar keine Ingenieurwissenschaft, erfordert aber das Beachten einiger Feinheiten. Und unterscheidet sich durchaus von Produkt zu Produkt.

Foto: Joos

Klingt banal, ist aber der mit Abstand wichtigste Imprägnier-Tipp: unbedingt die Anwenderhinweise des Imprägniermittel-Herstellers beachten! Auch wenn coole Typen keine Bedienungsanleitungen lesen, sollten sie hier eine Ausnahme machen. Denn ob Wasser und Schmutz nach der Behandlung tatsächlich draußen bleiben, hängt mit davon ab, ob die Oberfläche beim Imprägnieren trocken oder nass ist oder ob mit viel oder wenig Imprägnierer gearbeitet wird.

Einige Mittel müssen zusätzlich von Hand eingearbeitet werden oder benötigen eine abschließende Wärmebehandlung im Trockner oder per Bügeleisen.

Grundsätzlich gilt: nur saubere Flächen behandeln, ­also Textilien (ohne Protektoren!) vorab waschen, Leder zumindest mit einem leicht feuchten Tuch von Insektenresten u.  Ä. befreien und gegebenenfalls (Anwenderhinweise!) bei Zimmertemperatur trocknen lassen, bevor imprägniert wird.

Ganz wichtig: Wer sich die Mühe macht, seinen membranbestückten Fahreranzug in die Waschmaschine zu stecken, darf niemals Weichspüler verwenden, denn der ruiniert zuverlässig die Membran. Normales Waschmittel ist okay, wer es besonders gut machen möchte, greift zu den ­Spezialwaschmitteln, die einige Imprägniermittel-Hersteller im Programm haben.
Achtung: Damit sind keine Wash-in-Imprägnierer gemeint, die halten wir für Unsinn!

Da die imprägnierenden Bestandteile immer in einer Lösung vorliegen – ob nun wasser- oder lösemittelbasiert, ist egal –, ist es zielführend, Flasche oder Dose vor der Anwendung kräftig und gern etwas länger zu schütteln, damit nicht nur Wasser oder Treibgas versprüht werden.

Dabei kann man sich Gedanken darüber machen, welche Stellen eventuell eine zweite Behandlung vertragen könnten. Zum Beispiel Bündchen, Knickstellen, Nähte, von Rucksackgurten strapazierte Flächen und die Sitzfläche.

Der Gesundheitstipp zum Schluss: Nur im Freien oder an sehr gut belüfteten Orten imprägnieren.

So testete MOTORRAD die Imprägniermittel

In Drogeriemärkten und bei Outdoor-Ausrüstern treiben sich die MOTORRAD-Testmustereinkäufer dienstlich eher selten herum. Das war diesmal anders. Und auch das von "total simpel" bis "fast Raketentechnik" reichende Messprozedere war etwas ungewöhnlich.

Die Testmuster der Imprägniermittel kaufte MOTORRAD im Juni 2017 im Großraum Stuttgart. Die Tests erfolgten im Labor der Alfred Kärcher GmbH & Co. KG in Winnenden, wo Laborleiter und Motorradfahrer Frank Ritscher zuvor mehrfach gewaschene Textilien (Cordura 500 und Polyacrylat) nach Herstellervorschrift mit den Imprägnierern behandelte.

Als zusätzlicher Untergrund für den mit gezielter Überdosierung durchgeführten Rückstandsfreiheits-Test der Imprägniermittel diente grundgereinigtes Rindsleder. Mit einem "Drop Chape Analyzer" wurden die Winkel vermessen, mit denen die Tropfen auf dem imprägnierten Stoff (Polyester und Polyacrylat) auflagen. Faustregel: je größer der Winkel (und damit geringer die Auflagefläche), desto besser.

Bei der Trockensubstanz-Analyse ließ sich mithilfe einer beheizten Präzisionswaage ermitteln, wie hoch der Wirkstoffanteil jedes Imprägniermittels ist. Die Winkel- und Prozentwerte sind in den Produktkästen zu finden, wurden aber nicht explizit bepunktet.

Um richtig viele Punkte ging es dagegen beim "Standard Spray ­Rating Test", einer international anerkannten Testmethode, mit der die Imprägnierleistung in Sachen Nässeschutz beurteilt werden kann. Dabei regnen je 250 ml destilliertes Wasser in bis zu zehn Durchgängen über den imprägnierten Stoff. Nach jedem Durchgang wird die Benetzung beurteilt (100 Punkte: keine Benetzung, 50 Punkte: flächige Benetzung und Abbruch, 0 Punkte: komplette Benetzung bzw. Durchnässung).

Beim Schmutzabweisungs-Test in Anlehnung an die DIN EN ISO 14419 ging es darum, ob sich vier verschiedene, in ihrer Oberflächenspannung abnehmende Öltropfen auf dem imprägnierten Textil als Tropfen hielten (gut) oder "einsickerten"(schlecht).

Auswirkungen auf die Umwelt

Beim Imprägnieren geht es darum, eine Art hauchdünnen, Wasser und Schmutz abweisenden Film über den Oberstoff zu legen. Das geschieht sehr oft mithilfe von Fluorcarbonharzen, einer großen Gruppe von Kohlenstoffverbindungen, die zu den per- und polyfluorierten Chemikalien, kurz PFC gehören. Stoffe der PFC-Gruppe sind recht langlebig, können nicht ganz so einfach, womöglich gar nicht abgebaut werden und außerdem schädlich sein.

Wie man die davon ausgehenden Gefahren und die Auswirkungen auf die Umwelt gemessen am Motorradfahren einstuft, ist vor allem eine persönliche Entscheidung. Tatsache ist, dass Fluorcarbone nicht gekennzeichnet werden müssen und sich in der Imprägnier-Praxis bewährt haben. Nikwax wirbt als einziges der getesteten Produkte ausdrücklich mit dem Hinweis "PFC-frei". Ob das eher bescheidene Testergebnis im direkten Zusammenhang damit steht, entzieht sich aber unserer Kenntnis.

Das Testfeld der Imprägniermittel teilt sich auf in lösemittelbasierte und wasserbasierte Produkte. Die lösemittelbasierten stecken in Spraydosen mit Treibgasen, die daher (und nicht etwa wegen des eigentlichen Imprägniermittels) Warnhinweise tragen müssen. Wasserbasierte Imprägniermittel werden in Pumpsprühflaschen angeboten. Ein wasserabweisendes Produkt in einer wässrigen Lösung unterzubringen, dürfte eine gewisse Herausforderung darstellen. Dass das aber durchaus funktionieren kann, zeigt die gute Platzierung von Fibertec. Der klare Testsieger S100 und auch das ebenfalls mit "sehr gut" beurteilte Motorex-Produkt treten allerdings in der bewährten Spraydose an – Zufall?

Imprägniermittel aus Sprühdosen haben einen gravierenden Nachteil: den Geruch. Der aber ist beabsichtigt, damit der Anwender im eigenen Gesundheitsinteresse dazu gezwungen wird, an die frische Luft zu gehen. Mit Spraydosen lässt sich meist sehr gezielt und dosiert arbeiten; Pumpsprühflaschen sind da unter Umständen etwas benachteiligt.

Produktart, Preisunterschiede, Haltbarkeit

MOTORRAD testete ausschließlich Produkte zum Aufsprühen. Sogannte Wash-in-Imprägnierer, die beim Waschen in der Waschmaschine auf die Bekleidung gelangen sollen, halten wir für überflüssig und sogar kontraproduktiv. Denn warum soll auch die Innenseite eines Bekleidungsstücks wasserabweisend behandelt werden?

Bei kaum einem anderen Test der jüngeren Vergangenheit gab es solche Preisunterschiede wie bei diesem Imprägnierer-Test. Die Literpreise reichen von 4,98 bis 72,55 Euro! Der Vergleich der Ausbringungsmengen relativiert es ein wenig: Wer z. B. für 10 Sekunden auf den S100-Auslöser drückt, versprüht rund 7 Gramm. Im gleichen Zeitraum verlässt doppelt so viel die Imprägnol-Spraydose. Komplizierter wird es, wenn man sich den Wirkstoffgehalt etwas genauer anschaut: Der reicht von 0,19 Prozent bis zu 3,18 Prozent – und trotzdem liegen die Leistungen dieser beiden Extreme nicht so weit auseinander, wie man vermuten könnte.

Noch komplizierter wird es, wenn man den Faktor Haltbarkeit ins Spiel bringt. Leider konnten wir den wir aus methodischen Gründen (Reproduzierbarkeit, Vergleichbarkeit) nicht testen. Eine nicht-repräsentative Erfahrung aus dem MOTORRAD-Redaktionsalltag: Die Imprägnierleistung des Testsiegers S100 hält richtig lange an. Inwieweit das die Schnäppchen aus dem Drogerie- oder Supermarkt schaffen, wissen wir leider nicht. Das finanzielle Risiko eines Selbstversuchts Ihrerseits hält sich aber in Grenzen.

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