Motorradreise Griechenland Ionische Inseln Dirk Schäfer
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Motorradreise Griechenland Ionische Inseln

Motorradreise Griechenland Ionische Inseln Inselritt auf Lefkada, Kefalonia und Ithaka

Der alljährliche Vatertagsausflug mit den Kumpels steht an. Machen wir jedes Jahr. Dieses Mal ist vieles anders. Nicht nur, weil die Anreisefrage unsere Reisegruppe spaltet. Auch Göttervater Zeus will ein Wort mitreden und bringt ein paar Überraschungen auf den Weg. Ein nichtalltäglicher Inselritt.

Es gibt Komfortbewusste. Es gibt Preisorientierte. Dann solche, die für eine gewisse Zeit die Komfortzone verlassen. Meine besten Kumpels gehören zu Letzteren. Aber das scheint sich jetzt zu ändern. Zumindest bei einigen. Wie sonst wären wir in eine solche Situation geraten? Die tief gestaffelten Bergketten hinter Igoumenitsa werden von einer apfelsinenfarbenen Sonne geflutet und die Schatten, die gerade noch auf den Häusern der Hafenstadt lagen, werden von ihr zurückgedrängt.

Anreise mit der Fähre oder über den Balkan

Im Zeitlupentempo läuft die "Olympic Express" an die Kaimauer. Kurz darauf rolle ich mit der KTM von Bord. Mein Helm baumelt an der Ortliebtasche, der Fahrtwind streicht mild übers Gesicht. Nach ein paar Hundert Metern ist das Dennis-Hopper-Feeling auch schon wieder vorbei. Nicht wegen griechischer Ordnungshüter, die die Helmpflicht ohnehin lax interpretieren, sondern wegen der Africa Twin vor dem "Café Timo". Guido, der über den Balkan anreisen wollte, ist schon da und hat, als er die "Olympic Express" einlaufen sah, einen Cappuccino für mich mitbestellt. Herrlich! "Hast Du schon was von den anderen gehört?", will ich wissen und schlürfe am Milchschaum. "Ja, sie sind vorhin auf Korfu gelandet. Jetzt müssen sie nur noch den Mietwagen abholen, aufs Festland übersetzen und auf die mit dem Festland verbundene Insel Lefkada fahren, wo sie ihre Mietmotorräder abgreifen können." Ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen, Guido grinst. "Ja. Und weil es noch etwas dauert, habe ich vorgeschlagen, dass wir zwei schon nach Lefkada vorfahren."

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Kefalonia: freudvolle Fahrt vom Strand Richtung Agia Paraskevi auf legaler Piste.

Wir legen los. Gibt es etwas Besseres als Küstenstraßen? Bergige, kurvige Küstenstraßen? Vorbeifliegende Ortsnamen und Hinweisschilder werfen mich in den Geschichtsunterricht zurück. Hades, Styx … Was war damals hier passiert? Legenden? Wahre Geschichte? An der Brücke nach Lefkas ist der Rückfall in langweilige Schulzeiten vergessen und der landseitige Inseltörn kann beginnen. Zumindest für Guido und mich, denn die lieben Freunde sind immer noch nicht eingetroffen. Planänderung: Wir treffen uns heute Abend am Südende der Insel, in Vasiliki. Das kann man nicht verfehlen und wir werden bis dahin auf der gebirgigen Westseite der Insel unseren Spaß haben. Denken wir.

Die muschelförmige Bucht von Agios Nikitas zieht vorbei, dann der lange goldgelbe Strand von Milos. Wir könnten ins erfrischende Wasser springen. "Nee, lass uns noch bis Porto Katsiki weiterfahren. Da ist es noch geiler!" Wir surfen mit den Zweizylindern durch freakige Kurven, über Panorama-Anhöhen, bis …

Regenzeit in Kenia ist ein Kindergeburtstag dagegen

Wo kommen diese Wolken jetzt plötzlich her? Vom Festland aus drückt eine schwarze Wand über die Klippen des Südsee-Feeling verbreitenden Traumstrands von Porto Katsiki. Aus der Strandnummer wird nichts. Aber was dann wird, verschlägt uns den Atem: Nicht, dass es zu regnen beginnt, sondern wie es zu regnen beginnt. Der Beginn der Regenzeit in Kenia ist ein Kindergeburtstag dagegen. Im prasselnden Regen ruft Guido mir zu: "Lass uns die Abkürzung nach Vasiliki nehmen!" Die Abkürzung besteht aus einer vier Kilometer langen, eigentlich guten Piste. Kein Problem für die Enduros. Normalerweise. Hastig machen wir uns an den Abstieg Richtung Vasiliki. Soweit die Sicht durch die Regenwand hastige Fahrweise überhaupt zulässt. Mittlerweile sehen die Bikes aus, als kämen wir aus Kenia.

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Kurzer Wow-Stop auf der Klippe, die über die Bucht von Myrtos hinwegschaut.

Aber der dickste Brocken wartet noch auf uns. Vielleicht 300 Meter von unserem Treffpunkt im Stadtzentrum entfernt, überspannt eine niedrige Brücke ein mildes Bächlein. Dieses hat sich inzwischen aber zu einer reißenden Flut aus braunem Schlamm entwickelt. Polizei und Feuerwehr haben die Straße gesperrt. Kein Durchkommen. Aber auf unserer Seite der Flut gibt es keine regensichere Unterkunft. Die nächsten sind nur einen Steinwurf entfernt, auf der anderen Seite. "Gibt es eine Umfahrung?", wollen wir wissen. "Ja, über Lefkas", gestikuliert ein pitschnasser Feuerwehrmann. Was? 80 Kilometer Umweg bei diesem Dreckswetter? Da muss es doch eine Alternative geben!

Ein kleiner Feldweg, über den sich ein jungfräuliches, aber bereits tiefbraunes Bächlein den Weg Richtung Meer bahnt, ist unsere Option. Keine fünf Minuten später fahren wir durch einen Fluss. Zu allem Überfluss ist es dunkel geworden. Noch nie habe ich mich so sehr an der Leuchtanzeige des GPS festgehalten. Man sieht fast nicht, wohin man fährt. Zwar sind die Feldwege im Navigationsapparat vermerkt, stehen aber samt der angrenzenden Felder vollständig unter Wasser. Nach der Regenzeit in Kenia kommt also jetzt die Fahrt durch den Amazonas.

"Was nehmt ihr? Ouzo? Tsipouro?"

20 Minuten später erreichen wir die triefnassen Freunde. Schnell irgendwo ins Trockene! Mit entschuldigender Geste treten wir in die "Dolphin"-Taverne ein. Wir bringen das Hochwasser mitsamt dem Erdreich Lefkadas in die Taverne. Unter die Tische mit ihren weiß-gelb karierten Tischdecken. Unter die Stühle mit den Sitzflächen aus Korbgeflecht. Wir ziehen eine Spur hinter uns her wie ein leckgeschlagener Öltanker. Der Gastwirt scheint von all dem nichts wahrzunehmen. Im Gegenteil: Er empfängt uns mit strahlendem Lächeln, heißt uns willkommen, meint, dass sich gleich jemand um die Beseitigung unserer Leckagen kümmern werde. Aber wir sollten jetzt erst mal auf dieses Wetter anstoßen. "Was nehmt ihr? Ouzo? Tsipouro?"

Am nächsten Morgen ist das Unwetter Geschichte. Nur die braune Erdsoße im sonst türkisen Hafenbecken von Vasiliki erinnert daran, während wir auf der Fähre nach Kefalonia in die Mittagssonne blinzeln. Voraus liegen schneeweiße Klippen. Zwischen ihnen liegen zu dieser Jahreszeit einsame Buchten mit Kiesstränden, die das Meer in ein paar Tausend Jahren zu Sand verwandelt haben wird. Die lieben Freunde haben Supermoto-XTs abgestaubt. Perfekt für winklige griechische Straßen. Hinter den Zypressenspalieren von Fiskardo drücken die Bikes ordentlich durchs Kurvengewimmel. Kurzer Wow-Stop auf der Klippe, die über die Bucht von Myrtos hinwegschaut. Wo bleiben wir heute eigentlich? Buchten gibt es ja genug. Die Wahl fällt auf einen pittoresken Abzweig an der Westküste. Eine tiefrote Piste mit Afrikaflair bahnt sich den Weg durch kniehohe Macchia. Im Gegenlicht der untergehenden Sonne produzieren wir glutfarbene Staubfontänen. Die Dakar für den kleinen Mann. Am Ende der Piste öffnet sich ein weites Rund vor dem felsigen Strand.

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Lefkada: Spontan mit Kumpels zelten? Gut möglich hier bei Ammoglossa unweit von Lefkas-Stadt.

Genau die richtige Stelle, um die Zelte aufzubauen. Mit dem neuen Morgen stechen wir wieder in See. Die Dritte im Inselbund ist Ithaka. Der alte Odysseus hatte hier seine Homebase, bevor er seinen kleinen Segeltörn startete. Wir landen in Piso Aetos. Die steilen Felsen haben kaum Platz für einen Hafen gelassen, der den Namen verdient. Einen Namen hat sich aber die Insel vor allem unter Aussteigern und Alternativen gemacht. Ecotopia ist eines der Projekte. Da wir weniger aussteigen als aufsteigen wollen, schrauben wir uns immer wieder von den Stränden auf die zahlreichen Anhöhen hinauf. Odysseus, warum bist du jemals weggefahren? Der Kies knirscht unter den Reifen, als wir an der Ostküste die Bikes abstellen. Eine weite Bucht. Der Duft von Pinien liegt in der Luft. Es ist kein Mensch zu sehen. Das Wasser: glasklar, herrlich warm. Voraus liegen weiße Segler in der Bucht. Die ersten Flaschen Mythos werden geöffnet. Ein Blick in den Kalender: Morgen ist Vatertag. Besser kann es nicht werden, oder? "Was machen wir morgen?" "In den Hauptort fahren. Der heißt schließlich Vathi." "Komm zu Vathi! "Ist klar!" "Prost, Vathi-Tag!"

Infos zur Motorradreise Ionische Inseln

Vor allem in der Nebensaison bieten die ionischen Inseln Lefkada, Kefalonia und Ithaka Fahrspaß und ursprüngliches Griechenland-Feeling. In den Touristen-Hotspots wie Zakynthos gibt es das nicht mehr.

Reisezeit/Anreise: Lefkada, Kefalonia und Ithaka gehören zu den Ionischen Inseln an der Westküste Griechenlands. Sie sind vom Frühling bis in den späten Herbst gut bereisbar. Igoumenitsa als Ausgangsort der Tour liegt von München auf dem Landweg 1700 km entfernt. Eine Reihe von Highlights, vor allen Dingen die fantastische Adriaküste, sprechen für diese Variante, die man natürlich schon als Motorradurlaub sehen kann.
Diverse Fährpassagen ab Venedig (24 Stunden) oder Ancona (16 Stunden) mindern dagegen die Anreisekilometer erheblich. So geht es mit www.minoan.gr oder auch www.superfast.com an Bord (Preise variieren je nach Wochentag, Jahreszeit und Nachfrage). Als dritte Möglichkeit bietet sich die Anreise per Flug, zum Beispiel nach Preveza an. Leihmotorräder (Yamaha XT 660) haben wir auf Lefkada bei "I Love Santas" geliehen (sieben Tage mit einem 48-PS-Bike kosten aktuell 190 Euro in der Nebensaison und 210 Euro in der Hauptsaison).

Motorradfahren/Strecke: Die Straßen sind kurvenreich, der Straßenzustand ist mittelprächtig bis gut. Besonders die Strecken an der Westseite der Inseln sind oft schmal, extrem kurvig und bieten neben reichlich Fahrvergnügen ausgezeichnete Aussichtspunkte. Obwohl Lefkada eigentlich eine Insel ist, kann man sie über eine Brücke vom Festland erreichen. Kefalonia und Ithaka können nur per Fähre angesteuert werden. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, auch abseits der asphaltierten Straßen unterwegs zu sein; wer dabei etwas Rücksicht nimmt, dem wird Toleranz entgegengebracht. Meistens aber interessiert es niemanden, ob ein paar Touristen auf Pisten unterwegs sind und eine Staubfahne hinter sich herziehen. Insgesamt haben wir auf den Inseln 687 Kilometer zurückgelegt.

Unterkunft: In Vasiliki haben wir einfache, aber gute Zimmer in Kostas Studios, gleich oberhalb vom Hafen, gefunden. Die übrigen Nächte wurde wild gezeltet (ist offiziell verboten, doch wenn kein Verbotsschild der Tourismusbehörde wildes Campen untersagt, wird es vor allem in der Nebensaison fast immer sehr entspannt gesehen und toleriert).

Aktivitäten: Lefkada-Stadt und Argostoli (Kefalonia) bieten ein breites Spektrum in Sachen Wassersport. Die Melissani-Höhle mit dem Karstsee auf Kefalonia ist eine Attraktion für sich. In der Hochsaison ist sie stark frequentiert. Auf Ithaka soll Odysseus seine Heimat gehabt haben, seine Frau Penelope hat dort während seiner ganzen Odyssee auf ihn gewartet. Wer es mit der griechischen Mythologie hat: Zwischen Igoumenitsa und Lefkada stößt man mit Acheron und Styx auf jene Flüsse, die zum Hades in die mythologische Unterwelt führen. Grandioser Literatur-Tipp: "Corellis Mandoline" von Louis de Bernières skizziert das Drama um die italienisch-deutsche Besatzung der Insel im Zweiten Weltkrieg und ist sehr lesenswert.

Literatur & Karten: Margret von Blokland: Reiseführer "Korfu, Ionische Inseln", Reise-Know-How-Verlag, 369 Seiten, 16,90 Euro. Becht/Talaron: "Kefalonia & Ithaka", Michael Müller-Verlag, 256 Seiten, 17,90 Euro. "Ionische Inseln", Marco Polo-Reiseführer, Reisen mit Insider-Tipps, 96 Seiten, gebraucht 2,59 Euro. Claudia Christoffel-Crispin, Gerhard Crispin: "Korfu/Ionische Inseln", Polyglott on Tour (Gräfe und Unzer-Verlag), mit gro-ßer Faltkarte, 160 Seiten, 12,99 Euro. Die Michelinkarte 737 "Griechenland" bietet eine gute Übersicht über das Reisegebiet.

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